Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-04-05 · Heft 14-15 (5.4.1871) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 14-15 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447514--09261-2464947
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

281 Lebens, indem sie die hohe Wichtigkeit seiner stnai- > tischen Sendung in Erwägung zog und so auf die Nothwendlgkeit der Offenbarung hindeutete, mit den bezeichnten Schristversen auf die Art und Weise hindeutete, wie der Mensch von der Nothwendlgkeit der Offenbarung eine Ueberzeugung gewinnt: zuvörderst und vor Allem muht du eine religiöse Jugenderziehung haben, daß keine materialistische Sinnesart Platz greife „und Gott kam (zu dem noch jungen Samuel) und stellte sich (ihm zu Häupien)"; dann befleißige dich nur getrost der wissenschaftlichen Forschung und Erkenntniß, „sprich zur Weisheit, du bist meine Schwester"; diese Forschung wird dich nur zur Offenbarungslehre hinführen, „von ferne hat sich mir Gott geoffenbart"; „denn Gott," siehst du ja dann ein, „ist der Herr des Wissens und ihm das Weltenwerk bekannt"; wir aber sind mit unserem Wissen zeitlich und räumlich und in der Art der Erkenntniß beschränkt. Wir haben daher, da wir unfern Beruf auf Erden nicht ganz zu erkennen vermögen, über das, was wir diesem Berufe gemäß zu thun und zu lassen haben, eine göttliche Belehrung nöthig. Es muß eine Satzung geben, die über dem Horizonte der menschlichen Einsicht liegt, 'i nis minn npn nw „das ist die Satzung der Lehre, die der Ewige gebo» ten." nnn« imr6 nittn -p v« «*n mn spricht Gott der Herr. „Es ist eine Satzung von mir; du bist nicht befugt , sie deinem bekrittelnden Urtheile zu unterziehen." Es kann, es muß für den Menschen eine religiöse Vorschrift, eine von Gott geosienbarte Lehre, eine positive Religion geben. Und diese Ueberzeugung wollen wir mit der ganzen Kraft unseres Geistes und mit der ganzen Innigkeit unseres Gemüthes unerschütterlich festhalten. Wir erheben uns über den Sinneneindruck, wir erheben uns über die Erscheinungswelt zum Bewußtsein einer höheren Weltordnung, zum tiefinnigen Bewußtsein, daß es einen Gott und eine unsterbliche Seele gibt und eine göttliche Offenbarung. Diese Gesinnung und Ueberzeugung lasset uns aber auch im Leben bethätigen. Kommet und lastet uns wandeln im Lichte Gottes! Lastet uns leben nach den Satzungen unserer heil. Thora, nach den Vorschriften unserer heil. Religion, auf daß wir unfern Beruf auf Erden erfüllen und unsere Bestimmung nicht verfehlen, daß wir fortschreiten zu unserer Vervollkommnung und zu unserem ewigen Heile. Zeitungsnachrichten und Correspon- -enzen- Deutschland. Vieberich», 24. März. Sie erwähnen in dem Leitartikel Ihrer geschätzten Zeitschrift Nr. 12 den Hingang des frommen und würdigen TedeS co. Gestatten Sie dem Unterzeichneten, welcher die Ehre und das Glück hatte, den Verewigten näher zu kennen, dessen noch einmal zu gedenken. Zwar bedarf es der vielen Worte nicht, das Andenken dieses wie aller Edlen zu ehren; denn ihre erhabenen Tugenden, frommen Thaten und guten Werke sprechen für sie und setzen ein bleibendes Denklnal für alle Zeiten. Was mich jedoch hiezu besonders veranlaßt, ist die Constatirung der Thatsache, daß das Ableben Tedesco's selbst denjenigen, welche seine Principien nicht huldigen, das Geständniß abgezwungen, das Iudenthum Frankreichs habe einen großen Verlust in der Person des Verewigten erlitten. Vielleicht dürfte bei Manchen unserer Glaubensgenosten in der Seinestadt der Gedanke zur Besserung und zum Insichgehen, entstehen und das Wort unsrer Weisen wp'iu nn'v msoo auch bei dem Tode dieses Gerechten zur Wahrheit werden. Jedoch wir gestehen es offen, nur schwach ist unsere Hoffnung in dieser Hinsicht, denn wie die Gesellschaft in Frankreich überhaupt, so leidet daS Iudenthum dortselbst seit Jahren an innerer Zerfahrenheit und Schwäche, hauptsächlich aber an Mangel von charakterfesten und glaubenstreuen Männern. Welche rühmliche Ausnahme der selige TedeSco in dieser Beziehung machte, wissen nur diejenigen zu beurtheilen, die Zeuge seines gottergebenen, thatenreichen LebenS waren. So groß aber seine Frömmigkeit, so unermeßlich seine Liebe zu msDi min, so rein und mackellos sein Wandel auf Erden auch waren, sein größtes Verdienst bestand in dem beispiellosen Muth, welchen er stets im Kampfe für Gott und sein Gesetz bewiesen, seinem unerschütterlichem Festhalten an den erhabenen Grundsätzen und Lehren unser heiligen Religion und in der eisernen Consequenz, mit welcher er die eingeschlagene Lebensrichtung verfolgte und die er stets bis zu seinem Ende bewahrte. pronttfo dp Du stolze, hartgeprüfte Stadt! Alles Schätzenswerthe und Kostbare, daS Du während der Schreckenszeit der Belagerung verloren, verschwindet gegen den Verlust der Zierde deiner jüdischen Gemeinde. Du bist nun deren beraubt pnan *pM njn 'JE>d o. Es scheint als sollte der Gerechte das drohende Unglück und den immer mehr überhand nehmenden religiösen Verfall nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.