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Der Israelit · 1871-03-15 · Heft 11 (15.3.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 11 (15.3.1871)
Date
1871-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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216 artiger Fortschritte durch das Eingreifen der kräftig leitenden Hand unseres hochgeehrten Herrn DistrtktsrabbinerS S. L. Bamberger, erfreut, leitete das Fest ein. Psalmen, erinnernd an die letzten Vorgänge und den Segen des Friedens behandelnd, wurden von Vorsänger vorgetragen und der Gemeinde nachgesprochen. Den Gipfelpunkt des Festes bildete die höchst gelungene Rede unseres hochgeehrten Herrn Distriktsrabbiners. Der höchst treffende Text: pim1? Dibff unp!?? wurde in wahrhaft großartiger Weise von demselben auf unsere Verhältnisse angewendet. Der Friede nach innen und nach außen kann nur als wahrer Friede betrachtet werden. So wie die tobenden Leidenschaften in uns uns unsere Ruhe rauben, so raubt der Krieg in seiner Schreckensgestalt unsere physische Und geistige Ruhe, beide wollen böswillig die Grenzmarken, die die allwaltende Vorsehung gesetzt, verrücken, jedoch ein aufmerksamer Blick in die ewige Ratnrordnung, auf das harmonische Wirken und Schaffen unter der Leitung des Allmächtigen, wird klar das Unrecht beider uns zeigen. Schreiber dieser Zeilen ist wirklich nicht im Stande, die Fülle der Ideen in dieser Festrede wiederzugeben, er muß sich daher auf die Hauptidee beschränken. Nach der Rede verrichtete der Herr Rabbiner das übliche Gebet nywn fron für Se. Majestät den König. Die übliche Absingung des 'wi und idn’ inusi machte einen herrlichen Eindruck auf die Anwesenden, die aus Juden und Nichtjuden bestanden. Eine zweite Partie treffend gewählter Psalmen wurde wieder vorgetragen; den Schluß der Feierlichkeit bildete der Chorgesang Psalm 150. Wir wollen nun auch schließen mit dem Gebete, daß der Allmächtige uns unser geistliches Oberhaupt noch lange, lange erhalte, da ja er uns unsere Zeit und Situation durch sein begeistertes Wort v rstehen macht, und daß der Friede, der jetzt dem Würgeengel Halt gebietet, ein dauerhafter sei, pim> oft» ow anpto. Berlin, 7. Adar. Vor einigen Tagen fiel uns der „offene Brief an Herrn Dr. Fritz Reuter von Fr. Wachtel" in die Hände, den wir mit großem Interesse gelesen. Derselbe tritt nämlich gegen den Angriff Reuters, den derselbe bei einem zu Ehren des Componisten „der Wacht am Rhein" in Leipzig veranstalteten Festessen gegen die Juden gemacht, mit aller Wärme und Energie auf. Reuter hatte geäußert: daß in den 20er und 30er Jahren dieses Jahrhunderts die deutschen Geister zum Thcil so verblendet und vaterlandSverrätherksch gewesen, daß ßße poleon I. für einen Heros der Menschheit gehalten und gefeiert hätten; und die dies gethan, das seien diese elenden Jndendengels, wie z B. Heinrich Heine, gewesen, der sich nicht gescheut habe, Napoleon zu verherrlichen, wie beispielsweise durch das Lied : „Nach Frankreich zogen zwei Grenadier," rc. Hr. Wachtel weist die Verdächtigung, die in gen. Worten gegen die jüd. Schriftsteller der 20er und 30er Jahre und gegen die Juden überhaupt ausgesprochen, mit der Schärfe der Logik zurück und zeigt in edler Entrüstung mit der Sprache der Wahrheit, wie gerade das Gegentheil von dem erwiesen sei, was Reuter in gemeinster Weise gefälscht. Cs ist unsere Absicht nicht, hier Herr Wachtel zu wiederholen; wir empfehlen dem, der Interesse dafür hat, die Brochüre zur Leciüre. Was uns veranlaßt, dieselbe in diesen Blättern zu erwähnen, ist folgende Stelle, die wir, so sehr sie sonst unsere vollste aufrichtigste Sympathie erweckt, mit wahrem Bedauern als unjüdisch bezeichnen müssen. Herr Wachtel sagt: ^Jch bin Jude, und bin stolz daraus, Jude zu sein, d. h. einer Religionsgemeinschaft anzugehören, die in ihrer heutigen Gestaltung von ihren Mitgliedern nichts fordert, als den Glauben an ein gutes Prim zip. und die Menschenliebe nicht blos predigt, sondern thalsächlich übt," rc. Herr Wachtel hat hiermit einfach bekundet, daß er das Judenthum nicht kennt. Das Judenthum, „in seiner heutigen Gestaltung rc. ist eine — Unwahrheit. Die Gestaltung des Judenthums ist eben über alle Zeiten erhaben, muß immer gleich bleiben. Wäre „seine Gestaltung" einer Zeit unterworfen, so verlöre es den Anspruch auf die Göttlichkeit seiner Jnstitunon. Es fordert nicht den Glauben, sondern vor Allem die That, die echt jüdische Thal! Wir begreifen nicht, wie man, um einerseits für das Judenthum einzutreren, dasselbe gleichzeitig verläugnen und verkennen kann. — Es scheint fast, als ob Herr Wachtel nur das Judenthum der leipziger Synode kenne! Die Vertheidigun.. hätte wahrhaftig nichts verloren, wenn er das wahre Judenthum geschildert. Solche individuelle Expectoratio neu trüben die öffentliche Meinung schaden mebr als sie nützen. Dem RischuS entgegentreten, für das Judenthum einstehen, ist eine löbliche That, aber das darf nicht auf Kosten der jüd. Wahrheit geschehen. Warum sich schämen, offen und ehrlich des Judenthums Lehre auszusprechen? Oder ist es aus Unkunde geschehen? Wir wollen zur Ehre des Herrn Wachtel letzteres hoffen! Oesterreichisch-Ungarifche Monarchie. Wie», 18. Februar. Emanuel Samek, früher Israelit, jetzt confessionSlos, hatte eine heftige Neigung zu Katharina, der Tochter des isr. Kleiderhändlers Rudolph Springer gefaßt. Da das Mädchen nichts von ihm wissen wollte, so erschoß er sie in der Schneider - Werkstätte ihres Vaters, in Gegenwart der Eltern und mehrerer Schneidergesellen. Bei der heutigen Gerichtsverhandlung trat der crasse

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