Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 14-15 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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302 *(e Juden nicht nur eine blinde Lobrede, daß vielmehr das Urtheil über dieselben rein unparteiisch gegeben ist. Von allen semitischen Völkern sind nach DitteS nur die Israeliten, die die Menschenrechte des Kindes anerkannten, „das einzige wahrhaft pädagogische Volk." „Sie allein stehen noch heute als lebendiger Zweig dieses alten Stammes inmitten der großen Völkerfamilie; Jahrtausende hindurch, unter ägyptischer, babylonischer, persischer, makedonischer, syrischer und römischer Knechtschaft, unter den Verfolgungen durch Heiden, Christen und Mohammedaner, unter dem Drucke harter Gesetze, unter der Verachtung der Nationen, unter der aussaugenden und entwürdigenden StaatSkunst der Regenten haben sie ihr Eigenleben bis auf diesen Tag behauptet; ihre Freiheit, ihre Rechte, ihre Arbeit, ihre Existenz standen fast immer und überall in Frage; ihr Vaterland, fast auch ihre Sprache hoben sie verloren: aber ihr Blut, ihren Charakter, ihr Selbstgefühl, ihren Nationalstolz, ihren Glauben haben sie bewahrt. Wenn irgend ein Volk auf dem weiten Erdenrunde, so haben die Israeliten bewiesen, welche Macht eiyer konsequenten Erziehung eigen ist. Denn nur aus der systematischen Fortpflanzung des Judenthums von Geschlecht zu Geschlecht ist die beispiellose Zähigkeit und Dauer desselben begreiflich. Aber nicht die Starrheit des Chinesenthums, sondern die individuelle Selbstständigkeit und Entwicklungsfreiheit ist das Lebens¬ und Erziehungsprincip der Israeliten. Sie wissen flch in die Zeit, in die Menschen, in die Umstände zu schicken, um unter allem Wechsel des äußern Daseins ihre Eigenart zu behaupten; sie verschließen sich gegen keine Neuerung, und ihre Geschichte ist im Großen und Ganzen eine Geschichte des Fortschrittes, nicht deS Rückganges, der steten Verjüngung, nicht deS tödtlichen Siechthums." (S. 37 ff.) Nachdem nun in htngeworfener Skizze — hie wir übrigens nicht als in Älen Stücken zutreffend bezeichnen können — die Umrisse der Prinzipien jüdischer Erziehung gegeben sind, und namentlich „das Menschenrecht des israelitischen Kindes," wie der KoSmopolitiSmuS, wie er sich in den Propheten kundgibt, hervorgehoben ist, fährt der Verfasser S. 41 fort: „Aber im Ganzen haben die unter allen Völkern zerstreuten Israeliten immer eine hervorragende Begabung und ein lebhaftes Interesse für intellektuelle Arbeit an den Tag gelegt, und Jahrhunderte lang sind sie die wichtigsten Pfleger der Wissenschaften: der Mathematik, Astronomie, Medicin. Geographie, Geschichte, Sprachkunde und Philosophie, gewesen. — Noch jetzt zeichnen sich die Juden durch große Regsamkeit auf allen Gebieten des geistigen Lebens aus. Insbesondere ist auch ihre Betheiligung am Schulwesen meist eine sehr eifrige. Die Eltern halten ihre Kinder nachdrücklich zum Lernen an und bekümmern sich sorgfältig um ihre Fortschritte; die Kinver stehen nicht selten an Wißbegirde und zähem Fleiße ihren christlichen Schulgenossen voran. Auch an werkthätiger Menschenfreundlichkeit zur Erziehung der vom Schicksale oder von der Natur vernachlässigten Kinder (der Waisen, Tauben, Blinden) fehlt eö den Israeliten nicht, wie ihnen überhaupt der Sinn für Humanität nur mit Unrecht abgesprochen werden kann; ist ja doch die humanste (?) aller Religionen aus dem Judenthum hervorgegangen. Und wenn auch dasselbe noch manche Schattenseite als Erbtheil des Stammes (?) und als Wirkung langer Mißhandlung an sich tragen mag, so haben doch die modernen Völker allen Grund, an ihre eigene Brust zu schlagen und mit den Israeliten eine aufrichtige Versöhnung auf Grundlage voller Gleichberechtigung herbejzusühren." In einer Zeit, in welcher wir nicht allein unter Nichtjuden, sondern sogar in jüdischen Kreisen selbst, aus Unkenntniß und oft auch auf Böswilligkeit beruhenden, wegwerfenden Urtheilen über den Werth des Judenthums begegnen, thut ein solches Wort, wie wir es eben aus christlichem Munde vernommen, wohl, und zeugt von dem Geiste der Wahrheit, von welchem das ganze Buch getragen wird. Wer fremdes Verdienst zu schätzen weiß, ist der wahre Priester der Wahrheit, zu dessen Füßen wir uns gern lernbegierig setzen, um von ihm Lehren der Wahrheit zu hören. Briefkasten. Herrn Lehrer S. in D.: Die von Ihnen in Aussicht gestellte Serie: „Pädagogische Briefe" ist uns willkommen. Herrn B. in W.: Nicht geeignet. Hegen Mangel an Raum konnten wir heute noch nicht die von den Wohllöbl. Verlagsbuchhandlungen eingegangenen Schriften anzeigen. Es wird dieses in der nächsten Nummer geschehen. MT* 1 Correspondenzen und Beiträge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischer; Matts zur Besprechung in diesen Blättern wolle man gefälligst adreffiren an Dr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rouxffchen Hofhuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.