Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1871)
- Date
- 1871-03-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer daran nicht glaubt Et, wer nicht hofft auf das Kommen des MefficrS, der leugnet nicht blos die Worte der anderen Propheten ab, sondern der ist ein Leugner der Thora und des Moscheh unseres Lehrers. Die Thora selbst spricht sich folgendermaßen aus: So wird der Ewige dein Gott zurückführen deine Gefangenen und sich dein erbarmen und dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin der Ewige dein Gott dich zerstreut haben wird. Wenn auch deine Verstoßenen sein werden am Ende des Himmels, von dorther wird dich sammeln der Ewige dein Gott und von dort dich holen. Und der Ewige dein Gott wird dich bringen in bas Land, das deine Väter besessen; du wirst es in Besitz nehmen und er wird dir wohlthun und dich vermehren, mehr als deine Väter.« Hier haben wir es nun klar und unzweideutig ausgesprochen, daß, wer nicht glaubt an die einstige Rückkehr in das heilige Land oder nicht hofft Und sich nicht sehnt nach dieser messt .Nischen Zeit, der ist ein Leugner des jüdischen Religionsgesetzes und hat sich vom wahren Iudenthume losgesagt Es dürfte Ihnen, meine Herren, wieder der Ausdruck „vom Iudenthume losgesagt" zu weitgehend Vorkommen; nun so will ich Ihnen die Erklärung und Begründung dieser Ausdrücke sogleich geben. M. H.! ES gibt in unserem Religionsgesetze viele Satzungen und Ceremonien, viele Ausübungs¬ und Unterlassungspflichten, deren Beobachtung ein jeder Einzelne vor seinem Gewiffen zu verantworten hat, so wie er sie einst vor dem allwissenden Weltenrichter zu verantworten haben wird. Es gibt aber auch solche Gesetze, die als Grundpfeiler betrachtet werven müssen, als Grundpfeiler, die das Gebäude der jüdischen Religion tragen unv erhalten. Nun denn, meine Herren, der feste Glaube an den königlichen Messias ist ein solcher Grundpfeiler; denn Angesichts dieser göttlichen Verheißung in der Thoba, der letzten, welche einzig und allein noch nicht ist Erfüllung gegangen ist, stehM wir vor einer furchtbare- und entscheidenden Alternative: «Entweder" — „Oder" — Entweder hat Gott gesprochen oder hat er nicht gesprochen; eine Mittelstraße gibt es hier nicht und kein Ausweg kann uns hier diesem für Ms entscheid enden Standpunkt entrücken. Hat Gott gesprochen, und ist, wie wir Alle glauben, die Thora und Alles, was darin steht, Gotteswort, dann werden Sie, meine Herren, wohl begreifen, daß auch nichts darin Vorkommen kann, was unausgeführt bliebe; denn „22« pi 2122 d« V« «> 232'p' «dl 2221 2Vy «bl 22« «122, 22322." „Nicht ein Mensch ist Gökt, VStz kr Mg?, nicht ein Erdettsohn, daß er sich bedenke; sollte er wohl sprechen und nicht thun; er reden und nicht halten?" Hat nun Gott gesprochen „Und er wird zusammenführen" u. f. w. — „und er wird dich bringen in daS Land" u. f. w. dann muß die Verheißung von der Sammlung der Zerstreuten durch Gott in Erfüllung gehen oder, streichen wir diesen Satz, sagen wir uns von dieser Idee los und sprechen: diese Zeit wird nie kommen: nun so hat Gott nicht gesprochen, dann, m. H., hat folgerichtig Gott auch gar nicht gesprochen; wozu dann Kasteiungen am Versöhnungstage? wozu uns überhaupt Beschränkung im Genuß und Leben auferlegen? Was nöthiget uns das Eine als das Gotteswort zu bezeichnen, nachdem wir uns in der Verheißung über unsere Zukunft betrogen finden? und das ganze Gebäude unserer heil. Religion geht consequenterweise in Trümmer. (Stürmischer Beifall.) M. H.l Wir machen oft die Erfahrung, daß sich manche über gar viele religiöse Satzungen leichten Sinnes hinwegsetzen. Sie halten sich dabei für die besten Juden, da sie doch an die Einheit Gottes glauben und dieser Glaubenssatz: „Gott ist einig und einzig" umschlingt noch alle Parteischättirungen, jeder Jude würde für die Wahrheit dieses Satzes freudig mit dem Leben einstehen. M. H.! Ein großer Denker und Philosoph, der zugleich einer der größten Rabbiner seiner Zeit wa, — dessen Autorität aber auch heute noch allenthalben Anerkennung findet, — hat es ausgesprochen, daß so viele Beweise wir auch lieftrn Wnn-n dafür, kaß Gott die Welt erschaffen hat, und dieselbe sein erhabenes Werk sei, daß eben so viele Beweise sich dagegen anführen ließen und zwar dafür, daß die Welt neben Gott uralt existirt habe. Wir glauben allerdings das Erstere; nicht aber, weil wir durch philosophische Betrachtungen etwa zu diesem Resultate gelangt sind, denn Betrachtungen und Ideen eines oder mehrerer Philosophen können durch geistreichere Argumente des Einen oder Andern bestritten, widerlegt und umge-