Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1871)
- Date
- 1871-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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BIO Correspondenz aus Crefeld in Nr. 8 dieser Zeitung mit einigen Worten der vielen Leser dieses Blattes wegen ”"d n«p: entgegenzutreten. Der betreffende Correspondent findet es zu tadeln, daß ich von d^r brit. Bibelgesellschaft, die durch ihre Colporteure an die hiesigen französischen Kriegsgefangenen neue Testamente in französischer — den Turco'S in arabischer — Sprache austheilen ließ, verlangte, sie möge mir für die israelitischen Kriegsgefangenen hebräische Psalmenexemplare*) senden. Merkte denn der Crefelder Correspondent meine hierbei verfolgte Absicht nicht, daß ich hierdurch die Vertheilung neuer Testamente an diese Israeliten verhindern wollte? Ich habe ferner — und das findet der Crefelder ganz unverzeihlich. — sobald ich Kunde davon erhielt, daß die genannte Gesellschaft den Wittwen und Eltern der im Kriege Gefallenen je ein Prachtexemplar des Neuen Testaments zum heiligen „Andenken" durch die Geistlichen aushändizen lasse, sofort an die Direction dieser Gesellschaft geschrieben: „Wie? Sind denn nur Christen in diesem Kriege gefallen? Nicht auch gar viele von unseren israelitischen Brüdern? Was sollen die Angehörigen dieser mit dem neuen Testamente anfangen? Ich fände es in der Ordnung, daß diesen Hebräische**) Exemplare des alten Testaments gesendet 'werden. Die Direction ging auf meinen Wunsch ein. ' Sieht da nicht Jeder, selbst der orthodoxeste Israelit, ein, daß ich hierbei ein Doppeltes bezweckte: 1) Daß man die im Kriege gefallenen Israeliten nicht vornehm ignorire, und so thue, als ob nur christliche Landeskinder fürs Vaterland gekämpft und sich geopfert hätte. 2) Daß den trauernden jüd. Angebkrigen nicht ein solches Prachtexemplar des neuen Testaments in die Hände gespiüt werde. (Wie viele Geistliche — zumal auf dem Lande ~ mögen in der That diese traurige Gelegenheit benützt haben, um auch manchen jüdischen Familien ein solches Andenken an den Verstorbenen zu übermitteln?) In meinem Sprengel suchte ich eS zu verhüten und durch meine Notiz in der „Wochenschrift" wollte ich über meinen Wirkungskreis hinaus auf diesen aufmerksam machen. Das erkühnt sich nun der Crefelder Correspondent ein „Hand in Hand gehen" mit der brit. Bibelgesellschaft zu nennen, deren Hauptzweck die Bekehrung der Juden zum Christenthnm:sei!! . Lieb wäre es mir, wenn!durch diese unliebsame Correspondenz das Eine bezweckt würde, daß die Leiter *) Es sind dies die bekannten kleinen dauerhaft gebutts denen»b vdv ntm ojb». . **) Ich betonte ausdrücklich „h ebraische", um die mit der Luther'schen Uebersetzuttg auszuschließen: der israelitischen Bibelanftalten sich dadurch angeregt fühlten, den Rabbinern, Lehrern! oder. Cantorep solcher Gemeinden, in denen Wittwen oder Eltern ihren in diesem Kriege gefallenen Mann oder Sohn betrauern, für dieselben Bibelexemplare aus ihren Anstalten gratis zu Gebote zu stellen. Dadurch würde der Propaganda mit neuen Testamenten am wirksamsten gesteuert; auch würde man hiedurch die-Zahl der jüd. Opfer, die dieser Krieg gefordert, annähernd fest» stellen können. Rabb. Dir. M. Rahm er. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie, Wien. Im israelitischen Tempel in K ö v a g 0 r S Zala-Comitat in Ungarn, fang am 17. b. M. der Cantor Sigmund Spitzer Probe und versammelte um sich ein sehr zahlreiches Publikum, welches das Gotteöhaüs vollständig füllte. Gegen 6 Uhr ÄbendS rief man plötzlich von der Frauengallerie Feuer. DiS Leute drängten hastig die Thüre hinaus, wobei eS ohne kleinere Ugglücksfälle nicht abging und man wat froh, auf die Straßen zu gelangen. Mehrere Personen waren auf der Gallerie beschäftigt, die in BraUd gerathenen Kleider eines Mädchens zu löschen. Bald war dies gelungen, ohne daß daS Mädchen schwere Verletzungen erlitten hätte und in großer Anstrengung verließ man den Tempel. Das Feuer war durch eine herabgefallene brennende Kerze entstanden. Um 2 Uhr Nachts gab es in Kövagors großen Alarm. Der Tempel stand in Hellen Flammen, die Löschmannschaft konnte ihn nicht mehr retten und am Mprge/i stand eine Ruine da^ statt des prächtigen GdtttsHauseS. Man hatte am vorhergegangenen Abend einige Funken nicht beachtet, sie hatten sichder hölzernen Gallerie mitgetheilt und so das Gebäude in Brand gesetzt. LavaSberLny (Ungarn), 24. Februar. Am Sabbat Parafchath Mischpatim ging unser hochverehrter, allbeliebter Oberrabbiner, Herr SimoUWiener y"j, zur ewigen Ruhe ein im Alter von hundert» undzwei Jahren. Alle Einwohner unserer Stadt, ohne Unterschied des Glaubens und des Standes, Umstanden die Bahre, vor welcher die Söhne und der Enkel, Rabbinatscandidat S. Dreier, Trauerreden hielten. Alle Filialen , viele fremde Cultusgemeinden waren durch Abgeordnete vertreten. Bescheiden wie er es immer war , verbat er sich das Abhalten eines Trauergottesdienstes ison und ordnete die einfachste Aufschrift für seinen Grabstein an. Sein Name wird verewigt bleiben durch seine im Manuscript vorhandenen talmudischen Werke, Pie jetzt dem Drucke übergeben werden. . n".3"s"j"n. , ' Max Weiß.