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Der Israelit · 1871-03-08 · Heft 10 (8.3.1871) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 10 (8.3.1871)
Date
1871-03-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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194 Ha man über Name und Heimath nichts habe erfahren können. Nur die Religion scheine festzustehen, da er ein Tbalith katan getragen habe. Nachdem ich den Brief abgeschickt, begab ich mich wieder ins Lazareth zu dem Kranken. Er fieberte stark und phantasirte in Einem fort. „Philippine!" rief er, „sie sollen dich nicht tödten, ich schütze dich... schütze dich.. schütze..." Matt sank er dann auf sein Lager zurück. Wenige Tage nachher traten zwei Damen, eine ältere und eine jüngere, bei mir ein. „Ich heiße Frau Burgwald," sagte die ältere, „und bin die Mutier des vermißten Lieutenant Burgwald. Sie waren so gütig, meinem Manne zu schreiben. Mein armer Mann hat meinen Sohn vergeblich in Frankreich gesucht und ist erkältet nach Hause zurückgekehrt. Auf Ihren Brief hin habe ich mich gleich aus den Weg gemacht; vielleicht gibt der gute Gott, daß wir unseren liefen Gabriel hier finden Dies hier ist seine Braut, die mich nicht allein reisen lassen wollte." „„Heißen Sie vielleicht Philippine?""fragte ich daS junge Mädchen. „Oertaineinsnt *)," antwortete die Halbfranzösin eifrig, „aber wie wissen Sie?"... „„Der Kranke nennt diesen Namen in seinen Fieberphantasten; er rief gestern, er wolle Sie nicht tödten lassen, er wolle Sie schützen." " „O, er ist's! Gott sei Dank, er ist gefunden, chäre maman. es ist Niemand anderes als Gabriel!" „Jubele nicht zu früh!" sagte Frau Burgwald, „die Täuschung wäre um so bitterer; allein auch ich hoffe, daß der Gesuchte endlich gefunden ist. Er ist wohl sehr krank, mein armer Sohn?" „„Sehr krank, und ich empfehle Ihnen die größte Vorsicht, wenn Sie ihn aufsuchen."" Ich ließ darauf Herrn F. rufen und ersuchte ihn, die Damen in das Hospital zu begleiten. Der Kranke schlief gerade, als der Hospitalarzt mit den beiden Frauen an das Bett desselben trat. „Es ist der erste ruhige Schlummer," sagte der Arzt, „seitdem der Verwundete hier ist." „Er ist es," flüsterte Frau Burgwald, als sie den Kranken erblickte, „es ist mein armer Gabriel!" „Ach," seufzte Philippine, „wie sieht er aus, so blaß und abgezehrt!" Da schlug der Kranke die Augen auf. „Philippine!" ries er mit schwacher Stimme, „träume ich, du hier?" Und als die Mutter sich über das Bett beugte, da flüsterte er innig: „Meine Mutter!" Der Arzt hieß nunmehr die Damen sich entfernen; als das geschehen war, sagte er zu dem Kranken : „Ich wünsche Ihnen Glück, Herr Lieutenant, Sie sind außer Gefahr; Ihre Frau Mutter und Ihre Fräulein Braut werden Sie während Ihrer Genesung pflegen." Und so geschah es; Tag und Nacht säßen die beiden Frauen abwechselnd am Krankenbette, den geliebten Kranken mit der sorgfältigsten Umsicht umgebend. Schon nach wenigen Tagen durfte Lieutenant Burgwald aus dem Lazareth in eine Privatwohnung gebracht werden, und sein Zustand besierte sich zusehends. Jetzt befindet er sich in H. bei den Seinen; er ist beinahe geheilt. Da aber im rechten Arm eine Art Lähmung, eine gewisse Steifheit zurückgeblieben ist, die nach Aussage der Aerzte erst nach Jahren sich wieder verlieren wird, so dürste er als Invalide entlasten werden. Sobald er seinen definitiven Abschied haben wird, soll das Hochzeitsfeft stattfinden, zu dem schon jetzt die nöthigen Vorbereitungen getroffen werden. Gabriel wirb in H ein Banquier-Geschäft etabliren. Herr und Frau WindSheimer denken nicht mehr daran, nach Paris zurückzukehren; sie werden sich von ihrem einzigen Kinde nicht trennen. Herr WindSheimer ist von seiner Franzosenschwärmerei vollständig geheiltkann es den Parisern nicht vergesten, daß sie ih von glühenden Franzosenfreund, aus Paris hinw/tz' Tod und Verderben getrieben haben, wovor er durch Gottes gnädige Fügung war behütet worden. Durch längeren Aufenthalt in Deutschland ist er auch mit seinen Landsleuten versöhnt; er sieht, daß auch in Deutschland die Emancipation Fortschritte gemacht hat, und daß der Jude auch in Deutschland vergnügt und in Ehren leben kann, zumal die speziell-jüdischen Zustände in Deutschland trotz der heftigen religiösen Kämpfe noch besser sind als in Frankreich und namentlich in Paris, wo im Allgemeinen der Thermometer des jüdisch-religiösen Lebens bis zum Gefrierpunkte des Indifferentismus gesunken war. Gabriel hat immer noch viel von seinen Kriegs- Abenteuern zu erzählen. Dann blickt Frau Burgwald voll Sorge auf ihre beiden jüngeren Söhne und betet herzinnig: „O Gott, gib unserm Valerlande einen dauernden Frieden!" Hierzu zwei Beilagen. *) Sicherlich. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben'Z Buchdruckerei in Mainz.

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