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Der Israelit · 1871-02-22 · Heft 8 (22.2.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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149 Feuilleton. KLbrrer. Tin, In der Heirnath. Der Sabbat, an welchem die Nachricht von den Ereignissen in und um Sedan nach Deutschland kam, gestaltete sich zu einem Fest- und Iubeltage für das gesammte deutsche Vaterland. Nur bei Denjenigen, welche Söhne und Brüder bei dem kämpfenden Heere Latten, mischte sich ein Gefühl banger Besorgniß in die freudige Begeisterung. „Wenn nur unser Gabriel der mörderischen Schlacht entgangen," sagte der alte Herr Burgwald, als er mit Frau und Kindern beim Ausgange des Sabbats durch die Straßen zog, um die Illumination zu sehen. — „Wmn wir nur erst Brief.hätten!" antwortete Frau Burgwald, sich die ThrLnen trocknend. M D Die Stadt war festlicherleuchtet; an einem Hause in der Schmiedestraße waren vier schwarze Trauerfahnen aufgehängt; stumm zog die Menge vorüber; es war bekannt, daß der Besitzer des Hauses vier Söhne in den Kämpfen von Weißenburg und Wörth verloren hatte. g. gj Frau Burgwald fing laut an zu weinen, als sie die schwarzen Fahnen erblickte. „Wenn unser Gabriel nur gesund ist!" rief sie wehklagend. Auf einem großen, freien Platze war eine Tribüne errichtet; der Abgeordnete der Stadt hielt eine patriotische Rede; er pries die große, glorreiche Zeit, welche die Einheit des deutschen Vaterlandes geboren, er pries die gefallenen Helden, die ihr Blut für die große Sache des Vaterlandes vergossen, er pries die Eltern und Geschwister derselben glücklich. „Elsaß und Lothringen," schloß er seine Rede, „die geraubten Kinder, kehren zur Mutter Germania zurück, hoch das deutsche Vaterland, hoch unser siegreicher Heldenkönig, hoch unsere tapfere Armee!" Endloser Jubel erscholl; aber Frau Burgwald seufzte. „Wenn ich nur erst Brief von meinem Gabriel hätte!" flüsterte sie wehmüthig in den allgemeinen Jubel hinein. Ach, wie manches Mutterherz theilte diese Wehmuth! Nach langer, langer Erwartung langten die Briefe von der Armee an, in das eine Haus Jubel, in das andere bittern Schmerz, in ein drittes bange Sorge tragend. Für die Familie Burgwald kam kein Brief. Frau Burgwald wollte schier verzweifeln. Sie lies von Haus zu Haus, die angekommenen Briefe und Postkarten lesend, um vielleicht eine auf ihren Sohn bezügliche Nachricht zu finden; aber die Briefe und Karten, unmittelbar nach den Schlachttagen geschrieben, waren sehr kurz und versprachen nächstens weitere Mittheilung. „Mein Sohn ist todt oder verwundet!" rief die unglückliche Frau, „er hätte sonst gewiß geschrieben." Jetzt machte sich der Vater auf den Weg, um Nachrichten von seinem Sohne zu suchen. Freudestrahlend kehrte er zu den Seinen zurück. „Weißt Du, Sara." rief er der Gattin entgegen, „alle Briefe und Karlen tragen den Poststempel vom 3. September; am 3. aber war Sabbat, und Gabriel schreibt am Sabbat nicht. Warte nur, morgen bekommen auch wir Brief!" Aber der Abend brach heran und der Morgen folgte, und es kam kein Brief, und auch der dann folgende Tag verlief ohne Nachricht zu bringen. Am Abend saß die Familie beisammen. Die Mutter weinte still vor sich hin; der Vater hatte ein hebräisches Buch vor sich, aber seine Gedanken flogen nach Frankreich, dem Sohne zu, von dem keine Nachricht gekommen. Die jüngeren Geschwister Gabriels wagten nicht zu sprechen, denn die Eltern waren jedem Trostesworte unzugänglich. Da wurde die Thüre geöffnet, und ein Herr trat mit zwei Damen ein. „Habe ich die Ehre, Herrn Burgwalv zu sprechen?" fragte der Fremde. ,,„Die Ehre ist für mich,"" antwortete Herr Burgwald. „Ich habe Ihnen Brief und Grüße von Ihrem Herrn Sohn zu überbringen!" „„Von meinem Sohn? Wann haben Sie ihn gesprochen, vor oder nach der Schlacht bei Seban?"" „Nach der Schlacht! Er ist gesund und wohl; hier ist sein Brief!" Da erhob sich der alte Burgwald und blickte zum Himmel empor. „Gelobt seist Du," sagte er feierlich, „Ewiger, unser Gott, der Du gütig bist und Gutes erzeigst!" Frau Burgwald weinte laut;, aber es waren Thränen der Freude, die sie vergoß. Jetzt nahm Herr Burgwald Gabriels Brief und öffnete ihn; wahrend er feine Brille zurechtschob, um den Brief zu lesen, rückte Emma, Gabriels Schwester, Stühle herbei und lud die Fremden zum Sitzen ein. Plötzlich sprang Herr Burgwald auf. „Wie," rief er, „Sie sind Herr Windsheimer aus Paris, der Lebensretter meines Sohnes? Und Sie sind Frau Windsheimer, die stets so mütterlich für meinen Gabriel sorgte, und Sie sind Fräulein Philippine, der sein ganzes Herz gehört?" Die freudigste Aufregung folgte diesen Worten. Alle Mitglieder der Familie Burgwald bemühten sich.

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