Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1871)
- Date
- 1871-03-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XU. Jahrgang. Beilage zu Rr. 1V des Israelit. gettmtgöttadmdrtett und Correspondeuzeu. Deutschland. Dt arnz, 3. März. Wir haben heute wiederum zum Besten der Nothleidenden, Armen rc. im heiligen Lande 1308 fl. 42 kr. nach Amsterdam geschickt. Die Summe der von uns in diesem Jahre zu obigem Zwecke gesammelten und übermittelten Gelder beträgt nunmehr 12,081 fl. 7 kr. Hochheiw bei Mainz. Auch hier wurde eine israel. Familie durch den Krieg hart betroffen. Der Unteroffizier Adolph Strauß von hier starb am 18. Februar im Feldlazareth zu St. Germain am Typhus. Gott tröste die niedergebeugten Eltern. □ M nrrchen, im Febr. (Statistisches.) Im neuen deuts chen Reiche beziffert sich die Zahl der jüd. Religionsgenoffen zur Gesammtbevölkerung auf ca. 1,200,000. Im Allgemeinen gehört von der deutschen Bevölkerung über £ der katholiscken, ca. £ der protestantischen Religion an, Dissidenten gibt es an 300,000. ■ Brrlirr, 22. März. (Forts.) Wo sind also die Factoren, die eine Gemeinde zu einer jüdischen stempeln? Wo? klingt es nun nicht lächerlich, i aus dem Munde derer das usan p Bnsn zu hören, die doch so Alles fortgeräumt, so recht tabula rasa gemacht haben mit dem, was eine jüd. Gemeinde besitzen soll? Daß wir so lange mit wahrer jüdischen Duldermiene das Joch getragen und mit unseren Mitteln wenigstens indirect der Reform auf die Beine geholfen haben, ist traurig; aber die Erfahrung, die wir daraus geschöpft, — sie soll uns, mag auch das Wüthen der Reformer uns verleumderisch anfallen, nicht verloren gehen. Ohne Jemand äußere Nöthigung aufzulegen, soll er in den Stand gesetzt sein, der religiösen Richtung sich anzuschließen, mit der er seinem Gewissen nach zusammengehört. Man sollte demnach glauben, daß blos von Seiten der Neologie, die vorzüglich in größeren Städten in Blüthe (?), um das Geld der Conservativen nicht entbehren zu müssen, in d en heftigsten Widerspruch ausbricht, daß im Wege der Gesetzgebung diesem Nothstande abgkholsen werde. Man irrt sich hierin. Der Herr Correspondent aus Ostpreußen, der als aus unserem religiösen Boden stehend, sich ankündigt, führt in klarer Auseinandersetzung die Gefahren uns vor, die nach Aufhebung des Judengesetzes von 1847 für die kleineren Gemeinden wohl entstehen würden. Es gebe, so meint er, in kleineren Gemeinden, die zum großen Theile noch auf orthodoxem Standpunkte stehen, eine „nicht unbeträchtliche Zahl Indifferenter und solcher, die sich in ihrem Hauswesen fast ganz vom Judenthum losgesagt haben, aber doch, wenn sie einmal die Synagogen besuchen, dort keine Reformen gerne sehen würden, — die Alle sofort aufhören werden, ihre Steuern zu zahlen!" — Dadurch würde der Ruin vieler Gemeinden herbeigeführt werden. Wer sollte, fährt er ungefähr fort, die schöne Synagoge erhalten, wer die Cultusbeamten besolden, wer die Lasten für die Institutionen tragen, zumal an solchen Orten, wo keine Reichen, die für das Judenthum mit Hab und Gut einstehen. Wir sehen, daß von unserer Seite derselbe Einwand erhoben wird, wie von Seiten der Gegner. Ohne unbescheiden zu sein, müssen wir dem Herrn Correspondenten aus Ostpreußen offen und ehrlich belehren, daß er doch nicht so ganz auf unserem Standpunkte zu stehen scheint. Unsere tiefste Ueberzeugung geht dahin, daß wir, wenn es sich um eine Wahrheit, wenn es sich um die Gerechtigkeit, um die Gewissensfreiheit, wenn es sich um die Durchführung eines wahren Standpunktes handelt, wir ihn ohne Rücksicht auf momentane unangenehme Consequenzen durchführen müssen. Haben wir die Wahrheit im Auge — diese schadet nimmer — so müssen wir fern davon sein, uns von jenen kleinlichen Nachtheilen beeinfluffen zu lassen. Was sagen Sie, mein Herr, dazu, mitansehen zu müssen, wie eine jüdische Gemeindevertretung, vom Staate dazu sanctionirt — wir können dem Staate überhaupt nicht das Recht einräumen, auf speciell jüdisch-religiöse Angelegenheiten durch die Gesetzgebung Einfluß zu üben — Allem Hohn spricht durch Wort und That, was durch Thora und Tradition uns heilig ist?! Erscheint Ihr Einwand nicht kleinlich gegenüber der Besorgniß, ja der Gefahr, daß an Stelle der Thora der Zeitgeist, der Götze des Tages gesetzt wird? Was steht höher, Hand auf's Herz! die Erhaltung unseres Judenthums oder die einer schönen Synagoge und die Besoldung der Cultusbeamten? Aber es steht ja, so wenden Sie rasch ein, auch in unseren Verhältnissen die Erhaltung der durch Gotteswort befohlenen Institutionen in Gefahr! Nur Geduld! Hören Sie uns nur weiter! Wer durch und durch Jude ist, der wird es auch zu ermöglichen wissen, ohne ein Krösus zu sein, all Das herzustellen, was ein Jude, eine jüdische Familie nöthig hat. An einen aus