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Der Israelit · 1871-03-01 · Heft 9 (1.3.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 9 (1.3.1871)
Date
1871-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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168 ermißt den Schmerz, welchen der Vater fühlt ob des frühen Todes seines hoffnungsvollen Kindes? Wer malt die dumpfe Verzweiflung der jungen Gattin, die erst vor kaum einem Jahre den Geliebten ihres Herzens geheirathet und ihn jetzt schon betrauert, und das Kind, das unglückliche Kind, das bald das Licht der Welt erblicken wird — seinen Vater wird es nicht kennen, der ist vor Belfort gefallen! Die Weltgeschichte schreitet hinweg über das Geschick des Einzelnen; sein Kummer, sein Gram, sein trauriges Geschick — das Alles verschwindet, muß verschwinden im Hinblick aus das Ganze. Friede herrscht wieder auf Erden, freuen wir uns des wiedergewonnenen Friedens. Friede — aber nicht oft». Die deutsche Sprache hat kein Wort für den jüdischen Friedensbegriff. Friede rst nichts als der Abschluß des Haders. Wenn die Hadernden, beide oder einer von ihnen, bis zu Tode erschöpft sind, dann erfolgt der Friede, wie etwa die Reue auf die Sünde folgt. Das hebräische Wort nhw aber, zugleich der Name des allmächtigen Gottes, bedeutet die vollkommene Einttacht, die durch gar keinen Hader mehr gestört werden kann. Diese der Welt, der ganzen Welt dereinst zu bringen, das ist die unendlich hohe Aufgabe Israels, die wir erfüllen werden, wenn wir uns mit dein Geiste der Thora durchdringen und ihre heiligen Gebote befolgen. 8,^2 loy n« 'n ,jrn ny „Dadurch, daß Gott Seinern Volke die Thorah gab, hat Er es gesegnet mit der Aufgabe, der Welt dereinst den wahrhaften Frieden zu geben. Da wir die Leiden des Krieges geschaut, so möge uns das ein Sporn sein, mit aller unserer Kraft der hohen Bestimmung zu leben, zu der Gott uns ausersehen hat. Friede! Möge es uns gelingen, die klaffenden Wunden, die der Krieg geschlagen, zu schließen, möge der Friede, der jetzt die Welt beglückt, ein dauernder, ein ewiger sein! Zum Uurimfeste n. Mainz, 23. Februar. Noch ist das Andenken Amaleks nicht vertilgt; noch lebt der judenfeindliche Geist inmitten der Völker und oftmals in den einflußreichsten Kreisen. Wir wollen hier von einigen Aeußerungen des Amalek-Geistes Notiz nehmen. In Berlin erscheint unter dem Titel „Deutsche Zeitung" eine Wochenschrift, welche das Symbol der chr. Kirche an ihrer Spitze trägt. Sie ist ein Organ der preußischen Landjunker. In Nr. 1 des II. Jahrgangs derselben befindet sich nachstehender Artikel: Auch ein Opfer der Franctireurs. „Sechs Minuten Aufenthalt," rief der Schaffner in das Coupe. Wir waren in Neustadt-Eberswalde mit seinen berühmten Apfelkuchen. Auf dem Wege zur Restauration sah ich meinen alten Geschäftsfreund Samuel Aaron, der tiefbekümmert an einer ausgegangenen Cigarre kaute und sich von Zeit eine Thräne aus den Augen wischte. Ich konnte nicht umhin, dem alten „Sam" auf die Schulter zu klopfen und nach seinem Befinden zu fragen. „O, es geht, es geht, Herr Baron," sagte Samuel uno klapperte unwillkürlich mit einigen Ravten Thalern in seiner linken Hosentasche. „Die Geschäfte gehn gut, Alles für's Militär! Hab ich doch gekauft schon über 1000 Schaffelle und wieder verkauft mit 60 pCt. an den reichen Jtzig, was da hat die Lieferung vor der Armee." „Na, warum denn so traurig, alter Samuel?" „Ach, Herr Baron," seufzte Samuel und entwickelte aus der Hintertasche seines Rockes ein rothcarrirtes Taschentuch von unglaublicher Größe, — „ach! der Levy ist kapores, mein Zweiter, ein wahrer Schatz ins Geschäft. Das Unglück" -, der alte Mann weinte, daß ihm die Thränen in den Mund liefen und dann sich als ein kleiner Bach die schon aufgeweichte Cigarre entlang schlängelten; „Sehen Sie, Herr Baron, der Krieg is e gutes Geschäft; wollt ich aber doch verlieren 100 LHaler, wenn der Levy war' gekommen gesund nach Hause. Hab' ich doch gesagt: „Levy sei klug, exponire Dir nicht." Aber er war zu feurig. Mit dem Kronprinzen is er gegangen nach Weißenburg und Wörth; hat ihm Alles nichts geschadet und muß er nun so umkommen!" „Wo ist er denn gefallen, Samuel?" „In den Vogesen, Herr Baron, bei EenPenal oderCpenal, wie das Dings heißt, da haben ihn die Franctireurs todtgeschossen." „Ja, das ist eine imsame Bande, aber Adieu Samuel, trösten Sie sich, er ist gefallen für unser großes Vaterland! Adieu." „Adieu, Herr Baron." Man läutete zum dritten Mal. Samuel begleitete mich bis ins Coup6, indem er fortwährend in die Cigarre hineinmurmelte: „Solch Schatz in's Geschäft, zweimal davongekommen und nu todt bei's dritte Mal!" „Bei welchem Regiment stand denn der Levy?" ftagte ich, als ich dem betrübten Vater zum Abschied warm die Hand drückte. „Ach, Herr Baron," schluchzte Samuel, „bei's Militär stand er nicht, er war ja man bloß bei's Pserdestehlen." Daß die Geschichte erlogen ist, sieht man auf auf den ersten Blick; das infame Rischuß, das darin steckt, und das sich nicht scheut ans Tageslicht zu trcten, trotzdem Tausende unserer Brüder in anerkannter Tapferkeit auf dem Felde der Ehre geblutet haben — darüber kein Wort. Wiewohl wir das ebenerwahnte Blatt bereits vor sechs Wochen zugeschickt erhielten, haben wir es doch erst heute erwähnt, da neuere Vorgänge beweisen, was wir, von dieser kleinen, aber mächtigen Partei zu erwarten haben. Unsere Leser kennen den Antrag Laöker-Kosch in Bezug aus die Z w a n g s t au f e von Jüdinnen geborener unehelicher Kinder. Regierung und Abgeordneten-

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