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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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308 uttb auf die Höhe von 5015 fl. 22 kr. zu bringen. Anderseits hat sich das Capital deS Vereines um 5470 fl. in Rentenpapieren und 22 fl. 60 kr. in Baarem vermehrt. Wien. Man schreibt dem „Wiener Tage- Vtatte" aus BaziaS vom 27. März: Als gestern daS Passagierschiff in Turn - Severin landete, stieg ttntev den Passagieren auch ein Grieche in Begleitung eines dreijährigen Mädchens an's Ufer. Die daselbst angesammelte Volksmenge stürzte sich aus den Ruf: „Der Jud will das Christenkind entführen und zu Ostern schlachten, um Christenblut zu bekommen," Äer den Griechen her und drohte ihn zu lynchen. Eine Commission, mit einem walachischen Major an der Spitze, schritt wohl bald ein, zwang aber den Griechen, ungeachtet sich dieser mit einem türkischen Paffe als Griechen und türkischen Unterthan legttimirte, sich zu entkleiden und nahm so Angesichts der johlenden Menge den Augenschein vor, daß an dem Körper des Griechen keine Spuren des jüdischen Ritus waren. Erst nachdem sich der Grieche auf diese Weise als Christ erwiesen hatte, ließ man ihn mit seinem Kinde weiter ziehen." Prag, 2. April. Der bekannte Religionsstürmer, Judenthumsverächter und priv. Schulchanaruchfreffer, Herr Szanto in Wien, hat um seinem abonnenteNlosen Blatte, welches vor Kurzem, wie in journalistischen Kreisen wohlbekannt, aus Mangel an THeilnahme dem Verscheiden bereits nahe war, ein wenig auf die Beine zu helfen^ sich der rothen Reform in die Arme geworfen. Alles Echtjüdische mit Koth bewerfend hat er dem Codex, welcher für das religiöse LÄen maßgebend ist, den Krieg erÜärt. Mit dem schwachen materiellen und geistigen Fonde, mit welchen er sein Blatt zn redigiren genöthigt ist, war die Aufgabe für ihn eine sehr schwierige; aber Herr Szanto weiß, daß, wenn man im Wurstelprater den Juden prügelt, dies stets des Beifalls der Menge sich erfreut und er machte den Schulchanaruch zu seinen Prügelfcufcen, und glaubt hiemit zugleich materiell einen guten Fang gethan zu haben. Wahrhaftig, wenn der Schrllchanaruch nicht existiren würde, Herr Szanto müßte einen erfinden, um einen für den Plebs interessanten Prügelbuben zu gewinnen. Wie freuet er sich' jetzt, daß er einst in Prag als Bachur sich jene Elementarkenntnisse eigen machte , welche ihn befähigen, manche Stelle nottzdürftig zu lesen, er gewinnt gegenwärtig hiermit ein Anrecht auf die Subvention jener Herren Repräsentanten, welche in einer Weiulaune den Beschluß faßten — den Siddur zn vrvidiren und den Messias abzusetzrn. Die Herren mögen nun ihren Rausch längst ausgrschlasen haben nnd denken: „mögen sie beten, was sie wollen, wenn sie nur Cultussteuer zahlenHerr Szanto ist aber fest in seinem Dusel und ist nur nüchtern genug, seine sogenannten Parteigenoffe« des JndifferentismuS für die Parteifache anzuklagen, daß fte sich nicht zu dem geringfügigsten materiellen Opfer verstehen wollen, für die Realistrung ihrer eigenen Meinung. Doch hätten wir uns nicht erlaubt, die geschätzten Leser dieser Blätter mit dem Namen deS Herrn Szanto zu molestiren, wenn derselbe nicht die Impertinenz so wett triebe, seine rekigionsschänderischen und destructiven Vorschläge hie und da von feilen, sogenannten Rabbinen talmudisch aufputzen zu lassen. Da lebt in einer alten trefenen Kehilla ein Mann, der sich einst zu den Talmudisten zählen konnte, wiewohl er stets ein Heuchler und jedes relligiösstttlichen Gefühles bar war. Dieser Mann läßt sich Oberrabbiner Fasset tituliren, und sobald Herrn Szanto irgend ein Blatt aus dem Codex zu reißen beliebt, flugS ist Herr Oberrabbiner Fasset da, die Operation talmudisch zu rechtfertigen. Herr Fasse! hat schon seit vielen Jahren keine Autorität in religiösen Dingen und wie seine Beweise darthun, zeigt er sich stets als oberflächlichen Schwachkopf. In Nr. 12 der Neuzeit will ein gewisser Josef Löwy aus Kanisa, eiweben so guter Hebräer, als berüchtigter Apikores, die verschiedenen Eheverbote für die Kohanim aufgehoben wissen und motivrrt dies mit der Unzevgemäßheit derselben, besonders sollten Kohanim Proselytinnen heirathen dürfen. Herr Szanto ist von dieser Idee ganz entzückt. Flugs kömmt in Nr. 13 Herr Faffel ganz gelehrt heran und meint, daß eine.mw doch keine n:n sei, da eine r»n doch nur eine ntyzij ist, und bei den gegenwärtigen, gehobenen, sittlichen Zuständen vom unkeuschen Vorleben der Proselytin doch keine Rede sein kann. Herr Faffel schwatzt noch anderes Zeug, versteht sich alles im hochgelehrten Pathos. Es ist hier nicht der Ort, Faffel zu beweisen, daß er ein flacher Ignorant sei, der feinen Gegenstand nicht untersucht, daß er wissen sollte, daß .iv s'-DOv ntyuJ nur bei n^tnts" eine ruu ist, daß aber rrno bezüglich zum Kohen im allgemeinen und mw immer ohne Ausnahme selbst bei 'jd nrons eine run heißt, weil s'Nip'v bei ihr stattfinden; wenn Herr Faffel sich unterrichten will, so möge er die betreffenden Stellen in tonn n"n 'Dirn '»s Dy mion 2"s pm:D n'd nroa» ifft>?"y nach schlagen, hier ist aber der Platz, alle Aufmerksamkeit der ehrlichen Glaubensgenossen anzuregen, daß sie auf das Treiben dieses warnt jpi acht haben sollen. Es kommen bei der gegenwärtigen staatlichen Gesetzgebung in Mitteleuropa Proselytenfälle sehr häufig vor, wie leicht geschieht es nicht, daß irgend ein Rabbinerlein sich auf die ver-

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