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Der Israelit · 1871-03-22 · Heft 12 (22.3.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 12 (22.3.1871)
Date
1871-03-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XII, Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 12 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Uericht. Der Kampf des Lebens, ein Cyclus von Festpredigtcn (7 Stück) von Dr. Leop. Stein, Prediger im amerikanisch - isr. - frankf. Betsaale zu Frankfurt a. M. Mannheim bei Schneider. 86 S. Ein Cyclus von Predigten, in des Verfassers bekannter Manier, poetisch und trivial zugleich; das Zeitwort fast immer voran, das Object am Schlüsse des Satzes. Kühn sind die Bilder des Verfassers: „Frankreich und Deutschland ergänzen sich wie Seele und Leib im Menschen!!!" (S. 3.) „Unglückseliges Jahrhundert, das das siebzigste Jahr erreicht hat, was mußt du in deinen alten Tagen noch erleben!!!" (S. 4.) „Dein Fortschrit ist ein Mordschritt!!" (das.) „Die Satane der Völkerfeindschaft und des künstlich getriebenen Nationalhasses schneiden hohnlachend ihre emporwuchernden Bluternten!!" (das.) „Ein Kind in reiferen Jahren!!" (S. 5.) „Die Kriegsführung wird die Völker ernst mahnend zur Ueberzengung führen." (S. 6.) Daß die Deutsch-Amerikaner von solchem grauenhaften Deutsch, von so lächerlich bombastischen Bildern entzückt find, läßt sich begreifen. Die Herren und Damen von jenseits des Oceans haben wahrscheinlich ihre Muttersprache nicht mehr ganz inne; daß aber Herr Stein seine grauenhaften Versündigungen gegen den guten Geschmack durch die Druckpresse veröffentlicht, daß er sich vor aller Welt an den Pranger der Lächerlichkeit stellt, davon sollten ihn doch seine Freunde zurückhalten. Bleiben Sie doch, lieber Herr Stein, künftig hübsch bescheiden in der Westend-Union, predigen Sie dort den zärtlich nebeneinander sitzendcn iaäisn and gentlemen vor: von Seele und Leib im Menschen, vom siebzig Jahre altgewordenen Jahrhundert, von Fortschritt und Mordschritt, von emporwnchernde Bluternten schneidenden Satanen rc. rc. — Die ladies and gentlemen werden Ihnen Beifall klatschen. Das aber mag Ihrem Ehrgeize genügen: Machen Sie doch den deutschen Bückermarkt nicht unsicher mit den unendlich lächerlichen Producten Ihres Genius! Doch geben wir noch eine kleine Blumenlese: „Die Seele verläßt ihre alltägliche, häusliche Bequemlichkeit." (S. 8.) „Die Buße, wenn sie nicht ein eitles Scheingefecht und leeres Herbstmanövre sein soll . . ." (S. 9.) „Die Leier der Gebete!" (das.) „Bedrohliche Erschlafftheit" (S. 14.) „Heil dem Menschen, daß ihm in des Jahres heiligster Zeit der Krieg erklärt wird!" (das.) „Der verführerische Oberherr , der da regiert auf der Nachtseite unserer Natur!!" (S. 19.) Vom Schofarblasen sagt der ehrwürdige Prediger der Deutschamerikaner zu Frankfurt a. M.: „es liegt oft tiefer Sinn im kindischen Spiele!!" (das.) „Deine innere Synagoge." (S.20.) „Die Sonnenseite Deiner gottentstammten Natur." (S. 21.) Wie lange mag eS her sein, daß der Verfaffer die Pirke Aboth gelesen? Nennt er doch: „schelli schelli weschelloch schelli“ ein gewaltsam sodomitischeS Wort! Und weiter heißt es auf Seite 22: „Der gewinnbegierige Weltsüchtling!" Zwei Vorträge sind hier auf S. 22 zu Ende; es folgen noch fünf. Wir aber haben Besseres zu thun, als die Lectüre Stein'scher Albernheiten noch fortzusetzen; mag man von diesen zweien auf die andern fünf schließen. Fragen wir nun nach dem geistigen Gehalt der bisher gelesenen zwei Vorträge, so ist dieser gleich Null. Phrasengeklingel und nichts als Phrasengeklingel, kein fruchtbringender Gedanke, kein praktischer Rath, ke:n wirklich zu verwerthender Hinweis auf Besserung und Veredelung, kein einziger Satz, der mehr Werth hätte als den bloßen Schall; solche leere Worte müssen wirkungslos verhallen! Arme, betrogene Gemeinde, betrogen um Deine heiligsten Güter, unterhalten, amüsirt an den heiligsten Tagen des Jahres durch Harlequiniaden! Schoschanim. Ein Blick in die Vergangenheit. Federzeichnungen aus dem Leben des jüdischen Volkes, von Or. Gustav Philippson. Berlin 1871. Verlag von M. Poppelauer's Buchhandlung, Neue Friedrichsstraße 61. Preis 12 Sgr. Vorliegendes Büchlein enthält eine Reihe recht anziehender, aphoristischer Züge aus dem jüdischen Volksleben. Die Federzeichnungen tragen fast alle das lebendigste Colvrit und verdienen recht große Verbreitung. Der Verfasser hat es verstanden, uns hineinzuversetzen in so innige, gemüthliche Semen unseres Familien- und Gemeindelebens, für die leider sehr viele unserer Glaubensgenoffen kaum noch Verständniß haben. Wir erfreuen uns des ruhigen Tones, der das Ganze durchzieht; überall umgibt uns fromme Sitte und traute Einfachheit. In einzelnen h : m ■i!

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