Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1871)
- Date
- 1871-03-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 11 des Israelit. Leitender Artikel. Literarisches. Alexander von Humboldt und das Judenthum. Ein Beitrag zur Culturgeschichte des neunzehnten Jahrhunderis von Adolph Kohut. Leipzig 1871. XY u. 194 S. 8°. Es ließen sich ohne Zweifel die Aeußerungen hervorragender Geister der modernen Nationen über die Stellung, welche dem jüdischen Volksstamme in der Gesellschaft und dem Staate der Gegenwart zukommt, zu einem Buche zusammenstellen, das nicht nur Interesse erregen, sondern sogar praktische Bedeutung gewinnen könnte. Ein solches Buch müßte lehren, was die Juden zu erringen gegründete Aussicht haben, unter welcken Bedingungen und von welchen Parteien sie es erlangen werden. Dabei wären vor Allem die Schriften drr Staatsrechtslehrer, Politiker und Geschichtsphilosophen zu Rathe zu ziehen; denn ihre : Auöführunge». pflegen der Gesetzgebung als nächste i Richtschnur zu dienen; die übrigen Heroen der Literatur dürften erst in zweiter Linie, insofern fle den - Volksgeist vertreten und zugleich entwickeln, in Be- - kracht kommen. Im Gegensatz aber zu einem solchen - Werk, das wir als ein nützliches bezeichnen würden, befriedigt die Auseinandersetzung, in welche Beziehung l ein einzelner bedeutender Schriftsteller zu jüdischen , Zeitgenossen getreten ist, nur ein sehr untergeordnetes i historisches Interesse. Eben dieses aber bildet den r hauptsächlichsten Inhalt des Buches, das uns unter dem Titel „Alexander von Humboldt und das Judenb thum" vorliegt. Es wird darin Mancherlei mitgetheilt, was sich aus den Verkehr des großen Naturfr forschers mit einigen Männern und Frauen jüdischer st Abstammung bezieht. Auch das nicht mit Vollständigkeit, sondern nur t, soweit einige neuerdings im Druck erschienene Brieftr sammlungen und Tagebücher, die in allen Händen sind, rsich ausschreiben ließen. Bemerkungen Humboldt'S über das Judenthum hat der Verfasser daneben nur wenige zu verzeichnen gefunden; sie lassen sich dahin vereinigen, daß der edeldenkende Mann in jeder unterdrücklen Race die menschliche Würde beleidigt sah. Der Vers, glaubt auch die bewundernden Aeußerungen verwerthen zu sollen, welche die biblische Poesie dem umfassenden Denker entlockte; er führt sie wört- - lich an, indem er sie dazu mit seinem Commentar begleitet. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß, wer in der Bibel poetische Schönheiten findet, die seinem Gesckmack Zusagen, damit noch nicht zum Judenthum Stellung genommen hat. Der Kirchenrath Hitzig in Heidelberg, um ein Beispiel anzuführen, der ex professo ein freund und Kenner der hebräischen Literatur ist, hat nichtsdestoweniger in seinen Schriften eine sehr geringschätzige Meinung von der jüdischen Nationali'ät ausgesprochen und sucht plausibel zu machen, daß, wie die Muschel erkranken muß, um die Perle hervorzubringen , so das Volk, dem die Welt das edelste Kleinod verdankt, den Keim des Untergangs in sich trage!! Es wäre darum gerade das Wichtigste gewesen, aus dem vorliegenden Buche zu e>. fahren, wie Humboldt über das Judentbum in der Gegenwart dachte, und davon ist gar nicht die Rede. Dafür findet sich eine Reihe unpassender Ausführungen und Ausfälle des Verfassers, über die wir unser Urtheil aus Schonung unterdrücke wollen. Wir würden vorgezogen haben, ein Buch zu lesen, das ausschließlich aus Aphorismen des Humboldt'fchen Geistes bestanden hätte, wenn wir dadurch dem allerdings gewandten Style des Verfassers seltener begegnet wärm. E L. AeitungSuachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, 6. März. Salomon Kuttner aus Filkhne vom 14. Infanterie-Regiment, gegenwärtig dem Ersatz - Bataillone in Mainz attachirt, hat am 2. December in der Schlacht bei Champigny und Brie (vor Paris) für bewiesene Tapferkeit das eiserne Kreuz erhalten. Würzbnrg. In unserer Gemeinde hatten wir am vergangenen Sonntag den 5. März ein wirklich großartiges Fest, das als Vorbote der Purimtage im vollkommensten Sinne betrachtet werden konnte. Wir feierten nämlich um 11 Uhr Vormittag in der hiesigen Synagoge das Friedensfest; keine Parteischattirung ve hinderte, freudig daran theilzunehmen. Ein prächtiger Chorgesang, dirigirt von Herrn Lehrer Blum, und ausgeführt von den Schulkindern und den Zöglingen des jüdischen Seminars, das sich, en passant gesagt, einer bedeutenden Frequentation und groß-