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Der Israelit · 1871-03-29 · Heft 13 (29.3.1871) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 13 (29.3.1871)
Date
1871-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Kind allsogleich in das Judenthum ausgenommen und in die Matrikel desselben eingetragen werden könne. Prag Die junge Gattin eines Kaufmannes am Poric in Prag, welche sich in gesegneten Umständen befand, war vor einigen Tagen gefährlich erkrankt und bereits von dem Arzt aufgegeben worden. Am SamStag traten die Symptome des Todes ein und kurz darauf lag die Kranke regungslos im Bette, die Lebensgeister schienen vollständig geschwunden zu sein. Die Leiche wurde ins Bahrtuch gehüllt und bald fanden sich auch die Betfraucn des isr. Beerdigungsvereines ein, um Gebete für daS Seelenheil der Verstorbenen zu verrichten. Wenige Stunden hierauf — um 8 Uhr Abends — vernahm man plötzlich ein Geräusch aus dem Leichenzimmer. Die Hausleute eilten in dasselbe, wichen jedoch entsetzt zurück, als sie gewahrten, daß das Leichentuch sich bewege. Die vermeintliche Tobte erhebt sich langsam und klagt über große Kälte, da die Fenster offen waren. Man bringt sie natürlich sofort ins Bett und es wird sogleich um den Arzt geschickt. Wie man vernimmt, befindet sich die Kranke, die an einer Nierenentzündung litt, jetzt bereits entschieden auf dem Wege der Besserung. | Rumänien. Galatz, 8. März. Was die Juden in Rumänien, als Bratiano, „der Judenfresser", sammt Ge- 5 noffen am Ruder war, zu leiden hatten, wie sie aus \ den Dörfern verjagt, beraubt und mißhandelt, ja soj gar in der Donau ertränkt wurden, wird Ihnen wohlbekannt sein« Es kam so weit, daß 31 Deputirte es! wagten, der gesetzgebenden Versammlung e'nen Ent- | wurf vorzulegen, nach dem den Israeliten jeder Nah- 3 rungszweig geraubt und sie gezwungen wären, als Bettler das Land zu verlaffen. Die Entrüstung, welche dieser Entwurf bei der ganzen civilisirten Welt | hervorrief, veranlaßt« damals Bratiano, denselben als j nicht zeitgemäß zu verwerfen. Kurz daraus wurde- | Bratiano und seiner Partei das Staatsruder entzof gen und die Juden gaben sich der Hoffnung hin, daß f sie den Verfolgungen dieser kannibalischen Rotte nicht I mehr ausgesetzt sein würden. Jedoch sie haben sich I getäuscht, denn diese Partei hat jetzt die Majorität z der Kammer erlangt und man hat dieser Tage wieder, z im Bureau der gesetzgebenden Versammlung, einen J Entwurf niedergelegt, welcher nichts anderes ist, als f eine neue verbesserte und vermehrte Ausgabe des ver- I werflichen Planes der gänzlichen Vernichtung der Juden in Rumänien. Es ist namentlich zu beklagen, daß diese Judenfeinde grötztentheilS Professoren sind, welche berufen sein sollten, die Jugend zu erziehen und Bildung zu verbreiten. Diese Fraktion, die sich! „liberal" nennt, hat einen Professor der Universiiät zu Jassi als Anführer. Der gegenwärtige Minister-Präsident, weit entfernt, seinen bisherigen Grundsätzen treu zu bleiben, hat seine Ueberzeugung aufgeopfert, indem er sich' mit der gegenwärtigen Majorität deS gesetzgebenden Körpers verband, eine Majorität mit Bratiano und den Pädagogen aus der Moldau an der Spitze. Diese Helden der Fibel sind konsequent in ihrem verabscheuungswerthen Entschlüsse, alle Juden in Rumänien auszurotten. W Hoffen wir, daß der Gott unserer Väter, der unsere Vorältern aus der Hand ihrer Bedrücker befreite, auch den Anschlag dieser Judenfeinde zu Schanden machen wird. L. G. Feuilleton. tzin geschichtlicher Hlückölick auf die Juden in Elsaß und Lothringen. Bearbeitet von L. (Fortsetzung.) Im Jahre 1788 setzte Ludwig XVI. eine Commission ein, deren Präsident MalesherbeS war und die sich über die Mittel aussprechen sollte, die zur Verbesserung der Lage der Juden angewendet werden könnten. Diese Commission berief die hervorragendsten Juden Frankreichs, unter Andern die Herren Furtado und Gradls aus Bordeaux, Cerf-Beer rc., und legte ihnen eine Anzahl Fragen vor, welche eine große Ähnlichkeit mit denen halten, die später von Napoleon I. der Generalversammlung der iSrael. Depulirten proponirt wurden. Die Antwort lautete ebenfalls ähnlich-,-w«rigstenS nach bem, was wir aus dem Memorandum schließen können, welches bei dieser Gelegenheit von Herrn Furtado überreicht wurde. Ludwig XVI. soll auf den Bericht der Commission hin geneigt gewesen sein, ein den Juden günstiges Edict zu erlassen. Wir können nicht wissen, ob eine solche Absicht Vorgelegen; aber ein positiver Beweis dafür existirt nicht; auch muß man gestehen, daß eine derartige Maßregel unter dem alten Regime schwer denkbar ist; eS ist nicht wahrscheinlich, daß Ludwig XVI. eS gewagt haben sollte, den Rechten der Herren vom Elsaß so empfindlich nahe zu treten, wie dies die Unterdrückung der Abgaben zur Folge haben mußte, welche jene von den Juden bezogen; und welche einigermaßen wirksame Reform in der Lage

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