Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch die israel. Frauen thun sich besonders hervor, sei es bei Werken der Wohlthäligkeit oder bei der Pflege der Verwundeten. Die am 15. Februar ausgegebene Nr. 8 beginnt mit den Worten: 'oi D3n« OM' Dipon. „Möge Gott Frankreich, Paris trösten unter denen, die um Zion und Jerusalem trauern." Frankreich trauert, Paris hat vier Monate lang «on1?, „das Brod des Elends" gegesien. Auch an etwas „Rischuß" hat es nicht gefehlt. Ein Abbe Moigno hatte im „Siecle" einen solchen Artikel losgelassen. Herr Professor Wogue hat den Angriff energisch zurückgewiesen. Dagegen hat der „Univers" (catholique) und dessen Redacteur Herr Beuillot mit großer Anerkennung Hpst der patriotischen Haltung der Israeliten im AllgetnÄnkn und der eines Herrn Bomsel im Besonder» gesprochen. Dieser Letztere, ein sehr frommer Jude, hat m seinem Hause und auf seine Kosten ein Hospital errichtet und hat im Vereine mit seiner ehrenwerthen Gattin für die Kranken und Verwundeten in anerkennenswerthester Weise gesorgt. Die beiden Brüder Rothschild sollten in die ^.kseindles nationale gewählt werden; haben aber die Candidatur zurückgewiesen. Ausgezeichnet haben sich in den letzten Kämpfen unter den Mauern von Paris: Abraham Hirsch, Sergeant, Alfred Moyse, Ccpitaine, Aron, Ingenieur, Lucian Worms, Fähnrich, Alfred Boas, Ingenieur, Theopbile Cahen, Bataillonschef, Lovy, Mobilgardist, Emil Strauß, Unterlieutenant. Es war eine furchtbare Leidenszeit, welche Paris nunmehr überstanden hat. Möge der allgütige Gott künftig alles Unheil gnädiglich abwenden! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutsch land. Mainz, 15. März. Unsere Leser werden sich wohl noch aus der Erzählung „Gabriel" des Herrn Sommer aus Vitry le Francois erinnern, welcher, fälschlich beschuldigt, die Festung den Deutschen verrathen zu haben, eingekerkert und später von dem Lieutenant Burgwald befreit wurde. Wir empfingen dieser Tage ein Schreiben von Herrn Sommer, in welchem er uns mittheilt, daß er in Malsch in Baden eine Anstellung gefunden. Seine Verwandten in Frankreich haben durch den „Israelit" erfahren, daß er sich nach Mannheim > gewandt hatte und haben feinethalben an Herrn Rabbiner Friedmann in M. geschrieben. In Folge dessen hat nun Herr Sommer den Aufenthaltsort seiner Verwandten und diese das. Asyl des Herrn S. erfahren. So hat auch in dieser Beziehung wohlthätig gewirkt, ^MÄ^M Wrch den Krieg von einander entfernte wieder zusammevführte. , 4,^*4^ Aus dem ßitfjMjpjflbt. In der Gemeinde Neustadt im O. hat ' am die . rfoü aus einem ipcm vorgelesem Die Gemeinde Neustadt, in der an 15 jüdische Familien wohnen, hat nicht einen einzigen Privatmann aufzuweisen, der die .->^v in Ermangelung eia^L und Lehrers pDi rro vorzulesen im Stande ^Hre! Wohin es doch in unserer Zeit gekommen istf Die Gemeinde, oder vielmehr ein Gemeinderepräsentant, hat sich allerdings danach umgethan, einen Privatmann aus einer andern, naheliegenden Gemeinde zu dem betreffenden Dienste zu engagiren, aber wie und wann hat man sich danach umgethan? Am -inDK rwyn des Nachmittags erst war der Abgesandte in einem naheliegenden Orte; und wo hat man den Betreffenden angesprochen? auf der öffentlichen Straße, nickt aber ist man in ein Haus gegangen, und als die Sache nicht gleich angenommen werden konnte, da ja überhaupt die öffentliche Straße kein Platz zur Uebertragung und zur Annahme eines solchen Dienstes ist, da hat man sich schon aller Verantwortlichkeit enthoben gefühlt und war schließlich froh, das Geld gespart zu haben. Ja, so weit ist es schon gekommen; wie weit wird es wohl noch kommen? Doch, wp^K nnnDJn, stellen wir die Zukunft Gott anheim, indem wir jederzeit das Beste hoffen. L. G. W'ürzburg, 15. Marz. Herr EmanuelGoldschmidt von hier, welcher beim Beginne des Krieges als gemeiner Soldat in die Armee eintrat, ist heute als Lieutenant in sein elterliches Haus zurückgekehrt. Derselbe hat sich schon beim Beginne des Feldzuges durch Kaltblütigkeit, Muth und Tapferkeit ausgezeichnet. Nach der Schlacht bei Weißenburg meldete er sich freiwillig zum Vorpostendienste am Saume eines Waldes, der von den Franzosen besetzt war. Beim Tagesgrauen kam eine französische, aus drei Zuaven bestehende Patrouille daher. Kaltblütig blieb Herr G. auf seinem Posten, schoß den einen der Feinde nieder und vertheidigte sich gegen die zwei Andern solange, bis ihm Hilfe wurde. Herr G. nahm an den Schlachten bei Weißenburg und Wörth Theil, gehörte später der Belagerungsarmee von Toul und dann der Belagerungsarmee von Paris an. Er hatte das Glück, während all der Schlachten und Gefechte nicht verwundet zu werden und trotz all der Strapatzen des schreck-