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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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304 Selavenfesseln Egyptens faßten, dann erst konnte das Zählen, das ernste Ermägßp Unserer Pazo und dgS Zunehmen an Erkenntniß iWd Tugend tg*<$ den Mor? ten des Psalmisten: »7N22N 33p N'3J1 y"lin p U’D' „Lehre uns unsere Tage zählen, damit wir es zu einem weisen Herzen bringen," beginnen. Iber die Zest deS Omerzählegs bietet unS noch , andere Momente, die geeignet sind, in seine hohe Bedeutung für unsere Lebensführung tiefer einzudringen und so den Geist, der dieser religiösen Vorschrift zu Grunde liegt, bester zu erfassen: Wohin wir auch in diesen Frühlingstagen den Blick wenden, da treten uns neue Bildungen vor das Auge, oder eS erscheine» altere Bildungen in vielfach veränderter Form. Dis schöpferische Kraft tritt in der mannigfaltigsten Weife in tausenderlei Gestalten zu Tage. ES ist ein allg«uetnes Regen und Streben nach Vollendung; es ist Bewegung, in welcher die schaffenden und bildenden Kräfte ihre Grüße, ihre Wirksamkeit äußern; Bewegung, hie in der Formveräuderung der Dinge unserem Apge sichtbar wird. Allmählich und gleichmäßig fortschreitend merken wir dieselbe erst, wenn die dadurch hewirkt? Formveränderung eine augenscheinliche, eine auffastende geworden. Dann rufen wir verwundert {tu*: Welch' neue Erscheinungen! Wix erblicken Dinge, von, denen wir vor Kurzem keine Spur des Daseins wechrnahmen, und das früher Erkannte und Gekannte scheint uns nicht mehr dasselbe zu sein. Und doch ist dieses nur scheinbar. tfDitrn nnn tcnn y-r. „Nichts AfssireS unter der Sonne." Di- Keime zu allen Dinars sind von Anbeginn vorhanden. wn nn&o löbrpi os^nn bm3*>3 tb’ TJ33 tan’ „Sie veralten, wie ein Gewand; wie ein Kleid wechselst Du sie, und sie wechseln; Du aber und Steine Jahre sind unvergänglich." Es sind wiederum dieselben Dinge, von denen hft einen nur in veränderten alten Formen, die andern dagegen als junge Sprößlinge in jugendlicher Schön- Ws hervortreten. Kenn aber auch die Bewegung hier überall als. ejpe stetige, als eine gleichmäßig fortschreitende erscheint, so ist das Maaß ihres Ganges nicht überall dasselbe, da ja manche Dinge ihrer Vollendung weit schnelle^ entgegenschreiten, als andere. Auch her Mensch, dieser ^-un q^y.3 Pvp cPiy, ist geistig Md körperlich diesem Gesetze der Bewegung Mferwoxsen. Während jedoch die ganze Körperwelt tpistenlos dem angewiesenen Ziele zustxeht, wandelt des MenschM GM frei d.es Lebens Bahn. Auch der Mensch bemerkt das stetige unmeMche Fortschreiten der Hemegnog an ftch selbst erst nach längeren Zeitläuften, wen» die Form? und GejsteMränheMng eine größere geworden, und da ruft er, voll Verwunderung auf sich hinblickend, das bihlische aus: „wa -ist du? welche VeräAerung ist mit dir vorgegangen? ynh gar oft hat dt« unmerklich fortschreitende Bewegung in unserem Lebensgange zu einem Ziele geführt, daß das Fragewort sich iu das Klagewort 70'$ verwandelt. Und Mancher ist gar raschen Laufes in diese Lage gekommen und steht nun trauernd da ob des verfehlten Zieles und er möchte einlenken in die rechte Bahn; doch der Mensch reißt sich nach einem bekannten Naturgesetz schwer los von liebgewordenen Gewohnheiten, selbst wenn er auch die Einsicht erlangt hat, daß er auf irrem Wege ist. Die Omerzeit soll nun mit ihrer religiösen Pflicht dem Israeliten daS Ziel zeigen, das er zu erstreben hat. Op D'ffon n^Dn wp'OLN rarn mnoD ny. „Ihr sollt zählen bis zum Morgen nach der siebenten Woche 50 Tage", bis zum Tage, da ihr die Befähigung erlangt habt, den Gottesgeist in euch auszunehmeu, den Gottesgeist, der die Bewegung auf die Bahn und in der Bahn leitet, auf welcher sich die Keime menschlicher Tugenden nach göttlichen Absichten entsaften können, den Gottesgeist, der das menschliche Herz befruchtet, daß aus ihm die edelsten Werke hervorgehen; denn wie in der Natur, so ist auch hier der Gottesgeist die schöpferische Kraft, durch welche des Menschen Gedanken zu edlen Thaten reifen. In diesem Sirme sagt auch der Midrasch: in 'no'N :nj”,"pn niD'cn mnzi» ynar wn v"i Dipo vV unn yttny pn? roo'en Rabbi Ehaje lehrt: „Sieben vollkommene Wochen solleg es sein. Wann sind dieselben vollkommen? Zur Zeit, wo die Israeliten im Geiste Gottes wandeln." Zeigt uns nun das Omerzählen unsere Aufgabe, im Guten und Edlen stets fortzuschreiten und damit nach den Worten des Propheten: «p" '3 v'vyp , „Es ist gut für den Menschen, wenn er das Joch schon in der Jugend trägt," schon in den Frühlingstagen unseres Lebens zu beginnen, weil die Verdienstlichkeit um so größer ist, je mehr Kraft wir der Versuchung entgegensetzen, so ist die Zahl der Omertage und Omerwochen besonders belehrend und geeignet, uns Israels geschichtliche Aufgabe im wahren Lichte zu zeigen. Unsere Weisen neunen die Omerzeit p3Hn 'O' hinblickend auf die Reinigungsvorschrift der sieben Tage, die der Eheverbindung vorangehen müssen und welchen entsprechend hier 7 Wochen zu zählen vorgeschriebe» sind» In Wzrajim waren unsere Väter irr t"y nxoiD versunken. Durch n3»b an dds di hatten sie sich davon ger-inigt; jetzt mußte aber auf der betretenen Bahn fortgeschritten werden und die n"p) 'O' rvy3ff |

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