Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1871)
- Date
- 1871-02-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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461 fabricirtes Wortungeheuer" sei, „denn nicht Yogesus nannten die Römer dieses Gebirge, sondern so, wie sie es von den keltischen Urbewohnern gehört hatten: Yosagus oder Yvsegus." Das beweisen die Handschriften aller besseren Autoren und gleichzeitige Inschriften. „Daraus ist von Buchstabe zu Buchstabe entsprechend, sowohl die schon im Nibelungenliede gebrauchte und im Volksmunde noch jetzt lebende deutsche Form Wasichen, oder Wasgenwald und Wasgau (nur daß in letzterem die Schlußsilbe schon eine verdeutschende Umdeutung enthält) als die ältere und seit 1790 wieder osficiell (als Departementsnamen) eingeft'ihrte französische Form Bosges (Vöges im vorigen Jahrhundert gew. nach der Aussprache nuxYoge, selbst Tauge geschrieben) heroorgegangen." K. bemerkt nun schließlich noch, daß der, wer an die frauz. Pluralendung es noch eine zweite deutsche auf — en auflickt, ebenso absurd verfahren würde, als wie der, welcher der ftanz. Pluralendung anderer Gebirge zu Liebe etwa Alpesen, Ardennesen, Sevennesen, statt Alpen, Ardennen, Sevennen sprechen wollte." Cprresppndenzen. Aus Baye n In allen Verhältnissen des menschlichen Lebens, in allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft ist nichts von größerer Bedeutung, als das Zusammenwirken vieler Kräfte. Was einer einzelnen Kraft unmöglich ist, kann natürlich durch mehrere möglich werden. Dieser Gedanke ist auch durch alle menschliche Thätigkeit gedrungen und deßhalb sehen wir überall tu der Kunst, in der Wissenschaft, in der Politik, in der Unterstützung der armen und bedrängten Menschheit, in der Lehrerwelt sich Vereine bilden, um mit vereinten Kräften chätig zu sein. Nur der Mische Lehrerstand in Bayern scheint wenig esprit de corps zu besitzen. Der jüdische Lehrerstand in Bayern besteht aus lauter einzelnen Splittern, die in ihrer Trennung wenig Kraft besitzen. Nirgends ist das Streben zu finden mit jüdischen Berussgenossen zusammenzutreten. Wohl wird mancher jüdischer Lehrer das Mitglied des bayerischen Lehrervereins sein. Aber was nützt das für die jüdischen Schulen, die doch meistens Religionsschulen sind. Wohl wird mancher eine Conferenz besuchen; auch diese haben für die jüdische Religionsschulen wenig Nutzen, denn es wird da über die Interessen derselben gar nicht debattirt. Interessen der jüdischen Volksschulen? wird mancher achselzuckend bemerken. Die Kinder haben bis jetzt Hebr. beten rc. gelernt und werden es künftig auch lernen. — Das ist jedoch weiter nichts als das Product einer grafseir Gleichgiltigkeit, die Folge einer groben Unwissenheit und der Hang am gewohnten Schlendrian festzuhalten, um die Unannehmlichkeiten einer lebenskräftigen Metamorphose zu vermeiden. Nietes muß anders werden. Nicht eine isolirte Kraft kann dieses vollbringen; jeder muß dabei chätig sein. Vieles ist zu ändern, das ein Einzelner nicht ändern kann. In wie vielen jüd. Religionsschulen herrscht noch manche alte Methode, in wie vielen jüd. Schulen bestehen noch manche alte Verhältnisse, die geisteshemmend auf den Unterricht und auf die Entwicklung der Schule wirken! Warum sollten die neuen Gesetze der Pädagogik auch nicht in der jüdischen Religionsschnle gepflegt werden, warum soll nicht eine rationelle Methodik an die Stelle des alten methodenloseu Unterrichtens gesetzt werden? Wie groß ist der Unfug innerhalb vieler jüd. Gemeinden in Bezug auf die Anstellung und Aufnahme isr. Lehrer! Wie niederdrückend wirkt oft die vertragsmäßige und termiuartige Anstellung eines Lehrers; welche nachtheilige Folgen hat oft ein solcher Miethvertrag! Der Dämon der Nahrungssorgen umnachtet den Lehrer, das Gefühl seiner Würde wird dadurch verletzt, indem er gleichsam zu einer Maschine herabgedrückt wird, welche man auf eine gewisse Zeit miethet. Wie zweckmäßig und trefflich ist die Aufsicht, die Leitung ltub die Jnspicirung der jüdischen Schulen! Lachen könnte inan, wenn man nicht weinen müßte! Unsere ganze Religion, unsere religiöse Entwicklung ist Männern anvertraut, deren streben darin bestcht, die Lebensadern des Juventhums zu unterbinden, damit es keine Säfte zum Fortbestehen hat. Man gewährt den Juden äußerlich manches, das bunt schillert, aber im Innern sieht es trübe und finster aus. Ist es zu verwundern, daß wir oft so schlechte religiöse Zustände habend Ein schwaches Fundament kann kein großes Gebäude tragen. Von Geistlichen, die nicht die besten Synwathien für das Iudenthum hegen, ist unsere jüd. Volksschule beherrscht: christliche Geistliche sind unsere Lokal- und Distrikts-Inspectoren; christliche Geistliche sind die Wächter unserer Religion. Und welche Wacht halten sie? Andersgläubige müssen die jüdische Kinderwelt, der das Bestehen des Iudenthums für die Zukunft gleichsam in die Hand gegeben ist, in der jüdischen Religion prüfen. Wie fähig oft solche Geistliche sind, ist hinlänglich bekannt. Ich könnte manches Histörchen darüber erzählen; aber die meisten Lehrer wissen gewiß solche von ihren Schulprüfungen. Wie ist zu helfend Nur vereinte Kräfte können da etwas leisten. Deßhalb auf, ihr Lehrer Bayerns, schließt Euch zu einem Bunde zusammen, beginnet den Kampf gegen diese Uebelstände. Wir werden gewiß von den Rabbinen in unsern Bemühungen unterstützt werden, wenn wir die Initiative ergreifen. Darum ihr Lehrer;