Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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240 Stücken tritt der Verfasser sogar als Mahner auf, scheinbar ohne es zu »ollen, und ist dies ein Verdienst, das wir gerne anerkennen, wenn wir andererseits auch hie und da wieder Manches lieber vermißt hätten; so z. B. Seite 75 erzählt wird, daß der Hausrabbi den 13jährigen Knaben zur Bar-Mizwe vorbereiten müsse. „Welche Vorbereitung, welche Höllenqual für den armen Conftrmanden (!)! Nicht allein, daß es schon Mühe genug kostet, die Gebetriemen regelrecht anzulegen rc., — er soll außer der Synagoge vor den Eltern und Anverwandten eine sogenannte Drösche halten. Ohne irgend ein Verftändniß wird dem Jungen ein solcher Vortrag eingepaukt Mit affectirter, altkluger Miene, mit den unnatürlichsten Windungen des kleinen Körpers, mit den lächerlichsten Bewegungen der Arme, des Zeigefingers und des Daumens sehen wir den geplagten Barmizwe netzen seinem HauSrabbi stehen." Diese Schilderung ist unwahr oder mindestens übertrieben. Als gelungen jedock schienen uns besonders die Skizzen: Der Chevremann, der Rabbiner, der Hausirer, der Hofjude und der Gabbe. Wir können es üv$ nicht versagen, zwei Anekdoten bier mitzutheilen, die gewiß Jedermanns Gefallen finden werden. Die erste findet sich in N'> 19: der Hausirer, und die zweite in No 21; der Hofjude. Der Hausirer geht von Haus zu Haus seine Waare feilbietend und macht ganz gute Geschäfte „Vergnügt, aber ängstlich athmend und recht blaß betritt er das Pfarrhaus... Der Pfarrer sitzt an seinem Schreibtische und raucht gemüthlich eine Pfeife. Se. Ehrwürden wollen zwar heute nichts kaufen, aber unterhalten will er sich. Er ist gerade in der rechten Stimmung und das Jüdchen ihm willkommen. Er läßt ihn näher treten, fragt erst liebreich nach seinen Umständen, und als dieser ihn, wie gewöhnlich, klagend abfertigt, da scheint ihm der günstige Augenblick gekommen zu sein, den Juden zur Bekehrung zu bringen. Das Missionsgeschäft beginnt recht salbungsvoll... Der Jude hört läch-lnd zu, und nachdem die Rede zu Ende, antwortet der einfache Hausirer: „Ehrwürden, ich denke, Sie haben beute nichts zu handeln, und nun wollen Sie doch mit mir ein Geschäft machen? Bleiben Sie gesund, Herr Pastor!" Dem Hosjuden Moses starb ein Sohn und der Vater saß Sckiwe. Da schickt Fürst Leovold, um ihn zu sich rufen zu lassen. Moses läßt sagen, daß er wegen der Schiwe unmöglich dem Befehle Nachkommen könne. Der Diener berichtet. „Moses könne nicht kommen, sein Kind wäre gestorben und da müßte er Schiewen." Der Fürst g'bt strengen Befehl, daß der Jude unter allen llmstä' den erscheine. Moses konnte sich nun nicht widersetzen und machte sich deshalb in alltäglichem Kleide, mit wirrem Barte, auf den Weg. In diesem Zustande erschien er vor dem Fürsten. Nachdem dieser das Nähere erfahren, meinte er, Moses könne aucb im Schlöffe auf einer Fußbnnk^hiwe sitzen. Ditz Fußbank wurde gebracht unv det Hvfjube mußte soisns rolena sitzen, während der Fürst stand, um mit ihm ein Gesäaft zu verabreden. Inzwischen wurde ein Rath gemeldet, der kaum vor Lachen, als er die sonderbare Situation bemerkte, seinen Vortrag halten konnte. „Er lacht wohl den alten Mann noch aus, der sein Kind verloren?" rief der Fürst entrüstet aus; „man hole eine Fußbank, Er soll zur Strafe auch schiwen." Der bestürzte Rath mußte sick zu Moses setzen und in dieser Weise bekam der Erstere noch viel Gesellschaft, da alle die Offiziere und Räche, die zur Audienz erslienen waren, unmöglich das Lachen über die Sitzenden verbeißen konnten." Das Büchlein enthält 2r> Stücke und noch 3 Gedichte, von denen wir „Jom Kippur vvr Metz" besonders hervorheben wollen. Die Sprache ist fließend, anmuthig. Für hübsche Ausstattung hat die Berlagshandlung beste Sorge getragen. vr. M. Zoitungsnachvichten und Korrespondenzen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. 8. O. BZien, im Marz. Herr Rabbiner Spitzer leitet das von ihm begründete Bethhamidrasch, yy man — das sich in nächster Nähe der Synagoge, in der Schiffgasse befindet, — schon seit Jahren mit ersprießlichem Erfolge; sein eifrigstes Bestreben war und ist eS, durch das Jnslebenrufen dieses Institutes sowohl denen, die sich ausschließlich mit dem Thvrastudium beschäftigen, als auch solchen, die ihr Leben dem Geschäfte widmen, eine Stätte zu verschaffen, wo der Eine seine Studien fortsetzm und der Andere Gelegenheit zu ungestörtem Forschen in der heiligen Wissenschaft finden kann. Wie sehr man das e habene Bestreben des ehrwürdigen Herren Rabbiners, so wie des ihm treu an der Seite stehenden Vereinsvorstandes zu würdigen wußte, und wie sehr man einem solch' wahren „Fortschritt" unserer Zeit zu huldigen verstand, beweist das eben im Druck erschienene Broschürchen: „Ausweis über die Gebahrung des «men no, ■©$ Chanm Verein im Jahre 56 <0." Von Hunderten — jährlich gewisse Summen beitragenden — Mitgliedern, nach welchen dieser Verein zählt, als auch von Auswärtigen laufen jährlich enorme Summen als Spenden und Subventionen ein, so daß es sich der Verein, auf Anregung der Herren Rabbiners, zur angenehmen Aufgabe machen konnte, noch einen Schritt vorwärts zu