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Der Israelit · 1871-03-08 · Heft 10 (8.3.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 10 (8.3.1871)
Date
1871-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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190 sollten? Können wir so undankbar, so gottvergessen sein, so unwürdig jener Wohlthat uns erweisen? M. H. Wie zur Zeit des Propheten Elijahu ergehet auch heute der ernste und mahnende Ruf an uns: x"n dk V'2'PO.I w dtidis Drix '5U2 iy„ innx — bj/3,i dm i'inx „Wie lange noch wollet ihr Hüpfen auf die beiden „Zweigen? — Ist der Ewige der wahre Gott, so „folget Ihm; und wenn der Baal, — so wandelt „ihm nach." Auch an uns ergehet die Frage deS Propheten: „Entweder" — „Ober" — Entweder finb die Worte der Thora die Worte Gottes, oder hat Gott überhaupt gar nicht gesprochen. Ich glaube, Sie alle meine Herren werden mir, wie einst unsere Vorfahren am Berge Carmel in der unumstößlichen Wahrheit übereinstimmen:! ü’n^n «in 'n D'.id«7> «in 'n! Der Ew i g e ist Gott! Der Ewige ist Gott! (Minutenlanger, stürmischer Beifall und einstimmisches Rufen: ,Dv6xn ton 'n wobei wenig Augen trocken blieben.) Meine Herren! Es wurde davon gesprochen, daß wir uns eine messtanische Zeit auch denken können, ohne den Opfercultus anerkennen zu müssen. Ich habe Ihnen bereits jenes Citat aus Maimonides vorgelesen, wo ausdrücklich gesagt wird: nu3ip panpoi „Und man wird wieder Opfer darbringen." Auch ist es selbstverständlich, daß die Göttlichkeit der heiligen Schrift auch die ewige unverletzliche Wahrheit in sich schließt; aber noch mehr meine Herren, wir kommen abermals auf die Frage: „Entweder — Oder" zurück. Entweder sind die Worte der Thora und der Propheten Worte Gottes, und wir gehorchen ihren Bestimmungen, befolgen ihre Anordnungen und, glauben an ihren Verheißungen, oder wir gehorchen nicht, befolgen nichts und — glauben an nichts von Alldem; ein Aussuchen nach Belieben gibt es da nicht. Und abermals haben wir es mit einem Grundpfeiler des jüdischen Glaubens zu thun, nämlich mit der nxi3J mit der Prophetie überhaupt; denn Gott spricht: 'nroi -)iD3 ürvn« aipo onV O'p« msj, ff'xn Mi "uiax ^3 rin idu i'D3 '131 .1DJ/0 ISniN '3JN 'DBQ 131' IBM '131 dx pllw' iÖ IffX „Einen Propheten werde ich ihnen auferstehen lassen „aus der Mitte ihrer Brüder, gleich dir, und in seinen „Mund meine Worte legen, und er soll zu ihnen „reden Alles, was ich ihm gebieten werde." „Und „es wird geschehen, der Mann, der nicht hören „wird auf meine Worte, die er reden wird in mei- „nem Namen, ich selbst, ich werde Rechenschaft von „ihm fordern." Ist nun die Prophetie unserer wahrhaften Propheten GotteSwort und daher auch ewige Wahrheit, dann, meine Herren, schlagen Sie nach in den letzten Kapiteln des Propheten Iecheökel, dort werden Sie finden die im Namen Gottes verheißene Zurückführung des Hauses Israel in das heilige 6and, den Umfang und die Grenzen des Landes, auch die Form des Heiligthums in seiner Länge und Breite; zugleich aber auch die Zahl der Opfer zur Zeit der Einweihung desselben. Dort finden Sie, meine Herren, den Opfercultus in seinem Glanze, in seiner ewigen Wahrheit wieder hergestellt, und wer daran rüttelt, rüttelt wieder an einem Grundpfeiler des jüdischen Glaubens, an dem Glauben des IudenthumS, an der Wahrheit der heiligen Thora selbst. (Beifall.) M. H.! Man hat uns vorgeworfen — und dieser Vorwurf muß einen jeden Juden erröthen machen, denn er kam von Juden selbst, — daß unsere Gebete um Rückkehr nach Jerusalem und Wiederherstellung der Dynastie David daselbst unserem Patriotismus nicht gut anstehen; daß wir als freie Staatsbürger daran nicht denken sollten, nach Palästina zurückzukehren. Darauf haben wir zu erwidern und zu erklären: daß das m»y mop Gebet, die achtzehn Segenssprüche, in welchem an mehreren Stellen um baldige Verwirklichung der messianischen Zeit und Restaurirung des Davidischen Tbrones gebeten wird, von den »bux nbnn HDJ3 Männern der großen Synagoge ungefähr um die Zeit der Erbauung des zweiten Heiligihums geordnet und vom ganzen Volke Israel angenommen wurde. Vier Jahrhunderte hindurch wurde dieses Gebet vom Volke, von seinen Hohepriestern wie von seinen regierenden Fürsten, welche nicht aus dem Hause David waren, täglich dreimal gebetet. Und während daS Volk aufrecht stehend nur viermal beim Gebete, der Hohepriester am Anfang und am Ende eines jeden Segenspruches das Haupt neigen mußte, mußte der König das ganze mwy riZvw Gebet gesenkten Hauptes verrichten. Wir hatten damals unser eigenes Land, unfern eigenen Staat, unfern eigenen König. Ist es also möglich, daß dieses Gebet Verrath in sich birgt? Ist es möglich, daß das ganze Volk zur Zeit seiner politischen Selbständigkeit in eigenem Lande, regiert von Fürsten aus seiner Mitte, Gebete angenommen und verrichtet hätte, welche revolutionärer Natur waren? Ist eS denkbar, daß jene Männer aus der großen Synode, worunter auch Propheten waren, dem Volke Verrath lehrten? Ebenso denkbar, wie der König selbst, wie der Mensch überhaupt an sich selbst zum Verräther werden kann! Hat nun der König und mit ihm daS ganze Volk um die Verwirklichung und baldige Herstellung der Davidischen Dynastie gefleht, so begehen auch wir wahrlich damit keinen Verrath. (Großer Beifall.) Ja, rmine Herren! Wenn wir die Wiederherstel-

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