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Der Israelit · 1871-03-22 · Heft 12 (22.3.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 12 (22.3.1871)
Date
1871-03-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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236 den Frage beigetragen, hat sich dadurch um die Gesammtheit ein unbestreitbares Verdienst erworben. Pesth, 6. März. Gestern Vormittags versammelten sich die Wählet ZeS ersten Wahlbezirkes der Haupt- und Residenzstadt Ofen im Theatergebäude in der Festung, um dlePtögramm-Rede des Cultus- und Unterrichtöminister^Dr. Paul er, der für die durch das Ableben des unvergeßlichen Eötvös erledigte Abgeordneten - Stelle dieses Wahlbezirkes candidirt wird, entgegenzunehmen. Die Versammlung war überaus zahlreich und begleitete die dritthalbftündige Rede mit lebhaftem Beifall. Herr Dr. Ph. sprach unter Anderm Folgendes: „Von großer Wichtigkeit sind, geehrte Wähler, die konfessionellen Fragen (Hört), zumal in unseren Tagen, wo sich das allgemeine Interesse diesen Fragen wieder in größerem Maße zuwendet. Die Religions- und Gewissensfreiheit halte ich für eines der heiligsten, unveräußerlichen Rechte des Menschen, und erscheint mir als ein natürliches Corollatum dieses Rechtes auch die selbstständige innere Verwaltung der einzelnen Confessionen. (Beifall.) Bei unseren protestantischen Brüdern, bei den Griechen orientalischen Ritus sehen wir diese Institution bereits verwirklicht, in der katholischen Autonomie aber initiirt, welche in unserer Kirchengeschichte, wenn das begonnene Werk glücklich gelöst wird, eine neue Aera inauguriren wird. Die glücklichste Lösung dieser Fragen ist nicht nur auf das Gewissen der Einzelnen von Einfluß, sondern bei den engen Beziehungen, in welch» n hauptsächlich bei uns die religiöse und Nationalitäten-Frage zu einander stehen, auch auf die inneren Angelegenheiten unseres Vaterslandes und auf deren Entwicklung. Indem ich die Unabhängigkeit der Confessionen in Betreff ihrer inneren Angelegenheiten bereitwilligst anerkenne und kein Wortführer des alten Systems der Bevormundung sein mag, so halte ich doch andererseits das Aufsichtsrecht des Staates über alle Confessionen für völlig gerechtfertigt (Beifall); denn dem Staate obliegt die Verwirklichung der Rechtsidee, er hat daher das Recht und die Pflicht, dem Rechte überall und gegen Jedermann, daher auch zwischen den einzelnen Confessionen, Geltung zu verschaffen. Es hat dies insbesondere in unserem Vaterlande zu gelten, welches von verschiedenen Confessionen bewohnt wird, die alle der Segnungen der Verfassung und der bürgerlichen Freiheit theilhaftig sind, namentlich seitdem die Gesetzgebung, ein hundertjähriges Unrecht sühnend, auch die Rechtsgleichheit der Israeliten aussprach . . . Mein Losungswort ist daher: Jeder Confession geben, waö ihrer ist, doch auch dem Staate, was des Staates ist. (Lebhafter Beifall.) In Betreff der inneren Angelegenheiten der Confessionen ist die Freiheit, in Betreff deren gegenseitiger Beziehungen ist die Gleichheit, in den Beziehungen der Confessionen zum Staate aber ist das Recht und die Gesetzlichkeit mein leitendes Princip! (Lebhafter Beifall.) Frankreich. Amiens, den 28. Februar. Auf Veranlassung des israel. Feldgeistlichen, Herrn Dr. Blumenstein, versammelten sich gestern Nachmittag 3 Uhr in einem hiesigen Privathause, indem hier keine Synagoge vorhanden, sämmtliche hier cantonnirende jüd. Soldaten, etwa 30 an der Zahl, zur Abhaltuug eines Gottesdienstes; wir beteten erst Mincha; dann hielt Herr Dr. Blumenstein eine kurze Anrede in Bezug auf den nahe bevorstehenden Frieden, welche uns nach vielen : gehabten Strapazen neu belebte. Nachher ging Herr; Dr. Blumenstein mit mir und den beiden jüdischen \ Gefreiten Danziger und Wronkow vom 19. Regiment j nach dem i'2 Stunde von hier gelegenen Friedhofe, ij suchte einen daselbst in Gott ruhenden jüdischen Solj daten Namens Kappel aus Köln auf, welcher am 23. 1 December in der Schlacht bei Queurieux verwundet j worden und später im Lazareth zu Amiens seinen \ Wunden erlegen, was uns auch mit Mühe gelang, j Wir häuften" das Grab, welches sehr vernachlässigt ß auösah, mit Erde an und setzten einen provisorischen j Leichenstein, damit die Eltern des in Gott ruhenden I tapfern Kriegers ein Zeichen haben möchten, wovon 1 Herr Dr. Blumen stein denselben Nachricht gab. Als rj wir nach der Stadt zurückkehrten, sprach Herr Dr. J Blumenstein die Absicht aus, am Purim, so Gott will, H eine nochmalige Andacht abzuhalten und uns, soweit % als es möglich, eine Freuden - und Friedensfeier zu 1 bereiten. Lewin, f (Reservist) Füselier der 11. Comp, i 2. Pos. Jnf.-Reg. Nr. 19. | England. | London. In einer hiesigen Straße, und zwar | in der von den polnischen Juden meist bewohnten, 5 ist, wie das „Jew. Chr." mittheilt, an einem Mis- 1 sionshause Folgendes zu lesen: jyD’ntp w^uy jyoip Op -ijm O'2 'n pe DuyuN “nync«}«? p« -jwiü’D jyöip;yp Wieder ein neuer Kunstgriff von Seiten der Missionäre , um die armen Iudenseelen in ihr Netz zu 1 locken und sie schließlich zum Uebertritt zum Christen- J thum zu veranlassen. I

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