Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1871)
- Date
- 1871-04-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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306 aus Pskow, 20 Jahve alt, der mit der Verurteilung Beider zum Tode endete. Der Thatvestand, welcher - der Anklage zu Grunde liegt, ist kurz folgender: * Die beiden Angeklagten, welche Anfangs Novem- Bet ö. I. hier aus ObstkLhnen gearbeitet hatten, mieteten am 10. November Morgens bei den jüdischen | E heleuten Lipfeldt, Klosterstr. 2, eine Schlas- - stelle, die ihnen Abends in dem Wohn- und Schlafi zimrner der Lipseldts auf ebener Erde mit Strohsäcken; Bereitet wurdd. Am andern Morgen fand der gleichfalls bei Lipseldts in einem aparten Zimmer als Af- I termiether wohnende Handelsmann Beil die beiden * neuen Schlafburschen schon um 7 Uhr ausgeflogen, die Lipfeldtschen Eheleute dagegen todt im Bette lie- % gend. ES war ihnen, wie die sofort angestellte krik minalpolizeiliche Untersuchung erwies, die Köpfe mit einem eisernen Hammer eingeschlagen, der sich im Zimf: mer vorfanb; das baare Geld, mehrere Werthsachen und I Kleidungsstücke des ermordeten Mannes fehlten. Sof fort wurde aus die beiden Russen gefahndet und durch k eine Reihe glücklich zusammensallender Umstände ihre b Ergreifung am Abend des 13. November in dem k Augenblicke ermöglicht, als sie von Königsberg in ' Preußen mit der Eisenbahn nach Stallupöhnen abreisen wollten. Gorunow hatte bei seiner Verhaftung 63 Thlr. im Besitz, und zwar in einem Geldbeutel, der aus dem Eigenthum des Lipfeldt herstammte, st Monastyrsky trug 66 Thlr. in einem dem Lipfeldt \ gehörigen Tuche bei sich, außerdem fand man bei; ihnen zwei silberne und eine goldene Uhr, ebenfalls Ggenthum der Lipseldts. Ihr Anzug bestand aus ~ ganz neuen Gegenständen, die sie zwei Tage zuvor in;; Neustadt eingekauft hatten; als sie vier Wochen früher ' durch Königsberg nach Berlin durchreisten und beim Betteln arretirt wurden, waren sie sehr abgerissen und ' besaßen im Ganzen nur 1 Sgr. im Vermögen. Monastyrsky wiederholte im Audienztermin das bereits in der Voruntersuchung abgelegte Geständniß, durch welches er die Hauptschuld auf Gorunow zu wälzen sucht. Dieser habe ihm am 10. November f den Vorschlag gemacht, die Lipseldts, von denen er wußte, daß sie stets größere Summen Baargeld zu st' Haufe hatten, zu bestehlen, nöthigenfalls zu ermorden, fr. Monastyrsky, anfänglich dem Plane abgeneigt, habe l sich später zureden lasse n, und zu diesem Zwecke im Laufe des Tages dem Böttchermeister Heinrich am Monbijouplatz einen Hammer entwendet. Nachts um - halb ein Uhv, als im Hause alles still geworden, sei k Gorunow aufgestanden und habe ihm den Hammer mit der Aufforderung gereicht, auf die alten Lipseldts, welche beide zusammen in einem Bette schliefen, los- :■ zuschlagen; als er sich geweigert, habe Gorunow die LipfeldtS mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen, / während er Monastyrsky, mit einem Streichholz leuch- - tete, und nun habe auch er im Finstern zwei Streiche nach denselben geführt, ohne einen Schrei oder ein Röcheln der Alten zu hören, die also jedenfalls schon todt waren. Darauf hätten sie die Lampen attgezündet, das baare Geld, welches sie vorfanden, drei 50 Thalerrollen und zwei Zehnthalerscheine, getheilt, die Uhren zu sich gesteckt, die Kleider des Lipfeldt angezogen, um 6 Uhr das Haus verlassen und die Reise nach Neustadt-Eberwalde zu Fuß angetreten, wo sie sich neu equipirten. Gorunow stellt sich dagegen so unschuldig wie die Sonne am Himmel dar. Er sei in jener Nacht gegen 12 Uhr von einem eigenthümlichen Geräusch aufgewacht; als er jedoch den Monastyrsky am Bette gesehen, sei er der Meinung gewesen, derselbe habe mit dem Nachtgeschirr geklappert, und darauf wieder eingeschlafen. Morgens habe ihn Monastyrsky geweckt, ihm befohlen, die Mütze und den Rock des Lipfeldt anzuziehen, und dann seien Beide nach Neustadt-Eberswalde gegangen. Unterwegs habe Monastyrsky erzählt, er habe die beiden alten Juden todtgeschlagen und ihm das Geld die Uhr rc. geschenkt. DafürEÜsse er nun ganz unschuldig leiden. Die Beweisaufnahme bestätigte in allen die Behauptungen der Anklage, sie läßt nicht den ge-' ringsten Zweifel zu, daß die beiden Russen die, Mörder sind. Erwähnenswerth ist nur das sachverfi dige Gutachten des Professor Dr. Liman, nach welchen. die beiden letzten angeblich von Monastyrsky geführrc. Schläge noch auf die lebenden Menschen geführt wurden, obwohl jeder einzelne Schlag für sich tödtlich war. Diese Frage war es hauptsächlich, mit welcher sich die Pertheidigung des Defensors des Monastyrsky, Rechtsanwalt Hör Witz beschäftigte; er behauptete sein Klient habe nur auf Leichen geschlagen, sei mithin unschuldig. — Der Vertheidiger Gorunow's, Justizrath Ärndt, plaidirte aus den verschiedenen Widersprüchen MonastyrSky'S für das Nichtschuldig. — Die Geschworenen sprachen nach einstündiger Beratung daS Schuldig des Mordes an den Lipfeldt'schen Eheleuten in Gemeinschaft mit einander und nach vorheriger Verabredung über beide Angeklagte aus, wonächst der Gerichtshof nach Antrag des Staatsanwalts Ziegler das Todeöurtheil fällte, das von Monastyrsky mit Zeichen konvulsivischer Regung, von Gorunw mit kalter Ruhe ausgenommen wurde. Die Verhandlungen wurden in deutscher, polnischer und russischer Sprache geführt. Berlin, 8. April. Wie die Köln. Ztg. hervorhebt, ist im Bundesrathe des deutschen Reichs gegenwärtig auch ein Israelit, der badische Bevollmächtigte Ellstädter.