Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1871)
- Date
- 1871-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SSL Fackel schwang und ein freudiges Hurrah auSrief. Diese Aeußerung veranlaßle unter der hier stark vertretenen polnischen Bevölkerung Widerwillen. Der Bürger Joseph BarelkowSki schleppte den F. am Halstuch fast würgend unter eine aus 3—400 Köpfe bestehende feindliche Menge, von welcher der F. mit Stößen, Schlägen und Schimpfworten, so wir dem Ruf: „Schlagt die Juden tobt 1" regalirt wurde, zum Bürgermeister. Dieser (ein Pole) fand die Handlungsweise des F. deshalb strafbar, weil er eine Siegesfeier befohlen habe, und wies alle Vorstellungen zurück, diesen bis 9 Uhr Abends ins Verhör nehmend. Die Sache ist von der königlichen Staatverwaltschaft in die Hand genommen und wird zum Austrag kommen. Wünschenswerth wäre es, wenn endlich die Strenge des Gesetzes bei solchen Fällen in Kraft trete, damit die Deutschen und Juden in den entlegenen Theilen der Provinz sich mehr als geduldet fühlen und man ihnen nicht bei jeder Gelegenheit zurufeu dürfte: „Wir werden bald mit Euren Köpfen Kegel schieben." Herr Fuchs hat einen Bruder im Heere, welcher den ganzen Feldzug in Frankreich mitmachte. Es ist dieser Vorfall wieder ein Zeichen der Intoleranz und des Unverstandes. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 20. März. Der vor Kurzem in den Tagesblättern als bevorstehend angezeigte Prozeß zwischen den Mitgliedern des Poel Chested - Vereins zu Preßbura und der Spenderin des Loses, welches einen Treffer von 50000 fl. gewann, wurde ohne Gericht geschlichtet, indem der Gewinnst unter die Mitglie der nach Verhältniß ihres jährlichen Beitrages und der Dauer ihrer Mitgliedschaft vertheilt wurde, was der humanen Fr. Singer gewiß auch als Act der edelsten Wohlthätigkeit gelten kann und ihrer beim Spenden sie leitenden Intention entsprach, indem die Meisten der Betheiligten zur Mittelclasfe gehören und sicherlich die nicht allzu hohe Summe zu den herannahenden Osterfeiertagen gut zu verwenden wissen werden; man kann es daher nur loben, daß die geehrte Spenderin nicht auf ihr Recht bestand, daß der Gewinnstbetrag zum Stammcapital geschlagen werde. Der schöne Verein „Chessed schel Emes" veröffentlicht seinen Rechenschaftsbericht für das Jahr 1870 und constatirt darin seinen Aufschwung durch gesteigerte Theinahme und Förderung seiner wohlthätigen Tendenz, die kranken Mitglieder zu unterstützen. Der Casfa-Gebahrung entnehmen wir, daß sich die Einnahmen auf 2664 fl., die Ausgaben auf 1968 fl. belaufen und es zeigt sich ein Baar-Vermögensstand in Werthpapieren von 2520 fl., auch besitzt der Verein eine Thorarolle im Werthe von 250 fl., die von einzelnen Mitgliedern gespendet wurde. Der scheidende Ausschuß wurde wieder gewählt und die Neuwahl fiel auf H. Mich. Fleischmann. Bemerkenswerth ist, daß an der Spitze nebst Hr. Fried und Hr. Strauß auch ein Katholik stehe. Es ist dies der ehrenwerthe Hr. Joh. Kropf, Castabewahrer, der mit warmem Interesse für den Verein thätig ist und auch sonst bei Collecten für spec. jüd. Zwecke sein Scherflein dazu beiträgt, indem er an den Menschen als solchen denkt, ohne erst nach seinem Glaubensbekenntnisse zu befragen. Es verdient diese musterhafte Handlungsweise gewiß die allseitrgste Anerkennung. Der Verein unterstützt auch die Wittwen verstorbener Mitglieder und läßt deren Kinder auf seine Kosten unterrichten, abgesehen von ' ehrseitiger Betheiligung an mannigfachen Wohlthätigkeits-Anstalten. Möge es diesem löblichen Verein gelingen, seine ersprießliche Tbätigkeit in noch größerem Umfange entfalten zu können. Dem Jahresbericht der 6classischen öffentlichen Hauptschule Talmud-Thora entnehmen wir folgende Data: Die Schüleranzahl betrug 262, darunter 146 nichtzahlende. 30 Knaben wurden sofort nach ihrem Austritte aus der Anstalt in Real- und Gymnasialschulen ausgenommen. Die diesjährige Einnahme erreichten die Höhe von 7957 fl. und verausgabt wurden gegen 6000 fl., an Effecten besitzt der Verein den Nominalwerth von 2840 fl. Von den Stiftungen wäre besonders zu erwähnen die der Frau Nanette Schlesinger mit 800 fl., eines Ungenannten durch Hr. H. Berger 500 fl., Hr. Sigm. Pappenheim 300 st., Hr. Simon Berger 200 fl., Herm. Löwy durch besten Tochter Frau Kompert 200 fl., B. M. Reich und schließlich Fr. Kohn, Hr. Groß und Hr. Zweig zu je 100 fl. Der Verein besteht durch die edle Muniflcenz hochherziger Freunde der armen Jugend, und erhielt er auch vom löbl. Wiener Magistrat eine jährliche Subvention von 300 fl. Das Präsidium will die Gehalte der Lehrer in Anerkennung ihrer Verdienste «»'bessern und wegen des frequenten Besucheder Anstalt ein eignes, mehr geräumiges und luftiges Schulhaus acquiriren, was gewiß diesem schönen Institute in jeder Beziehung von Nutzen wäre. Möge dieser Wunsch kein pium desiderium bleiben. Wien Der Jahresbericht der israelitischen Armenanstalt pro 1670 enthält eine klare und übersichtliche Darstellung der Wirksamkeit der Anstalt. Wir entnehmen demselben, daß die Anstalt 15 045 fl. an hier wohnende und 2397 fl. an durchreisende Arme vertheile, und daß sie eine Speise-Anstalt unterhält, in welcher durchschnittlich täglich 80 Personen unentgeltlich verköstigt werden. Die Jahresbeträge, Spen» und Sammlungen, welche dem Vereine zugeflossen und die beträchtliche Summe von 25,247 fl. auSmachten, haben doch nicht hingereicht, die Ausgaben zn decken, da die Rechnung mit einem Deficit von 2000