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Der Israelit · 1871-04-05 · Heft 14-15 (5.4.1871) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 14-15 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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284 licht, es biete sich hiebei die beste Gelegenheit, das Ministerium zu zwingen, Farbe zu bekennen, man solle die Frage zur Entscheidung an das Ministerium leiten. (N. fr. Pr.) Frankreich. PariS. Der „Figaro" setzt seine häßlichen Angriffe gegen unsere Glaubensgenossen fort. Alle - Gelegenheiten sind ihm gut, um uns zu verläumden nnd unS zu beschimpfen, und wenn ihm diese Gelegenheiten fehlen, so geht er auf Erfindung aus. Im Folgenden eine dieser Auslassungen: „Man hat oft von der Menge deutscher Juden gesprochen, welche der preußischen Armee folgen, um das Geschäft eines Kunsthändlers zu treiben; es scheint, daß sie mit diesem Geschäfte, welches von ihrer Race besonders betrieben wird, auch das des AusrärunenS aus den Häusern betreiben, sei es auf Rechnung anderer Leute, oder auf ihre eigene Rechnung. Und man muß gestehen, daß sie sich dieses Geschäftes des Ausräumens zur Bestimmung nach Deutschland mit einem ganz besondern Talent entledigen. „Ein einziger Ersatz bleibt den Unglücklichen, welche diese isr. Diebesrotte beraubt: die deutschen militärischen Autoritäten unterstützen sie ganz und gar nicht, und Niemand denkt daran, denjenigen zu bestrafen, welcher einen Juden beim Diebstahl trifft, ihn ein wenig durchblaut oder gar tödtet. „Die preußischen Offiziere bedienen sich dieser Menschen, aber sie haben für sie die tiefste Verachtung und denken gar nicht daran, ihnen ihre Protection zu verleihen." Das officielle preußische Blatt in Versailles hat gegen die Anklagen, die vom „Figaro" gegen die deutsche Armee erhoben werden, protestirt und hat zu verstehen gegeben, daß die Feindseligkeit dieses Journals des Herrn von Villemessant hinreiche, um den Einmarsch der Preußen in Paris zu veranlassen. Warum spricht der „Figaro," welcher die preußischen Soldaten deö Diebstahls, der Brandstiftung nnd aller criminellen Ausschweifungen beschuldigt, nicht auch aus, daß diese katholische und protestantische Soldaten sind? Uns scheint jedoch, daß es derartigejüdische Kunsthändler und jüdische Ausräumer über Haupt nicht gibt; aber das Urtheil des „Figaro" ist von Intoleranz, Haß und Fanatismus geleitet; durch seine Blindheit sieht er nicht mehr recht, weiß nicht mehr recht zu gehen und vertieft sich in die gröbsten Lügen. DaS ist in Wahrheit ein verabscheuungswürdiges Blatt, das jeder Israelit wie die Pest meiden sollte. (Un. isr.) Paris Die Freunde des Herrn Levy Bing hatten, bei. der Wahl zur Nationalversammlung denselben als Candidaten vorgeschlpgen. Da dies aber zu spät und in zu großer Eile geschehen, konnte dessen Wahl nicht durchgesetzt werden. Aber immerhin war es für unsere Glaubensgenossen eine große Befriedigung, zu sehen, daß in dem Manifest zu Gunsten dieser Kandidatur, welches an den Mauern von Paris affichirt war, besonders dessen Eigenschaften als Israelit, seine isr. Administrativfunctionen und isr. Arbeiten als besonderes Verdienst hervoygehoben waren. Das ist das erste Mal, daß ein französischer Israelit, der sich an die Wahlstimme seiner Mitbürger wendet, das isr. Banner frei und hoch emporhebt. Dos ist ein wahrer Dttci wrpp. Wir sind gewiß im Rechte, wenn wir hoffen, daß bei der nächsten Wahl unsere Glaubensgenossen in Paris alle ihre Kräfte vereinigen werden, um Herrn Levy Bing als Mitglied zur Nationalversammlung zu erwählen. Derselbe wird ein würdiger Repräsentant der französischen Israeliten sein und wird energisch die Ehre und die Interessen des Judenthums zu vertheidigen wissen; denn Herr Bing antwortet auf die Frage nach seinem politischen Prinzipe: Ich bin Israelit und Franzose. (Un, isr.) P a l ä st i n a. Der von uns in der Extrabeilage zu Nr. 13 erwähnte, in hebräischer Spreche uns zugekommene Brief lautet in deutscher Uebertragung: Jerusalem, 17. Ador (Freitag). Mein Herz treibt mich heute, die große Hilfe zu verkünden, die Gott Seinem Lande gebracht hat. Schon seit Anfang der Woche sind die Schleusen des Himmels geöffnet und der segensvolle Regen strömt hernieder. Alle Cisternen sind bereits mit Wasser gefüllt und zwar so, wie es seit vielen Jahren nicht der Fall war. Die zwischen dem Berge Zion und dem Oelberge belegenen Cisterne, die Cisterne Jehu's genannt, welche die bedeutendste ist und fast die ganze Stadt mit Wasser versorgt, läuft derart über, daß der Strom in ununterbrochener Folge bis an den Jarden reicht. Diese Cisterne gilt allgemein als ein Zeichen, daß, wenn sie gefüllt ist, auch die Felder genügend getränkt sind und eine gute Ernte zu erwarten steht. So ist denn voll unser Mund von Lobliedern für Den, welcher uns vom Himmel herab Seine Hilfe sandte. Wenn wir jetzt schönes, warmes Wetter bekommen, so dürfen wir getrost der Zukunft entgegensehen. Freilich ist wicht zu erwarten, daß die Theuerung vor der Ernte in den Tagen des Monats Tamus (Juni) abnimmt, und bis dahin bedürfen wir noch des besondern Mitleids und der thätigen Hilfe unserer mildherzigen Brüder im Auslande. Gepriesen sei der große Name deL 2UI* Herrn, dessen allmächtige Hand uns Hi^L gesandt Seinem erhabenen Rathschlusie gemäß. Joseph Rychlin.

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