Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1871)
- Date
- 1871-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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252 Gebote der Gotteölehre in zwei Klassen ein: in solche, die auch in der menschliche» Vernunft ihre Begründung finden, nrtnar niso, Vernunftgebote, und in solche, für die die menschliche Vernunft keinen Grund aufzufinden weiß, rwpili MLO, Satzungen, die letzteren sind von der Gottheit geoffenbart und angeordnet, aber in ihren Gründen und Ursachen dem Menschen unbegreiflich. Da kommt der innere Feind, die Zweifelsucht, und da kommen die äußeren Feinde, die Ungläubigen und necken Israel und fragen: was bedeuten diese Gebote und was für Grund haben sie? Und was sollen wir ihnen antworten? p« «vj mia nnn« “irnnt» man *]■? spricht Gott der Herr. „Es ist eine Satzung von mir; du bist nicht befugt, sie deinem bekrittelnden Urtheile zu unterziehen." Es kann eine Satzung geben; es muß eine Satzung geben, die über dem Horizonte der menschlichen Einsicht liegt. Diese zwei Punkte sollen mit Hilfe Gottes und unter seinem Beistände nun nachgewiesen werden. I. Das Judenthum denkt nicht klein vom Menschen, denkt nicht gering von seinen Geisteskräften. Das Judenthum ist weit entfernt von jener fremden und fremdartigen Anschauung, die den menschlichen Geist als schwächlich und gebrechlich und die menschliche j Vernunft als sündhaft und böse darzustellen sucht.! Nein, der Mensch ist mit seinem Geiste „im Ebenbilde j Gottes" geschaffen, und seine Einsicht ist ein Ausfluß der göttlichen Einsicht, hp norji put« «\n nn p« mnn spricht zu Job einer seiner Freunde. „Fürwahr, es lebt ein Geist im Menschen und seine Vernunft ist ein Odem Gottes." (Job 32, 8.) Und von diesem Gedanken begeistert, singt der Psalmist, zu Gott gewendet und vom Menschen sprechend, imöyn -nhi mai '«d ljj/d imonni, „Du hast ihn nur um ein Geringes weniger sein lassen, als die göttlichen Wesen, hast ihn gekrönt mit Ehre und Herrlichkeit." (Pf. 8, 6.) Der Mensch hat sich seiner Anlagen selbst dem göttlichen Wesen, selbst den Engeln gegenüber nicht zu schämen. Die Gaben, mit welchen ihn Gott ausgestattet, sind keine falsche Gaben; die Vernunft, die ihm Gott verliehen , ist nicht täuschend und trügerisch. Die menschliche Einsicht ist ein Ausfluß der göttlichen und unterscheidet sich von derselben nur durch Maß und Größe. Der Mensch ist, wie mit seinen körperlichen, so auch mit seinen geistigen Kräften auf ein gewiffes Maß angewiesen und an eine gewisse Schranke gebunden. Das menschliche Wissen ist nicht eitel, aber doch auf ein gewisses Bereich, auf ein gewiffes Gebiet beschränkt; die Vernunft ist nicht irrig und trügerisch, aber darum doch noch nicht allwiffend. '«d öj/d lrrcnr», „Du hast ihn etwas weniger sein laffen als die göttlichen Wesen", oyn imonni, „hast ihn etwas fehlen lassen," seine Einsicht an Umfang und Ausdehnung etwas kleiner fein lasten. Es gibt Bereiche, in die der menschliche Geist > ganz unstreitig nicht einzudringen vermag, in die der Weiseste der Sterblichen sich keine Einsicht verschaffen kann. Zunächst kennt der Mensch nur einen Akt, nur eine Periode seines Lebens. Die Jahre unseres Aufenthaltes hienieden sind 70 Jahre und, wenn es hoch kömmt, 80 Jahre. Und über dieses Erdenleben hinaus geht unser Bewußtsein nicht. Was der denkende Geist weiß und kmnt, rührt von Eindrücken her, von Gedanken und Vorstellungen, die in ihm in seinem irdischen Leben hienieden angeregt wurden, und bezieht sich daher nur auf Zustände und Verhältniffe, in welchen er sich in diesem Erdenleben befindet. Von dem Zustande aber, in dem er sich früher befunden, bevor er diesen Schauplatz betreten, und von jenem, in den er später versetzt wird, wenn er von diesem Schauplatz abtritt, weiß der menschliche Geist nichts. Wohl trägt der Mensch das untrügliche Bewußtsein in sich, daß es für ihn eine Zukunft gibt, daß sein Dasein mit diesem Erdenleben noch nicht endet. DaS Gefühl in der Brust und der Gedanke in der Seele ist ihm Bürge dafür, man «t> nnn« w o« n. „Wahrlich, es gibt eine Zukunft und deine Hoffnung wird nicht vernichtet.'' (Sprüche 23, 18.) Wie aber jene Zukunft, wie jener zukünftige Zustand beschaffen und geartet sei, das vermag kein Sterblicher vorauszusehen, 'mbu '« nn«-> «t> pp «nt» i'ripb tn« sagen unsere Weisen. „Die Schristworte „„kein Auge hat es erschaut, Herr, außer Dir"" (Jesaja 64, 3) beziehen sich auf die Zustände im künftigen Leben; diese blieben selbst dem Seherblick der Propheten verborgen." (Berachoth 34 b.) Von seinem früheren Zustande und von der eigenthümlichen Art und Beschaffenheit seinespäter» hat der menschliche Geist gar keine Ahnung. Da steht der Verstand der Verständigen stille und kann nichts bejahen und nichts verneinen. Unsere Einsicht und Erkenntniß ist aus einen kleinen Zeitlauf beschrankt; aber auch aus einen kleinen Raum. Was ist die Erde? „Ein Stern unter Sternen, ein Punkt im Weltall." Das Weltgebäude ist mit jenem kleinen Planeten, den wir Erde nennen, noch nicht abgeschloffen und vollendet. Wer kennt die Zahl der Sterne? Tausende und abermals Tausende schauest du mit freiem Auge am Sternenhimmel , Millionen erblickt der Sternsorscher mit seinem Fernrohr, und Myriaden schweben in Himmelsfernen, wohin der bewaffnete Blick nicht mehr zu dringen vermag, wiv D’:dd*> -iddd , „Er, nur Er, der unendliche Geist, zählt die Zahl der Sterne. (Ps. 47, 4.) Und jeder Stern ist eine Welt, ist ein Weltsystem, ist, wie un-