Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-03-08 · Heft 10 (8.3.1871) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 10 (8.3.1871)
Date
1871-03-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447510--09161-2464843
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

189 stoßen werden; wir glauben aber fest und unerschüt- > terlich daran, weil eS in der Thora Gottes heißt. I „p^n nw O'QVN n« d’H^n *ro rrErsra." „Am! Anfänge erschuf Gott den Himmel und die Erde." Ebenso, meine Herren, verhält es sich mit dem Glauben an die Einheit Lottes. Nicht deßhalb glauben wir an dieselbe, weil philosophische Betrachtungen es uns so lehren, da könnten ja andere kommen und gerade das Gegentheil lehren und behaupten; sondern wir glauben an die Einheit Gottes, weil es in der Thora heißt: „intt 'n yav„ „Höre Israel, der Ewige unser Gott ist ein einig einziger Gott. Nun meine Herren, die Lehre von der Einheit Gottes, dieser Grundpfeiler unseres ganzen Religionsgebäudes höngt von der Göttlichkeit uni? Unfehlbarkeit unserer Thora ab. Streichen Sie oder bezweifeln Sie diese, da nehmen Sie uns den Boden unter den Füßen weg; wir haben dann keine Religion und keinen positiven Glauben an die Einheit Gottes, mehr (Beifall.) M. H.! Unsere Geschichte ist reich an Erfahrungen; wir haben viel geduldet, gar viel Unrecht wurde uns zugesügt. Es ist nicht meine Absicht, Ihnen jene Schreckenszeit des Mittelalters vorzuführen. Die Grausamkeit jener für die Menschheit schmachvollen Zeit ist Jedermann bekannt, nie aber ist es je einem Tyrannen eingefallen, uns die letzte Hoffnung, aus dem Herzen reißen zu wollen. Nie hat einer unserer Bedrücker uns verboten, eine Verwirklichung unserer Hoffnung, welche überdies uns in der Thora von Gott verheißen wurde, von Ihm zu erfleben, und jetzt — jetzt soll dies geschehen, nicht etwa von fremden Bedrückern, nein, Männer aus unserer Mitte, Männer, die sich Juden, unsere Brüder nennen, sollten unsere schönsten nationalen Hoffnungen uns von Sinn und Herzen bannen wollen?! M. H. Das Iudenthum wurde seit 1800 Jahren verfolgt, bedrückt, geächtet und geknechtet, oft von Land zu Land getrieben, und siehe da! nach 1800jähriger Wanderung stehet eö so unversehrt und unverzehrt, so kräftig und verjüngt, so unerschüttert da! Welch wunderbare Erscheinung! Zwei Verse der heiligen Schrift sind es, die uns auf unserer großen Wanderung das Geleite gaben. Sie sind es, welche unfern Mirth gestärkt, unsere Kraft gestählt und uns zur Ausdauer verholfen haben. In der That muß die gesammte Welt über den Erfolg erstaunen. Der erste dieser zwei Verse lautet also: □:» Dnrto*? D’ntya «to 0’nDxn ab drra»7K psa orrrna nw «,rn ')dr o dhk inna nanb. „Aber auch dann noch wenn sie im Lande ihre „Feinde sind, verachte ich sie nicht und verschmähe „sie nicht, um sie aufzureiben und meinen Bund „mit ihnen zu brechen; denn ich der Ewige bin „ihr Gott." Der zweite Vers — ich habe ihn schon bereits verlesen lautet: D'cyn ^3D ")!npi aan “prm nx ascn pxn ba «"n .na» Pn “psn -i»k 'di nerv und er wird zurürckführen — und Dich bringen u. s. w. Diese zwei Verse baben uns überall hin begleitet. Im größten Druck und Elend hat uns die Ueberzeugung der Göttlichkeit und somit Wahrhaftigkeit des Inhaltes dieser Verse jenen heroischen Muth, jene stets verjüngte Kraft verliehen, allen Unbilden und Zeitstürmen zu trotzen, um mit unvergleichlicher, unüberwindlicher Ausdauer mit der hellleuchtenden^Fackel der Thora in der Hand und ihrer Lehre im Herzen jene große Wanderung fortzusetzen, welche die Vorsehung uns vorgezeichnet und für uns bestimmt hat. Beide Verse, sie enthalten — den von Gott verheißenen Schutz und Beistand auf der Wanderung und — die von Ihm zugestcherte Zurücksührung in das GotttSreich Israels. — Beide Verheißungen wurden schon unserem Stammvater Jacob beim Beginne seiner Wanderung im Traume zu Theil. Auch Jacob mußte wandern, mußte Vaterland undHeimath verlassen; mußte in die fremde, feindliche Welt hinaus, mußte auch da Leid und Unrecht dulden, bis er endlich doch wohlerhalten an Geist und Leib in das theuere Vaterland, in das beißersehnte Vaterhaus zurückkehrte. Diese ganze Leidensgeschichte unseres Stammvaters, sie war eine wunderbare Vorbedeutung für die große Weltwanderung seiner Nachkommen. Gott ruft ihm zu: *?33 "p-iOvi '3rx mm„ “0/ -piyx *6 '3 nwn naixn bx -pnia’tcMi ".-)3 vnan iifk ritt ’rwy dm i»n. „Und siehe, ich bin mit dir und werde dich behüten „überall, wo du gehest und dich wieder zurückführen dieses Land; denn ich werde dich nicht ver- „lassen, bis ich gethan habe, was ich dir verheißen „habe." Was hier dem Stammvater gesagt, wurde späterhin seinen Nachkommen wiederholt, dem Volke, das seinen Namen trägt, dem Volke Israel. M. H. Wir alle und die Geschichte mit uns sind Zeugender unbestreitbaren Göttlichkeit jener ersten Uns begleitenden Verheißung, und es hat sich der göttliche Schutz, welcher uns verheißen wurde, in wunderbarer Weise bewährt. Ich frage nun: Wäre es recht und billig, ja wäre es vernünftig und weise, wenn wir heute iu einer Zeit, wo wir unter erleuchteten Fürsten neben erleuchteten Völkern frei und glücklich leben, die Wohlthat jenes ersten Trostes nicht mehr bedürfen, daß wir jetzt die Göttlichkeit und Wahrhaftigkeit der zweiten Verheißung bezweifeln oder sie gar verleugnen ’v ft-;|! ."i j", i. t ■!■ i r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.