Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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234 lichen Feldzuges nicht zu erkranken. Möge der Allgütige ihn ferner schützen. Berlin, 9. März.-Me „Tribüne" erzählt: „Herr v. Senfft - vor einigen Tagen bei dem Rabbiner^HM ÄDMheimer in Berlin. Das Herrenhausmitgliev AM Ach dem Rabbi vor und wünschte BelehnWa^^rÄpier, wie und wo das reine Judenthum zu sW^n sei und ob dies nicht selbst gegen die GleichPWlNK^ uüt den Christen opponire. Herr HildesheKner, von dem seltsamen Besuche offenbar überrascht, empfing ihn mit aller Auszeichnung, belehrte ihn aber zunächst darüber, daß es nach außen hin und bezüglich der Ansprüche an die staatsbürgerlichen Rechte, wie der pflichttreuen Ausübung staatsbürgerlicher Pflichten keinen Unterschied unter den Juden gäbe und daß er sich über innere Fragen des Judenthums nur zu einem Nachweise bereit erklären könne, daß das orthodoxe Judenthum mit den Anforderungen des modernen Lebens in Politik und Gesellschaft nicht in Widerspruch stehe. Ob das vielbelachte Notizbuch deö Herrn v. Senfft-Pilsach durch das Kollegium mit dem Rabbiner an Schätzen bereichert worden — das muß die nächste Debatte über dieJudensrage im Herrenhause lehren." Berlin. Dem Vorstande der Berliner jüdischen Gemeinde ist in Bezug eines (dieser Tage von uns bereits mitgetheilten) Protestes gegen den evangelischen Oberkirchenrath folgendes Schreiben zugegangen: Dank und Anerkennung dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde für seinen, unter dem 20. d. M. erlassenen, von tiefem Schmerz und sittlicher Entrüstung zeugenden Protest gegen die, auf Anordnung des evangelischen Ober-Kirchenrathes vom königl. Eonsiftorium der Provinz Brandenburg ergangenen Bekanntmachung, „den Uebertritt vom Christenthum zum Judenthum" betreffend. Wir, die Unterzeichneten, wenden uns, wie gewiß der überwiegend größte Theil unserer christlichen Mitbürger, von jener „Bekanntmachung" ihrem ganzen Inhalte nach mit einem kaum näher zu bezeichnenden Gefühle ab. Wir versichern dem geehrten Vorstande, dessen Glaubensgenossen unserer Bürgerschaft jederzeit in allen Werken der Liebe und der Humanität ein hell und weitleuchtendes Beispiel geben, daß derselbe unter allen Umständen die in seinem so würdigen Proteste ausgesprochene Ueberzeugung festhalten darf: „daß ihre christlichen Mitbürger, weit entfernt, die gehässige Gesinnung, welche der Erlaß bloßlegt, zu theilen und zu willigen, im Gegentheil dieselbe entschieden von sich weisen. Berlin, 25. Februar 1871. Folgen die Unterschriften einer Reihe der ansehnlichsten Bürger und Stadträthe Berlins, an deren Spitze der Stadtverordneten-Vorsteher K o ch h a n n. Frankfurt a. M, 7. März. Der Kranken- Unterstützungsverein hiesiger israelitischer Permissionisten hat in Folge der geänderten politischen Verhältnisse den Namen Jsrae litisch er Kranken-Unterstützungsverein angenommen. Nach dem eben auSgegebenen Jahresbericht kann der Verein mit Befriedigung auf seine segensvolle Wirksamkeit und sein fortschreitendes Gedeihen zurückblicken. Die Einnahmen des verflossenen Jahres betrugen 1590 fl. 18 kr. die Ausgaben 1316 fl. 30 kr., der Kaffenbestand am l 31. Dezember v. I. 273 fl 48 kr., und das in soliden Werthpapieren angelegte Vermögen 9004 fl. 39 kr. An wöchentlichen Unterstützungen wMhen 187 fl. gewährt, für Arzeneien 452 fl. 50 kr.^W ärztliche und wundärztliche Behandlung 291 fl.ÄwK. u. s. w. Frankfurt <*♦ M, 19. März. In der am 17. d. M. ftattgehabten Stichwahl wurde Herr Leopold Sonnemann von hier in den Reichstag gewählt. Soviel bis jetzt bekannt geworden, werden im Reichstage drei Israeliten sich befinden: Bamberger, Lasker und Sonnemann. Posen, 3. März. An der Realschule zu Po-! sen hat, hiesigen Blättern zufolge, die Anstellung des | Dr. War sch auer, eines Israeliten, als ordentlicher! Lehrer, die Genehmigung des Herrn Cultusministers i erhalten. Hninburg In der Deichftraße, Platz 22, be- \ findet sich in einer Parterre-Lokalität eine kleine jüd. j Synagoge. Als am Sonntagmorgen der Synagogendiej ner in die Synagoge trat, bot sich ihm ein erschreckender -j Anblick dar. Die heilige Lade, in welcher sich die - „Sefer-Thora's" befinden, war erbrochen und die Ge- |j setzesrollen selbst lagen, ihrer seidenen Umhänge und H ihres silbernen Schmucks beraubt, auf dem Fußboden. H Der Thätcr ist durch eine von ihm eingeschlagene i' Scheibe in die Synagoge eingestiegen, hat die Zerftö-!j rung dort ausgeführt und außer verschiedenen fonftij.j gen Gegenständen einen werthvollen silbernen Zeiger,!f eine sogenannte „Jad" entwendet. Ferner erbrach er j eine Armenbüchse und entwandte aus derselben ca. | 3 Thlr. Eine große amerikanische Uhr nahm er von f der Wand und hüllte sie in einen der Gesetzesrolle 1 entnommenen seidenen Umhang, nahm sie aber nicht mit. Die Uhr ist um 121/2 Uhr stehen geblieben, es I liegt also die Wahrscheinlichkeit vor, daß der Diebstahl E um diese Zeit verübt worden ist. (Reform.) 1 Oesterreichisch-Urrgarische Monarchie. 1 Wien Die Statuten des neu zu errichtenden; jüdischen Blinden-JnstitutS haben soeben die Genehj