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Der Israelit · 1871-04-05 · Heft 14-15 (5.4.1871) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 14-15 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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286 schlimmere Eigenschaften als ihr Gatte. Während bei diesem das gute Princip mit dem bösen stets um die Oberherrschaft rang, war die Fürstin immerwährend von den häßlichsten Leidenschaften beherrscht. Intrigant, coquett, wollüstig bis zum Uebermaaß, war sie stets von Neid und Eifersucht gegen alle Frauen erfüllt, von denen sie fürchtete an Schönheit und Eleganz üherstrahlt zu werden. Der Junker von Schwarzenstein hatte ihr schon in M. gefallen; auf Schloß Hohenburg entspann sich bald zwischen den Beiden ein Verhältniß, das alle Welt, nur der schwache Gatte nicht, bemerkte. Doch kehren wir zu den Helden unserer Geschichte zurück. Als Mnjam mit ihrem Galten nach Hohenburg fuhr, waren bald ihre Thränen getrocknet, die ihr der Abschied von den Eltern erpreßt hatte. Fröhlich kam sie in ihrem neuen Wohnorte an und nahm das schöne, palastartige Haus in Besitz, das Nathan bewohnte und das sein Eigenthum war. Wie Ihat eS doch der in ärmlichen Verhältnissen, im Ghetto herangewachsenen jungen Frau so wohl, in den weiten Räumen ihres Hauses zu walten und zu schallen, Alles nach ihrem Geschmacks einzurichten, im großen schönen, an daS HauS gränzenden Garten sich zu ergehen, sich mit den herrlichsten Gewändern, mit Gold und Edelsteinen zu schmücken und in den Straßen der kleinen Stadt Hohenburg einherzustolziren! Als Nathan seine junge Frau bei Hofe vorstellte, war Fürst Ferdinand sehr gnädig gegen die Gemahlin seines Vertrauten. Der Junker von Schwarzenstein, der sofort in ihr das Mädchen wieder erkannte, das er einst in Mainz zu rauben versucht hatte, betrachtete sie mit lüsternen Blicken. Die Fürstin, welcher das Benehmen ihres Liebhabers nicht entging, wurde von Neid und Haß gegen . Mirjam erfüllt, deren liebliche Erscheinung ihr ein Dorn im Auge war; Nathan und Mirjam merkten von allem Dem. nichts. Der Briefwechsel zwischen M. und Hohenburg war eine Zeit lang sehr lebhaft. Herz Weißenfels und seine Frau sehnten sich sehr danach, ihre Tochter in deren Häuslichkeit zu sehen; sie hätten auch schon diesen ihren Herzenswunsch erfüllt — allein, der Kurfürst war erkrankt und ließ manchmal Herz an sein Lager rufen; deßhalb durfte dieskr M. nicht verlassen. Als aber von Hohenburg die Mittheilung kam, daß ein freudiges Ereigniß, die Geburt eines Enkels oder einer Enkelin, in Aussicht stehe, da beschloß Herz Weißenfels trotz aller entgegenstehenden Hindernisse mit seiner Gattin nach Hohenburg aufzubrechen, damit diese der einzigen Tochter in der Stunde der Gefahr hilfreich zur Seite stehe. Der Mensch denkt und Gott lenkt. Der Kurfürst starb und dieses traurige Ereigniß erschütterte den armen Herz so sehr, daß auch er aufs Krankenlager fiel. Tag und Nacht verpsiegte ihn die treue Gattin mit der aufopferndsten Sorgfalt; allein die Gewalt der Krankheit war nicht zu brechen. Rabbi Feist „Doktor," der Arzt der Judengasse, schüttelte bedenklich das Haupt. Während bereits die Krankheit so weit vorgeschritten war, daß sich die fromme Brüderschaft am Bette des Leidenden versammelt hatte, um mit ihm die Sterbegebete zu beten, kam ein Courier von Hohenburg und brachte einen Brief, in welchem die frohe Nachricht stand, daß Mirjam einen Sohn geboren. „Masel tow! Herz," riefen diesem die Freunde zu, „Eure Mirjam hat eine Briß Miloh*)" Da leuchteten die Augen des Kranken noch einmal auf, ehe ste brachen, und während die Brüderschaft mit lauter Stimme rief: „Höre Jisrael, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig!" hauchte Herz seinen Geist aus. Das war zu viel.für die arme Leah; Freude und Schmerz, zu plötzlich auf sie einstürmend, warfen auch sie auf das Krankenlager, von dem sie sich nicht mehr erhob. Unterdeß wartete man in Hohenburg vergeblich auf den Wagen, der die Eltern von M. bringen sollte; statt ihrer kam ein vom Vorstände abgesandter Courier, der die entsetzliche Trauerbotschaft brachte. Still und traurig wurde das Beschneidungsfest gefeiert. Das Kind erhielt nach seinem soeben verstorbenen Großvater den Namen Naphtali Herz. Natban suchte die schlimmen Nachrichten solange als möglich seiner Gattin zu verheimlichen. Als sie jedoch dieselben erfuhr, war ste lange untröstlich. Nathan bot natürlich alles Mögliche auf. um die Trauer seines jungen Weibes zu lindern; auch in ihrem kräftigen, bildschönen Knäblein fand die junge Frau Trost und Linderung ihres tiefen Kummers. Die Zeit verging ruhig und still. Auch auf Schloß Hohenburg war es still. Der Junker von Schwarzenstein schien nur seiner Leidenschaft für die Fürstin zu leben, und der Fürst war, wenn er nicht unter dem Einflüsse seines Günstlings stand, nicht geneigt, das wilde und ausgelassene Treiben feines Junggesellenlebens fortzusetzen. Auck die Fürstin gebar einen Sohn; es war eine schwere Entbindung, und das Kind starb bald nach der Geburt. Eine gefährliche Krankbeit, welche die Fürstin zu überstehen hatte, entstellte ste gar sehr, und das erfüllte ihr Herz noch mehr mit Neid und Haß gegen andere Frauen, welche schöner waren als sie. — (Fortsetzung folgt.) *) Beschneidungsfest. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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