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Der Israelit · 1871-03-29 · Heft 13 (29.3.1871) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 13 (29.3.1871)
Date
1871-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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262 der Juden hätte man einführen wollen, wenn man nicht hiermit begann? Doch, wie dem auch sei, der gute Wille Ludwigs XVI., wenn er wirklich bestand, war ohnmächtig; die Ereignisse kamen ihm zuvor; der König besaß nicht mehr die Initiative; diese war bereits übergegangen in die Hände der Repräsentanten der Nation. Kurze Zeit nach der Einnahme der Bastille ließen die Juden, ermuthigt durch den Erfolg der Broschüren eines Mirabeau und Grogoire und durch die Theilnahme, die sie einstößten wegen der Leiden, die sie unter dem alten Regime erduldet, sich mit ihren Beschwerden vernehmen. Sie wandten sich nicht direkt an die constituirende Versammlung, sondern sie richteten die erste Bitte an die Municipalität von Paris; diese hatte durch die Ereignisse und vermöge des Verdienstes ihrer Organe einen ungeheuren Einfluß. Am 21. Sept. 1789 wurde die Frage zum erstenmal angeregt von der Constituante, gelegentlich der Debatte über die Bedingungen der Wählbarkeit zu Gemeindeämtern. Es handelte sich darum, ob die Schauspieler, Protestanten und Juden dazu zugelassen werden sollten. Der Graf de Clermont-Tonnerre ergriff das Wort und brachte folgenden Vorschlag ein: „Die Nationalversammlung beschließt, daß kein activer Bürger, der die Bedingungen der Wählbarkeit in sich vereinigt, von der Liste der Wählbaren gestrichen noch von irgend einem öffentlichen Amte ausgeschlossen werden kann wegen seines Gewerbes oder seiner Religion." Der elf äs fische Deputirte Rewbell sprach dagegen, indem er sagte: „Ich denke über die Juden, wie sie selbst von sich; sie halten sich nicht für Bürger (!). In diesem Sinne schließe ich mich dem Amendement des Herrn de Clermont-Tonnerre an, da er die Juden ausschließt, indem er sich des Ausdrucks „citoyen actif“ bedient." Die Debatte wurde jedoch unterbrochen und auf den folgenden Tag verschoben. In der Sitzung vom 22. Sept. beharrte Mr. de Clermont - Tonnerre auf der Fassung seines Amendements und sprach folgendermaßen:^ „Die Versammlung hat sich über diesen Punkt bereits ausgesprochen, indem sie in den Grundrechten den Satz aufstellte, daß Niemand wegen seines Glaubens benachtheiligt sein solle. Jeder Cultus hat nur eine Probe zu bestehen, das ist die seines Moralgesetzes. Wenn z. B. eine Religion den Diebstahl oder die Brandstiftung billigen würde, so müßte man nicht nur die Wählbarkeit ihrer Bekenner ausschließen, sondern sie geradezu verbannen. Dies kann man aber von den Juden nicht sagen; die Vorwürfe, die man ihnen macht, sind zahlreich; die schwersten sind ungerecht, die anderen sind unschädlicher Natur." Dies heißt freilich geringe Anforderungen an die Sittlichkeit stellen; doch sehen wir in dem Grafen einen beredten Vertheidiger der Juden, die andern! gehässigen Angriffen gegenüber eines solchen Fürsprechers wohl bedurften. So erwiderte der Abbe Maury auf die Rede des Grafen: „Vor allen Dingen bemerke ich, daß das Wort „Jude" nicht der Name einer Secte ist, sondern einer Nation, welche ihre eigenen Gesetze hat, die sie immer befolgt hat und auch ferner zu befolgen gedenkt. Die Juden Bürger nennen, kommt mir vor, wie wenn man die Engländer oder Dänen, ohne daß sie sich in Frankreich naturalisiren ließen, französische Bürger hieße." Dieser judenfeindliche Redner führt außerdem an, die Juden hätten außer dem Sabbat 56 Festtage mehr (!) als die Christen; auch könne man keine Soldaten aus ihnen machen, weil sie sich frühzeitig verheirathen und um keinen Preis am Sabbat kämpfen wollten. Die Debatte war lebhaft; aber außer den angeführten Stellen enthielt sie nichts Interessantes, was den Juden beträfe. Die Reden drehten sich hauptsächlich um die Frage, ob Schauspieler und Protestanten zugelassen werden sollten. Endlich am 24. Sept. beschloß man auf den Vorschlag des Mr. de Beaumetz, indem man die Motion des Grafen de Clermont- I Tonnerre theilte, die Protestanten und Schauspieler ' zuzulassen, dagegen hinsichtlich der Juden die Frage j zu vertagen. (Forts, folgt.) A N ZEIGEN Die neueintretenden Abonnenten erhalten die Nummern 11, 12 und 13 gratis und franco nachgeliefert, sobald sie uns anzeigen, daß sie dieselben wünschen. Die Expedition des „Israelit." | Nekrolog. 1 (Micha 7, 2.) pwn p TDn n In der Nacht vom 10. auf den 11. d. M. verschied einer der edelsten und seltensten Menschen, der um seine Gemeinde hochverdiente Lehrer, Herr Abr. I. Fränkel zu Sohrau (O.-S.). Welchen Verlch feine Familie, welchen die Gemeinde, an deren Schul! er 28 Jahre lang hingebungsvoll wirkte, welchen ent lich seine Nebenmenschen überhaupt erlitten haben kann nur derjenige ermeffen, dem der Verblichene mij seinem über alle Beschreibung, geradezu selbstloses Charakter, bekannt war. Seine Familie hat besj

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