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Der Israelit · 1871-04-05 · Heft 14-15 (5.4.1871) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 14-15 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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285 Amerika. Washington Der Präsident der Vereinigten Staaten hat wiederum gezeigt, welche gute Gesinnung er für unsere Glaubensgenossen hat. Er ernannte Herrn Adolphus S. Salomons zum Gouverneur des neu errichteten DistricteS Columbia. Präsident Grant hat nunmehr mehr Israeliten in Staats - ämter eingesetzt, als je seine sämmtlichen Vorgänger. Wie der „Jew. Mess." mit Bedauern vernimmt, ist Herr SalomonS durch GefchLftSverhältniffe verhindert, diesen wichtigen Posten anzunehmen. Feuilleton. Iur rechten Zeit. v. In Hohenburg. Zwei Seelen schienen in der Brust des jungen Fürsten Ferdinand von Hohenburg zu wohnen, zwei Seelen, die sich einander bekämpften und um die Herrschaft rangen, und eine jede von ihnen fand gleichsam ihre Verkörperung in den Günstlingen, die der Fürst vor allen seinen Dienern bevorzugte. Fürst Ferdinand war von den besten Grundsätzen beseelt; er wollte seine Unterthanen glücklich machen, wollte ihren Wohlstand heben, für ihre geistige Ausbildung sorgen, und sein Hofagent Nathan Anspach stand ihm bei diesem Streben getreulich zur Seite. Nathan war der eigentliche Beherrscher des kleinen Fürstenthums; der Fürst hatte die Regierung desselben fast ganz in seine Hände gelegt, und Nathan that redlich das Seinige, um die edlen Absichten seines Herrn zu fördern, alte Mißbräuche hinwegzuräumen, sich der Unterdrückten anzunehmen und die schwer auf die Bauern drückenden Feudallasten wenigstens zu lindern. Daß sich dadurch der Jude den Haß der in dem kleinen Lande begüterten Adeligen zuzog, ist wohl nicht zu verwundern. Dieser Haß war um so stärker, je weniger er zu Tage treten durfte, denn Nathan besaß das volle Vertrauen des Fürsten und die Liebe und Verehrung der Bürger und Bauern des LändchenS. Aber nicht nur Nathan Anspach wurde vomFürsten begünstigt, sondern auch der Junker Görz von Schwarzenstein, der denoft unbändigen Leidenschaften seines Herrn schmeichelte und ihn zu Dingen trieb, die vor dem Richterftuhle der Vernunft und der Sittlichkeit nicht zu verantworten waren. Ach, zwischen Wille und That war beim Fürsten Ferdinand eine wette, wette Kluft! Sein schwacher Character war jedem Einflüsse zugänglich, er ging stets dahin, wohin man ihn leitete. Wenn Nathan bei ihm war und ihm von seinen Herrscherpflichten erzählte und von der großen Verantworlichkeit, die ör als souveräner Herr vor Gott habe, da erglühte der Fürst in edler Begeisterung und gab gern seine Zustimmung zu all den guten trefflichen Vorschlägen, die ihm Nathan machte. Dann aber glaubte er, auf seinen Lorbeern ruhen, sich von den Anstrengungen der Herrscherpfiichten erholen zu dürfen; so fand dann der Junker von Schwarzenstein seinen Herrn bereit, aus seine Rede zu lauschen. Der Junker wußte dem Fürsten begreiflich zu machen, daß es zweierlei Menschen auf der Welt gebe, von denen die Einen zum Herrschen und die Andern zum Dienen bestimmt stten, daß die große Menge der Menschen nur dazu da sei, um für wenige Bevorzugte sich zu plagen und zu mühen, daß überhaupt die Welt nur dazu diene, die Lüste und die Launen der Herrscher zu befriedigen. Der Junker fand bei seinem jungen Herrn ein nur zu williges Ohr; er trieb ihn von Orgie zu Orgie, von übermüthiger Laune zu den ausgelassensten Thaten; in solchen Perioden war dem Fürsten Ferdinand nichts heilig, nichts war vor ihm sicher, gegen daS sich seine übermülhige Laune wandte — aber nur solange, bis durch Erschöpfung oder Ueberdruß an dem wüsten Treiben ein Umschlag erfolgte; dann durste der Junker nicht vor seinem Herrn erschienen; dann ließ Fürst Ferdinand seinen Hofagenten rufen und suchte durch diesen Alles wieder gut zu machen, was er während der jüngstverflossenen Rasezeit verdorben hatte. War aber Ferdinand eine Zeit lang ein guter Fürst, ein Vater seiner Unterthanen gewesen, dann pflegte ihn die Sehnsucht nach dem Junker von Schwarzenstein zu überkommen, und das tolle Treiben ging wieder von vorne an, da wurde bei wilden Jagdgelagen das halbreife Korn niedergeritten, da wurde in tonen Orgien ganze Nächte hindurch gepraßt, da wurden von wilden Genossen des Fürsten und feines Günstlings Mädchen geraubt und auf Schloß Hohewburg gefangen gehalten. Händeringend kamen darm die Eltern zu Nathan, ihn flehentlich bittend, für die Befreiung ihrer Töchter sich zn verwenden. Dann eilte Nathan zum Fürsten, machte ihm die lebhaftesten Vorstellungen, bis eS ihm gelang dem jungen Selbstherrscher mit Ekel vor seinem bisherigen Treiben zu erfüllen. Auf wie lange aber? Jetzt war eine junge Fürstin auf Hohenburg eingezogen; ihr, wie Niemandem sonst, hätte es gelinge» können den wohlthäti. sten Einfluß auf ihren Gemahl zu üben. Allein Prinzessin Louise besaß andere, noch

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