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Der Israelit · 1871-03-08 · Heft 10 (8.3.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 10 (8.3.1871)
Date
1871-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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r-3 (erste israelitische Armenschute) veröffentlicht den Jahresbericht für das Schuljahr 1869/70, woraus wir hervorheben, daß an dieser Schule 262 Schüler (davon 146 unentgeltlich) in allen Normalfächern und Religion Unterricht genossen. Die Ausgaben für die Schule beziffern sich mit fl. 6164.57, welche durch Jahresbeiträge, Spenden und theils durch Schulgelder (fl. 1979.50) eingebracht wurden. Diese Schule erhält in Anbetracht ihres humanen Zweckes vom löblichen Magistrate der Stadt Wien eine jährliche Subvention von fl. 300. Wien. Aus der Rothschilfchild-LUiftung wurden im abgelaufenen Jahre 6 Hörer der Wiener Technik mit je 105 fl und 20 arme Gewerbsleute mit je 52 fl. 60 kr. ö. W. von Seite des Magistrats betheilt Das Stiftungsvermögcn beträgt jetzt 30,500 fl. in Obligationen. Feuilleton. Gabriel. x.! 2ot Gesunden. 'uls der deutsch-französische Krieg ausbrach und nach den ersten Schlachten sehr häufig verwundete und kranke israelitische Soldaten in die Lazarethe von Mainz verbracht wurden, wußte ich, der Erzähler dieser Geschichte, es zu veranstalten, daß mir sofort Nachricht gegeben wurde, wenn Glaubensgenossen hier ankamen, damit denselben, wenn sie es wünschten, jüdische Kost verabreicht werden konnte, und damit, wenn die Krankheit einen schlimmeren Verlauf nahm, den sterbenden der Trost der Religion nicht fehle und ihnen ein jüdisches Begräbniß zu Theil werde. Daß hiebei kein Unterschied zwischen deutschen und französischen Soldaten gemacht wurde, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Einem Franzosen aber blieb es Vorbehalten, uns Hintere Licht zu führen. Derselbe ließ unö eines Tages seine Ankunft wissen; er war vor Paris leicht verwundet und hierher ins Lazareth gebracht worden. Wochenlang versorgten wir ihn mit jüdischer Kost, selbst dann noch, als er geheilt war und als Krankenwärter im Lazareth Verwendung fand. Später gelang es uns sogar, auf seinen Wunsch, ibn am Sabbat vom Dienste zu befreien, und er besuchte auch regelmäßig an diesem Tage die Synagoge. Da kam das Chanukah-Fest beran, und die Frau, die ihm das Essen brachte, lud ihn ein, in ihrem Hause die Chanukah-Lichter snzuzünden; der Mann wurde verlegen und entschuldigte sich von Tag zu Tag. Als aber die Frau mit ihren Einladungen dringender wurde, da schrieb er endlich — es war am Weihnachtsabende — einen Brief, in welchem er für die erwiesene Güte dankte und zugleich bekannte, daß et gar kein Jude, sondern Katholik sei und nur deshalb uns hintergangen habe, weil ihm die jüdische Kost besser schmecke und er gern einen Tag in der Woche hatte frei haben wollen. Durch diesen Vorgang mißtrauisch gemacht, beschloß ich, künftig vorsichtiger zu sein. Da wurde mir in den letzten Tagen des Jahres die Meldung gemacht, daß ein verwundeter, jüdischer Offizier in das Hospital „Prinz Carl" gebracht worden sei; ich ging hin, um mich von dem Tatbestand zu überzeugen. Man führte micb an das Bett eines im heftigsten Fieber liegenden Mannes. Als ich ihn aNredete, sah er mich starr an und fragte: „Wohin reisen Sie? Dann drehte er sich um und seufzte tief. Als ich mich nach Namen und Heimath des Unglücklichen erkundigte, wußte Niemand Auskunft zu geben. „Woher," fragte ich den dienstthuenden Unteroffizier, „woher wissen Sie, daß der kranke Offizier Jude ist? ' Da zeigte er mir einen kleinen, mit Schaufäden versehenen Brustlatz, das Arba-Kanfoth, das man beim Entkleiden dem Verwundeten ausgezogen hatte. Fürs Erste war es nickt nothwendig, zu essen zu schicken, da der Kranke nur sehr wenig genießen konnte; doch beschloß ich, ihn am nächsten Tage wieder zu besuchen, oder doch, ibn besucken zu lassen, da meine sehr sta k in Anspruch genommene Zeit mir nicht erlaubte, jeden Tag ins Hospital zu gehen. Herr F. von hier übernahm denn auch freundlickst die Fürsorge für den Kranken und erstattete mir von Zeit zu Z4t Bericht über ihn. Nach einigen Tagen brachte mir Herr F. die „Kölnische Zeitung" und machte mich auf eine Annonce in derselben aufmerksam; diese lautete: „Lieutenant Gabriel Burgwald, vom.. .Regiment, wurde am 21. December bei Le Bourget vor Pariverwundet und in die Heimath nach H... dirigirt, woselbst er jedoch nicht angekommen. Ich bitte dringend alle Lazarethvorstände, oder Jeden, der Auskunft z« geben vermag, den in Angst und Sorge schwebenden Eltern etwaige Nachricht baldmöglichst zukommen zu lassen. Burgwald, Kaufmann in H." „Sollte das vielleicht der hier im Lazaretb liegende Offizier sein?" fragte Herr F. „Möglich," antwortete ich, „jedenfalls will ich nach H. schreiben." Ich schrieb sofort, daß sich hier ein jüdischer Offizier vom ... Regiment im Lazareth „Prinz Carl" befinde, der schwerverwundet und fieberkrank sei; ich ftclle eö jedoch dem Ermessen der Angehörigen anheim, zu beurtheilen, ob dieser der von ihnen Vermißte sei.

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