Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1871)
- Date
- 1871-02-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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162 ermannet Euch und handelt. Tretet zu Conferenzen zusammen und thuet dann Collectivschntte. Lasset diese Stimme nicht verhallen; handelt! die Früchte Euerer Thätigkeit werden gewiß bald reifen. (Wir sind übei-zeugt, daß ein Zusammentreten der jüdischen Lehrer Bayerns von dem besten Erfolge für die Aufhebung der in vorstehender Correspondenz berührten Uebelftände, namentlich der Inspektion seitens der christl. Geistlichen sein wird. Es gilt aber ^cnicf), den allgemeinen bayerischen Lehrerverein für die Interessen der jüd. Religionsschule zu gewinnen, ist ja zumeist dem Einflüsse desselben der Entwurf des bezw. liberalen Volksschulgesetzes von 1867 zu verdanken, nach welchem dem christl. Schulinspector kein Recht der Beaufsichtigung über den jüd. Religionsunterricht zusteht. fArt. 113.j Red.) Hamburg im Januar 1871. Es gereicht mir zur größten Freude, Ihnen die frohe Mittheilung machen zu können, daß unser jüdisches Gemeindefchulwesen in höchster Blüthe steht. Das vor 1b Jahren neuerbaute Talmud Thora-Schulgebäude mit seinen großen Räumlichkeiten reicht schon jetzt nicht mehr für die Schülerzahl aus, so daß man seit längerer Zeit schon gezwungen ist, Parallelklassen in einem der Gemeinde angehörigem Nachbarhause unterzubringen. Ein Anbau ist jetzt projectirt, zu dem bereits von einem Privatmann 25,000 M. B. gezeichnet find. Ein schöner Anfang! Bei dem bekannten Wohlthätigkeitssinn der Hamburger wird der Bedarf für den Anbau bald gedeckt sein. Wenn man die Talmud Thora-Schule in ihrem jetzigen Bestände vergleicht mit dem, was sie vor zwanzig Jahren war, so muß man über die Riesenfortschritte, die diese Schule gemacht hat, erstaunen. Vor zwanzig Jahren hätte sich der reiche Hamburger noch gescheut, sein Kind in diese Schule zu schicken; sie hat es aber verstanden sich aus einer Armenschule zu einer Realschule auch für die besten Stande emporzuarbeiten. Die hebr. Disciplinen wurden zwar immer ausgezeichnet in der Talmud Thora gelehrt, aber in den Sprach- und Realfächern sah es trübe genug aus. Als der Chacham y'si noch lebte, leistete die Schule zwar auch das, was eine gute Volksschule zu leisten hat, wenn auch der Lehrplan sich nur auf das Nothwendigste beschränkte. Als aber der Chacham starb, sank die Schule immer tiefer. Der an der Spitze der Schule stehende Vorstand bestand aus sehr achtbaren Männern, die von dem besten Eifer beseelt waren, doch hätten sie Fachmänner sein müssen, um in der Anstellung eines Lehrers den richtigen Blick zu haben. Für das Deutsche wurde während dieser Zeit ein Lehrer angestellt, welcher es sehr rasch verstanden hat, sich zum Hanswurst der Kinder zu machen, und die Schule um den größten Theil ihres Credits zu bringen. Als nun aber Oberrabbiner Stern nach Hamburg berufen wurde und als Gemeinderabbiner auch zugleich das Ephorat der Schule antrat, da waren die Tage jenes obengezeichneten Lehrers gezählt, er wurde bald entlassen, und es war somit der Anfang zum Bessern gemacht. Das redliche Wirken und Wollen des Herrn Oberrabbiners, die treue Hingabe an das heilige Werk der Erziehung hat jetzt Wunderbares geschaffen. Als das alte, unzulängliche Schulhaus in der 0'lbstraße mit dem prachtvollen Neubau auf den Kohlenhöfen vertauscht wurde, wurde auch zugleich der Lehrplan zu dem einer Realschule erweitert, ohne daß die hebr. Disciplinen darunter litten; die Schule hob sich zusehends, so daß im vorigen Jahre dieselbe von der Regierung dieselbe als Realschule 2ter Ordnung anerkannt wurde, während der unter Or. Nee stehenden Schule die Anerkennung nicht zu Theil geworden ist. Allerdings haben die schon über zwanzig Jahre an der Schule wirkenden Herrn Adler undvr. Nathan rühmlichen Antheil an dem Aufschwung der Schule, die Neuorganisation aber und die Hebung im Ganzen und Großen ist das Werk unseres bewährten Oberrabbiners. So kommt es, daß die Zahl der Kinder fast bis auf das Doppelte angewachsen ist, so daß man sich zu einem Neubaue gezwungen sieht. — Die Leistungen der Schule sind vortrefflich, denn alle Lehrer fühlen sich als Theile eines Ganzen; die Collegialität, die durch das freundschaftliche Verhalten des Herrn Oberrabbiners zu den Lehrern genährt wird, wie auch die jede 4 Wochen stattfindenden Conferenzen, welchen zwei der Schulräthe beiwohnen, und in denen, wie es auch das preußische Gesetz oorschreibt, abgestimmt und nach Majorität entschieden wird, machen ein einheitliches und daher segensreiches Wirken möglich. Als vor 15 Jahren das neue Schulhaus eingeweiht wurde, sagte der Herr Oberrabbiner in der Einweihungsrede: wen 'n;mi nny o pea, und dieses Wort hat sich unter Gottes Beistand erfüllt. F. Briefkasten. Herrn L. in Sch.: Ihre Beschwerden über die Schule in W. sind rein localer und persönlicher Natur, für welche wir in unserem Blatte keinen Platz haben. MW" Correspondenzen und Beiträge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischen Inhalts zur Besprechung in diesen Blättern wolle man gefälligst adrefstren an Dr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Verantwortliche Redactton: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottslebenes Buchdruckerei in Mainz.