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Der Israelit · 1871-04-05 · Heft 14-15 (5.4.1871) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 14-15 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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mm XII. Jahrgang. ZweiteB eilagrz«Rr.14L15 des Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Dom Oberrhein, 22. März. Der „Schweizer Grenzpost" wird aus Ctroßburg geschrieben: Die Organisation der beiden Sä »Lehrerseminare im Elsaß halte eine allg<meme Einsprache hervergernfen, und diese ist sowohl bei den betreffenden Behörden als in den öffentlichen Blättern der Provinz sehr lebhaft angeregt; deßwegen bat sich der Hr. Civilcommiffär v. Kühlweiter bewogen gesunden, den israelitischen Schülern den Eintritt in die eine oder die andere der beiden Anstalten in Etraßburg oder Colmar unter den nämlichen Bedingungen wie für die Zöglinge der beiden andern Confessionen zu geffatten. Obsckon letztere Begünstigung«« allgemeine Anerkennung gesunden hat, so muß man immerfort bedauern, daß durch diese consessionelle Spaltung der Normalschnle das seither so lot er Swerthe Zusammenwirken sämmtlicher Volkslehrer, Welcher Religion sie auch anpehörter, gefährdet werden könnte, zumal es bei uns viele Gemeinden gibt, welche Lehrer oller drei Eonsessior en nöthig haben, und die in der nämlichen DildungSanstalt arferzogen, sehr oft in der Zugend die innigsten Freundschaftsbande für die ganze Dauer ihres Lebens geknüpft haben. — Oesteneichifcher Kaiserstaat. Ueber einen Judenkrawall in Saybusch gehen uns aus Bielitz, 26. D Srz folgende Mittheilungen zu: Die Tuchfabrik in Saybufck, welche zum Stadtgebiet gehört, iff tzigenthum des Julius Brück hier, welcher dort feit vielen Jahren hundert Menschen beschäftigt. Seit wtbreren Jahren wobnte in dieser Fabrik Herr Arnold Lion, ein Jude, als Werkführer derselben. Er verlobte sich mit Fräulein Heller, die er denn auch am 23. d. M. heirathete. Schon vor circa zwei bis drei Wochen schrieb der Saybuscher Bürgermeister, Herr Obtulowicz, dem Herrn Brück, daß man nichts dagegen habe, wenn sein Werlsülrer ledig in der Fabrik wohne, daß aber reffen Verble Len, das heißt wohnen, im veiheiralheten Stande nicht geduldet werden wird. Man will offenbar in der Stadt Eaybusch keine neue jüdische Familie dulden, fordern alle Juden auf die Vorstadt beschränken. Herr Brück zeigte dies dem Bezirksbauptmann Herrn Wayda an, welcher eS nicht an Warnungen und Drohungen an den Herrn Bürgermeister und an die gleichgesinnte Bürgerschaft fehlen und sofort die geeigneten Aufträge an die Gendarmerie und Finanzwache ertheilen ließ. Freitag den 24., Abends, sammelte sich die Bürgerschaft vor der Fabrik und drohte Alles zu zertrümmern, kallS das TagS zuvor eingezogene junge Ehepaar nicht susziehen sollte. Dem Zureden oder befsir den Drohungen der herbeigeeilten Gendarmerie nnd der Finanzwache gelang es, daß endlich die Leute auseinandergingen. Gestern Abends, den 25. d., um 7 Ubr, erschienen wiederum viele Hunderte der sogenannten Saybuscher Bürger, singen gleich mit Steinen sowohl die Fenster, als die Fensterladen zu zertrümmern an, bewarfen die herbeigeeilte Gendarmerie und die Finanzaufseher mit Steinen, worauf die Gendarmerie und die Finanzwache vorerst in die Lust schoß, aber als sich dieselben an ihrem Leben bedroht sahen, schossen sie scharf, wobei eine Saybuscher Bürgerin getödtet wurde und mehrere schwere Verwundungen vor kamen. Trotzdem mußte die Gendarmerie und die Finanzwache der ungeheuren Uebermacht weichend, sich zurückziehen, auch ist der wackere Bezirkshauptmann vom Pöbel persönlich insultirt worden. Die Sache nahm, nackdem die Zimmer erbrochen, alle Möbel zertrümmert, viele Maschinen sehr beschädigt und dem Herrn Arnold Lion mehrere Löcher in den Kopf geschlagen worden, solche Dimension an, daß der Bezirkshauptmann um 12 Uhr Nachts nach Krakau um Militär telegraphier, welches auch in der Stärke einer Kompagnie heute Morgens mit deul Zuge hier eintraf, und im Eilmärsche nach Saybusch marschirte. Die Sacke steht ernst aus, weil die Bürgerschaft droht, noch besondere Rache an jenen in Zablcczy d. h. auf und in den Saybuscher Vorstädten wobnenden Juden für die getödtete Bürgerin zu nehmen. Die Kerle hatten Courage, weil sie vor mehreren Jahren bei einem ähnlichen Falle den Kaufmann Popper des Nachts delogirt, ihn, feine Frau und Möbel über die Brücke nach Zabloczy transferirten. Das junge Ehepaar flüchtete hierher nach Bielitz. England London. Die „Times" stellte in ihrem Leitartikel vom 2. März folgende interessante Betrachtung an: Die älteste Race, deren Geschichte als Volk weiter in das Alterthum hinanreichr, als die aller übrigen Völker der Erde, deren Bestimmung ist, sich in unserer Zeit in allen Ländern zu befinden und daselbst überall den Gipfel der socialen Leiter zu erreichen, die älteste Race, sagen wir, hat außer andern Zügen charakteristischer Auszeichnungen auch die, daß sie jedes Jahr die Jahresgedächtnisse der Erniedrigung beobachtet. Die Kinder Israels fürchten sich nicht, an die Leiden zu denken, von denen ihre

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