Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 14-15 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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301 Hoffnung zu verlieren, 'man irr 'prvM ^min 'bib "^2. Wohl ihm, daß ihm in seiner Kindheit die selige Gottesgabe der Religion ins Herz gelegt wurde. Denn derjenige Mensch, der keine Religion hat, ist ein armer Mensch zu nennen, und Heil dem Lehrer, der sich die hohe, edle Aufgabe gestellt hat, seine Schüler heranzuziehen zu echten Menschen, die die Religion stets als Fackel vor sich her leuchten lassen, nvnd o’brron nrr ren» n« 'n nan. Aber nicht nur ein Präservativmittel gegen Noth und Elend ist Religion, sie verklärt vielmehr das ganze Leben, durch sie werden die Freuden des Lebens reiner und edler empfunden; sie läutert das Herz, während die Wissenschaft den Geist schmückt, und darum wird es dem Lehrer wohl eine hohe Befriedigung, eine tief empfundene Freude und eine beständige Stütze zum kräftigen Ausharren in seinem schwierigen Berufe sein, das Bewußtsein in sich zu tragen, daß er es ist, dem die heilige Pflicht obliegt, die Jugend und somit die Menschheit zur reinen Gotteserkenntniß und zur Tugend, zum Wissen und zum Können zu führen; daß ihm d'e Pflicht obliegt, der Jugend die Kenntniß der Thora und das große Gebiet des menschlichen Wissens zu erschließen. Sowie nun der Lehrer seine Freude daran finden wird, die Jugend zu bilden, so ist ihm zugleich auch die Gelegenheit geboten, sich selbst an der Jugend zu bilden. Wir können dies in zwei Punkten Nachweisen: erstens, daß er durch das Unterrichten lernen wird, denn indem wir lehren, lernen wir; zweitens, daß er schon in der Schule, an der Jugend, zum Menschenkenner und Beurtheiler der Menschbeit werden kann. Diese beiden Wahrheiten wollen wir in der Folge einer kleinen Beleuchtung unterwerfen und eine nach der anderen besprechen. (Schluß folgt.) Literarisches. Fr. Dittes, Geschichte der Erziehung und des Unterrichtes. Leipzig 1871. (Klinkhardt.) 8°. 216 S. Dcr als Pädagoge rühmlichst bekannte Verfaffer des vorliegenden Buches, den die neue Aera in Oesterreich als Direktor des Lehrer-Pädagogiums zu Wien berufen hat, steht schon eine lange Reihe von Jahren als Vorkämpfer einer gediegenen Lehrerbildung in Deutschland da. Hebung des Unterrichts durch Hebung und Verbesserung der Lehrerseminarien hat er zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Wir begrüßen daher die vorliegende, „für deutsche Volksschullehrer" geschriebene Geschichte der Erziehung mit wahrhafter Freude, da damit den Lehrern der Volksschulen ein Bildungsmittel in die Hände gegeben ist, das den Schuten selbst zum höchsten Segen gereichen wird. Wir lernen sowohl von den Fehlern als den Vorzügen der Vergangenheit: die Geschichte im Allgemeinen, wie die Geschichte der Erziehung im Besonder», hat nicht allein formalen, culturhistorischen, sondern auch realen Werth; was sich im Laufe der Zeiten bewährt, Principien, welche Generationen überdauert haben, tragen den Stempel des Richtigen und Wahrhaftigen an sich und haben daher auch Anspruch darauf, von uns, wenn auch nach Zeit- und Ortsverhältnissen modificirt, angewendet zu werden, während bereits gemachte Fehler uns vor der Gefahr des ExperimentirenS hüten. Dem Lehrer ist daher die Kenntni'ß der Geschichte der Erziehung unerläßlich. Wir besitzen nun allerdings unter andern schon eine großartige Arbeit, die Geschichte der Pädagogik von Karl Schmidt, deren zweite „vermehrte und verbesserte" Auflage von Richard Lange in Hamburg besorgt ist, aber diese Arbeit ist ein vierhändig s Werk, und zu groß und umfassend für die Bedürfnisse des Volksschullehrers, und daher zu theuer (das ganze Werk kommt auf circa 9 Thlr), als daß man die Anschaffung desselben ihm zumuthen könnte. Vorliegendes Buch Hilst einem längst gefühlten Bedürfniffe ab, und gerade DitteS war der geeignete Mann, die Aufgabe zu lösen, dem Volksschullehrer ein Buch in die Hände zu geben, daS das Rothwendige und Wichtige hervorhebt, das Unwichtige übergeht, und doch ein klares, lückenloses Gesammtbild der Erziehung von den ältesten Zeilen bis auf die jüngste Zeit dem Leser entrollt. Die Erziehungsverhältniffe und Erziehungsgrundsätze der allen Culturvölker des Orients und OccidentS ziehen vor uns vorüber; belehrend und angenehm unterhaltend zugleich wird der Faden der Erzählung dmch das Mittelalter hindurch bis auf die Gegenwart gesponnen, wobei Luther, Baco, Ratich, Commius, Locke, Francke, Rousseau und Pestalozzi als schärfer markirte Skizzen hervortreten. Doch hätten wir gewünscht, daß auch Diesterweg eine für die Verhältnisse deS Buches eingehendere Erörterung gefunden hätte. Der billige Preis des Buches ermöglicht jedem Lehrer die Anschaffung desselben, und ist es im Interesse derselben zu wünschen, daß es in keiner Lehrerbibliothek fehle. Zum Schluß wollen wir auch noch Auszüge aridem §. 8: „Die Semiten, besonders die Israeliten," mittheilen. Wir finden hier, was trotz unserer aufgeklärten Zeit so selten ist, eine vorurtheilslose Würdigung der Verdienste des Judenthums und der Juden von Seiten eines Christen. Daß er dabeidie christliche Religion die „humanste" nennt, daß er von Scholastik im Judenthum und von Nationalfehlern der Juden spricht, zeugt gerade dafür, daß das Lobende über