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Der Israelit · 1871-02-22 · Heft 8 (22.2.1871) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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153 Morgen, Dienstag, w^den wir Nancy verlassen und für'S Erste nach dem 4 Wegestunden entfernten Toul marschiren. — Die jüV. Gemeinde Nancy besteht aus etwa 400 Familien, was im Verhältniß zu der Zeit ihres Bestehens — ste bildete sich erst nach 1793, bis zu welcher Zeit gar kei?e Juden dort ansässig waren — eine bedeutende Zahl ist. — Unsere Glaubensgenossen haben hier, wie in .. az Frankreich, eine sehr geachtete Stellung, und ste empfinden edaher doppelt schmerzlich, daß das neue Gouvernement schon Beweise geliefert habe, daß es das Judenthum vollständig ignorire. Ich weiß nicht, ob diese Behauptung begründet ist; sollte sie eS aber sein, so wäre sie nicht geeignet, uns Illusionen über eine Verbesserung unserer Lage in der Zukunft hinzugeben. Hoffen wir das Beste. ANZEIGEN Prag. Zu keiner Zeit ist so viel loses und leichtfertiges Spiel getrieben worden mit Abrogationen und Weglassungen der liturgischen Agenden und ganzer Gebetpartien, wie sich dieses in unfern Tagen ungestraft zu vollziehen drohet. Zumeist sind es aber die modernen Prediger gentium minorum, die sich darin gefallen mit den Gebetbüchern tabula rasa zu machen, indem sie ein Gebet nach den: andern so zu sagen, herausreißen möchten, wozu sie sich durch ihre Afterforschung und ihre aus der vermeintlichen Höhe der Zeit stehende Wissenschaftlichkeit hineinreden und demnach auch hiezu berechtigt' glauben, wodurch sie jedoch nur der Verwirrung Thür und Thor öffnen. Der eine faselt von einem dreijährigen Cyklus und der Ueberbürdung der Beter mit gar so vielen und überflüssigen Gebeten. Ein Anderer wieder vergreift sich in seinem Purifieationseifer an der Opfer-Benediction in der t’filah; ein Dritter, der sich sogar einbildet das Gras wachsen zu hören, richtet mit Ingrimm sein vermeintliches spitzes Geislesgeschoß gegen eine ganz unschuldige Metapher, welche die gottbcgeistertcn und wahrhaft frommen Paitanim in ihren religiösen Ergüssen ohne jedwede weltliche Absicht anwendeten, welche aber nichtsdestoweniger die reizbaren Nerven der Eingangs erwähnten geistlichen (1) Herren derart afficiren, daß sie in jeder noch so naiven biblischen Redeweise irgend eine Profanation der göttlichen Attribute erblicken, (siehe Neuzeit Nr. 45, Corr. Marczali) und können nicht umhin selvstverständlich auch ihre Gemeinden, die sie weiden, nicht genug zu warnen vor solchen aus Geist und Herz des Beters so schädlich einwirkenden und profanen Ausdrücken?! Wie gesagt, ausgerärnnt muh werden mit den vielen und langweiligen Gebeten in den Gotteshäusern. Hinweg mit dem einjährigen Cyklus und der sabbatlichen Hastorahlection! Wozu überhaupt noch die laute und ganze Wiederholung der t’filah? Wozu die schiwah k’ruim am Sabbate? Ist es etwa nicht genug, wenn der Prediger in höchst eigener Person die üblichen Benedictionen über die torah recitirt? Was hat die birchat hoabodah in den täglichen t’filah für eine Bedeutung noch ftir uns? Ueber Bord mit allem diesem Ballaste! und mehr dergleichen Zeugs, das gewiß keinen Anspruch mehr auf unsere Zeit, noch weniger auf unser Andenken und unsere Dankbarkeit hat. Ueberhaupt ist die derzeitige Dauer des Gottesdienstes zumeist die nur sich auszeichnende, alte wie moderne Sangweise der Vorbeter und Canwren eine nahezu lästige, oft unerträgliche und wahrhafte terche d’zibure. Und so gehen ins Unendliche und Unsinnige die frommer: Erpectorationen und seltsamen Ertravaganzen dieser heiligen Kleingötterschaar. Fragt mar: aber diese Unfehlbaren, inden: doch der Gottesdienst gar zu lange dauert, die Agenden desselben zu vielfältig'und zumeist unzeitgemäß sind, warum sie bei sich selber nicht den Anfang «rachen rnit dem Auftänmen, da doch das gewiß zeitraubende und laute l’maan jirbu sagen, wie nicht minder das unverzeihlich willkührliche auf sich Wartenlassen bei der täglichen t’filah und der von ihnen usurpirte, als Knallefsect an: Schlüsse einer jeden Predigt annectirte Priestersegen die so oft und laut arrgefochtene gottesdienstliche Dauer nicht verringern, vielnrehr die Geduld und das Zuwarten der dadurch gefolterten Beter mißbrauchen. Es ist zwar wahr, daß diese Herren nicht wie die Borbcter nachbeten, da sie doch nur dem jüdischen Laien etwas vormachen, was doch nicht einerlei sein kann. Jüngstens erst wetzte der Herr Rab. Morgenstern in Marczali seinen gelehrten Scharftinn an einer Stelle des bekannten Hymens: uÄlase elohenu, und bemerkt hiezu mit schweißtriefendem Gelehrteneiser, daß dvrv gea kachagobim l’mulo eine Profanation der göttli-. chen Eigenschaften involvire, weßwegen dieser gefährliche Satz, danut das fromme Gennith des Beters nicht ferner verletzt (?) werde, zu streichen sei. Der gewiß nicht weniger nonnne, als Herr R. Morgenstern, und gottbegeisterte Paitan wollte ohne Zweifel nicht mehr und nicht weniger in der eben citirten und vom R. Morgenstern beanstandeten Metapher u. z. ganz einfach und in der naivsten Weise das Kleine, Verschwindende und Unmächtige der dore gea, der Erdbewohner im Verbaltnisse zu Gott darthun. Derlei hyperbolische Ausdrücke um etwas Ungeheures zu bezeichnen, sind die gewöhnliche, bildliche Vorftellungs- und Ausdrucksweise in der ■ I D U?.;•) f ■a , i r\ j - i :A

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