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Der Israelit · 1871-03-29 · Heft 13 (29.3.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 13 (29.3.1871)
Date
1871-03-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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253 fere Sonne, ein Mittelpunkt von Welten. Und was wissen wir von all diesen Welten? Wir wissen, daß sie sind; aber was sie sind, vermögen wir nicht zu sagen. Wer kennt ihre Natur und Beschaffenheit? Wer kennt die Wesen, die dort wohnen, und das Leben, das dort besteht? Da steht der Verstand der Verständigen stille und kann nichts bejahen und nichts verneinen. Von dem unermeßlichen Weltgebäude kennen wir genauer und sicherer nur einen Punkt, von > dem zahllosen Weltenheer nur eine Wett, jene, die j wir selbst bewohnen. Wir sind, wie gesagt, mit unserem Wissen auf eine kurze Zeit und auf einen kleinen Raum beschränkt. Und innerhalb dieser Zeit und innerhalb dieses Raumes? im Bereiche des zeitlichen Lebens und aus dem Schauplatz der gemeinen Natur, auf dem Schauplatz dieser Erde? wie ist es da mit unserem Wissen bestellt? Kennen wir das, was wir kennen, in seinem innersten Wesen? Kennen wir die Dinge um uns, die ganz alltäglichen Dinge, in ihrer innersten Natur und Beschaffenheit, so, wie wir sie zu kennen glauben? Fragt man uns über einen Gegenstand, was er sei, so geben wir seine Eigenschaften an. Was wissen wir denn sonst von ihm? Und doch sind diese Eigenschaften nur Eigenschaften des Gegenstandes und noch nicht der Gegenstand selbst. Schimmernder Glanz und Heller Klang sind Eigenschaften des Goldes. Aber was ist denn das Gold selbst? „Nun, jenes Ding, das diese Eigenschaften an sich trägt." Ja, aber was ist denn das für ein D>ng? Alles was wir an den Gegenständen wahrnehmen und kennen, sind ja nur Eigenschaften; aber von jenem Etwas, das der Träger dieser Eigenschaften und die eigentliche Sache sein soll, wissen wir nichts. Und auch diese Eigenschaften? was sind sie? was bedeuten sie? Was bezeichnen sie denn anders, als den Eindruck, den der Gegenstand auf uns, auf den einen oder aus den andern unserer fünf Sinne macht-? Sagen wir etwas aus über Geruch und Geschmack eines Dinges, so haben wir damit, ganz selbstverständlich , nur den Eindruck angegeben, den dieses Ding auf uns macht, den Zustand, den es in unserem Innern Hervorrust: so haben wir damit nur die Beschaffenheit angegeben, in die es unser fühlendes Wesen versetzt, Nicht aber die Beschaffenheit, die es selbst hat. „Die Rose duftet," „das Zuckerrohr ist süß" heißt nichts anderes als: jene regt unsere Geruchsnerven und dieses unsere Geschmacksnerven so an, sie versetzen uns in einen solchen Zustand, daß wir jene Empfindungen haben, die wir „Duft" und „Süße" nennen. Mit den Eigenschaften, die sich auf Geruch und Geschmack beziehen, bezeichnen wir also nur einen Vorgang, der in uns hervorgerufen wird, einen Vorgang, der in uns, iu unserem eigenen Wesen vorgeht. Ebenso verhält es sich aber auch mit allen übrigen Eigenschaften. „Das Gold ist glänzend und von Hellem Klange," was will das sagen? Es regt unser Auge und unser Ohr so an, durch seine Einwirkung auf die betreffenden Werkzeuge, versetzt es unser inneres Wesen in einen solchen Zustand, daß unserem Geiste jene eigenthümlichen Vorstellungen vorschweben, die wir „Glanz" und „Klang" nennen. Wir wissen von den Dingen gar nichts weiter, als daß sie auf uns diesen oder jenen Eindruck machen, daß sie in unserer Seele diesen oder jenen Zustand Hervorrufen. Was aber jenes sei, welches diesen Eindruck macht und diesen Zustand hervorruft, das vermögen wir nicht zu sagen. „In's Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist," sagt sehr sinnreich ein deutscher Dichter. Wir wissen nur, als was die Dinge unS erscheinen, was sie aber an und für sich seien, davon haben wir gar keine Ahnung. Da steht der Verstand der Verständigen stille, und kann nichts bejahen und nichts verneinen. Unsere Einsicht ist nicht nur zeitlich und räumlich, sondern auch in der Art ihrer Erkenntniß beschränkt, beschränkt aus das Erkennen der bloßen Erscheinung. Und wozu haben wir hier dieses Alles vorgebracht? Um jene Thoren zu Schanden zu machen, die sich weise dünken: jene Unwissenden, die nicht einmal das wissen, daß sie unwissend sind. Wir meinen jene eingebildeten Thoren, jene Gecken, welche die Achseln zucken und mit stolzem Selbstbewußtfein mitleidig lächeln, so man ihnen von göttlicher Satzung spricht. O freilich, diese hohen Geister, sie überblicken alle Zeiten, durchschauen alle Räume, dringen ein in das innerste Wesen der Natur, und nichts ist ihnen verborgen, und wie könnte es eine Satzung geben, deren Grund sie nickt sollten verstehen? Doch wir, wir gewöhnlichen Menschenkinder sind nicht so allwissend. Unser Wissen hat seine Grenzen, und es gibt Bereiche, weit und unermeßlich, in die eS durchaus nicht einzudringen vermag. Das, was wir kennen, verhält sich zu dem, was wir nicht kennen, wie ein Wassertropfen zum Oeean. Und sollte eS uns Wunder nehmen, daß er eine Vorschrift, daß es eine Norm gebe, deren Gründe unserer Erkenntniß unzugänglich seien? Es kann eine Satzung geben, die über dem Horizonte der menschlichen Einsicht liegt, ivtt minn npn nm 'i ms, „Das ist die Satzung der Lehre, die der Ewige geboten." nnrux imrp man prr nn mia spricht Gott der Herr. „Es ist eine Satzung von mir; du bist nicht befugt, sie deinem bekrittelnden Urtheile zu unterziehen." (Schluß folgt.)

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