Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1871)
- Date
- 1871-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447499-2447509--09138-2464819- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
kÖ Iahrgan g. J ♦ Der ZAraelit. Ein Kettlral - tzrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von . Vr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 1. Mär.z 5631 (1871). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. E. oder fl. S. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Be« stellungen an. Inserate l*/2 Sgr. die Petitzeile oder derm Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Directe Francozn» sendung unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. G. oder 6 fl. öfterr. an die Expedition franco einzusenden. Anyatt r Leitende Artikel: Friede. — Zum Purimfeste. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Oberdollendorf. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. Wien. — Frankreich: Paris. — England: Canterbury. — Amerika: New-Nork. New-Aork. — Feuilleton: Gabriel. Inhakt der Aeikager Zeitungsnachrichten und Cvrrefpondenzen: Deutsch land: Mainz. Berlin. Berlin. Hamburg. — Palästina: Jerusalem. — Amerika: New-Dork. — Feuilleton: Ein geschichtlicher Rückblick auf die Juden in Elsaß und Lothringen. — Mllitärische Briefe. — Anhalt der Hrtra-Neitage: Für die Nothleid. im hl. L. — Für die Armen des hl. L. — Bau jüd. Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem. — Für die Wittwen und Waisen im hl. L. — Für die Jeschibah in Wolosin. — Für die nothleid. Glaubensgenossen in Straßburg. — Für das Hospital in Memel. — Für den unglücklichen Füselter Rothgießer. — Leitende Artikel. Zsriede. Mainz, 27. Februar. Da stürzen sie herein die Freunde und Bekannten in unser stilles Studirzimmer und bringen uns jubelnd die köstliche Kunde: Friede! Friede herrscht wieder aus Erden. Mil dankerfülltem Herzen, mit Dank gegen Gottes Gnade telegraphirt der Kaiser, der deutsche Kaiser an die Kaiserin in Berlin, daß der Friede abgeschlossen und nur noch der Ratification durch das Parlament zu Bordeaux bedarf, an deren Ausführung natürlich nicht zu zweifeln ist. Und welch ein Friede 5 Ruhmreich und groß für das geliebte deutsche Vaterland, das endlich einig nach langer, langer Zerrissenheit, das wieder aufnimmt die verlorenen Kinder in Elsaß und Lothringen, das sich mit unsterblichen! Ruhme bedeckt hat. Friede, Friede, und der lange, blutige Hader hat ein Ende, und unsere Söhne und Brüder kehren MEk von den blutgetränkten Gefilden Frankreichs! Jubel Md Jauchzen herrscht überall, und im Uebermaße der Freude umarmen sich Freunde und Bekannte. Da klopft's! Ein junges, blasses Weib tritt herein und reicht uns weinend ein Schreiben, in dein zu lesen, daß ihr Gatte bei G r a v e l o t t e aefallen und seine Wittwe mit drei kleinen Kindern „am Bettelstäbe" zurückgelassen. Die Unglückliche theilt nicht den allgemeinen Jubel; ihr und ihren armen Kindern kömmt der Friede zu spät, und kein noch so glänzender Friedensschluß macht ihnen den Gatten,. Vater «nd Ernährer wirrer lebendig .... Welch' eine furchtbare Zeit haben wir überstanden! Einige trockene Zahlen bieten die beste Illustration derselben. 800,000 deutsche Krieger aus Frankreichs Boden, 700,000 französische Soldaten in Deutschland und Paris kriegsgesanaen oder in Belgien und der Schweiz internirt, 300,000 Dodte, Kranke und Verwundete auf beiden Seiten! Ja, diese Zahlen haben eine entsetzliche Beredtsamkeit, sie führen unserem geistigen Auge eine unendliche Fülle von Noch, Jammer und Elend vor, von tiefem Kummer und heißen Thränen. Wer zählt die Thränen, welche die arme alte Wittwe weint, die den Sohn, den geliebten Sohn, ihr Alles aus Erden, verloren d Wer