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Der Israelit · 1871-02-22 · Heft 8 (22.2.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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148 -lieb daher nichts Anderes übrig, als vorläufig ein provisorisches Rabbinat zu errichten. Da Herr S. K^ermd dieses Amt niederlegte, wurde es Herrn Adler übertragen, der seit vielen Jahren den Religionsunterricht in den hiesigen Mittelschulen zur Zufriedenheit Aller ertheilt. Herr Adler nahm in seiner allbekannten Bescheidenheit das Amt erst nach wiederholtem Ansuchen von Seiten des Vorstandes an. Was seine Leistungen betrifft, so ertheilt er den Mittelschülern allwöchentlich in 16 Stunden den Religionsunterricht, außerdem hält er allsabbathlich eine Exhorte. Gelegenheitsreden hält er, so oft er darum angegangen wird, zur allgemeinen Zufriedenheit. Sein reiner, makelloser Charakter brachte ihm die allseitige Achtung und Liebe von Seiten der hiesigen Gemeinde. Wenn es Etwas in Prag zu beklagen gibt, so ist es der Verlust, den die hiesige jüd. Gemeinde seit Kurzem an hervorragenden Männern erlitten hat. Drei Männer von großem wissenschaftlichem Ruse sind ihr seit einigen Monaten durch den Tod entrissen worden: Prof. Wessely, vr. Rosenbach und der erst gestern zu Grabe getragene Dr. Lowositz, sämmtlich Männer von anerkannter umfassender Gelehrsamkeit und echt jüdichsem Geiste. jnatn ^n! Zum Schlüsse wollen wir auch etwas Erfreuliches über den hiesigen „Asike Jehuda" Verein mittheilen. Am jüngsten Sabbath-Abend, den 4. Febr., hielt Herr vr. Samuel Back aus Ungarn im Saale der hiesigen Handelsakademie vor einem zahlreichen intelligenten Publikum einen höchst interessanten Bortrag über „Schammai." In schwungvoller wahrhaft klassischer Sprache entfaltete er einen Wissensreichthum und eine Gedankenfülle, daß alle Hörer ihm den wohlverdienten reichsten Beifall zollten. Der Vortrag war in Form und Inhalt so meisterhaft abgerundet, daß es nicht angemessen wäre, Einzelnes daraus herauszugreiseu. Wie wir hören, gedenkt Herr Dr.Back den Vortrag der Oessentlichkeit zu übergeben, was ein schöner und wichtiger Beitrag znr Tanaim-Literatur wäre. F. (Wir haben dem vorstehenden Aufsatze hier Raum gegeben, um dem audiatur et altera pars gerecht zu werden; allein wir müssen zu unserm tiefen Bedauern gestehen, baß diese Darstellung uns sehr wenig beftüetygt. Prag, einst cw ist leider in religiöser und jüdisch-wissenschaftlicher Beziehung sehr tief gesunken. Man konnte den tiefen Fall schon vor 20 Jcchren vor Augen sehen; schon damals waren vom alten, weltberühmten Prag nur noch Ruinen vorhanden. Erzählte man doch ein treffendes bon mot von R. Mordechai Benet^p"im: „Ja," sagte er in.Bezug auf Prag, „der Garden ist gut, aber der Gärtner fehlt." Seit dem Hinscheiden des mirva jnu fehlt in Prag der Gärtner, und die Verwilderung, Zerstörung und der völlige Ruin des) Gartens sind die Folgen davon. Vieles fällt dem Zeitgeiste zur Last, aber nicht Alles. Herr Adler, wie man uns mittheilt, derselbe, den wir vor 20 Jahren in Prag lieben und schätzen lernten, ist sicherlich ein sehr ehrenwerther Mann — allein, das Provisorium ist es, das seit fast einem Jahrhundert schwer auf Prag lastet. Seit dem Heimgange des '“nnu j?t,j hat Prag keinen Oberrabbiner gehabt, denn auch der sel. Rappoport war dies nur während seiner letzten Lebenszeit. Was ist in Prag zur Hebung, zur Erhaltung unserer heiligen Thora, zur Heranbildung der Jugend mint) nT3^i geschehen? Nichts, rein gar nichts. Als der Herausgeber dieser Blätter in Prag studirte, befand sich dort eine jüdische Normalschule, die von Hunderten von jüdischen Kindern besucht wurde, an welcher der Unterricht im Hebräischen prinzipiell ausgeschlossen war!!! Eine Schule, in der Hebräisch unterrichtet wurde, gab es unseres Wissens überhaupt nicht. Arme Gymnasiasten, Techniker, Studenten lehrten privatim die Kinder hebräisch lesen! Und doch war damals Prag im Ganzen und Großen eine streng religiöse Gemeinde. Die vielen Synagogen waren Morgens und Abends auch an Wochentagen gefüllt, und kein Jude durfte es wagen, am Sabbat d * die Josephstadt (Judenstadt) mit brennender^Cra zu gehen; auch gab es noch viele großr L iDib und den Gemeindegliedern, von denen leider jetzt, der größte Theil abberufen ist in ein anderes Dasein. Und was ist seitdem aus Prag in religiöser Md religiös-wissenschaftlicher Beziehung geworden?! O, Ihr Männer Prags, die Ihr Sinn habt für die große Vergangenheit Eurer Vaterstadt, sorget für die Zukunft derselben! Weil Ihr keinen Rabbiner finden könnt, der Euch groß genug erscheint, wollt Ihr lieber gar keinen? Was hattet Ihr an Frankel gehabt? Einen berühmten Namen. Ihr braucht aber eine energische Kraft, die Schulen für Eure Kinder gründet, die Eure religiöse Zukunft sichert, die unter Gottes Beistände das Thorastudium wieder belebt und befördert. Wenn Ihr in reiner, edler Absicht sucht, so werdet Ihr schon finden, pawi vinsöi ’npj’. Daß der Herr Einsender obigen Artikels in Prag nichts Anderes zu beklagen weiß als das Hinscheiden frommer gelehrter Männer, bekundet einen Optimismus, der ihn unfähig macht, die Schäden der Gemeinde zu erkennen. Wehe dem Kranken, der sich für gesund hält! Wir aber wollen zu Gott beten 'i u’Nsn! Die Redaction.) Peffh. In Palanke (Batscher Comitat) wurde ein Jude zum Ortsrichter gewählt. (Pesth. jüd. Zeit.)

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