Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1871)
- Date
- 1871-02-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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147 Jungen veranstaltet, doch geht imVerhältmß zur Zahl Jer Gemeindemitglieder nur sehr wenig Geld ein; eS «kann daher die Vertheilung des Brennmaterials nicht »in dem Maße ausgeführt werden, wie es besonders »bei solch strenger Kälte, wie die diesjährige, nöthig ■fein würde. Die Ursache davon ist einfach die, daß »sich die Reichen, mit wenigen löblichen Ausnahmen, »ihrem Reichthume gemäß mit nur sehr geringen Sum- Imen betheiligen, so daß die Unterstützung nur dem »Mittelstände überlassen bleibt. Dieser aber gibt oft lüber seine Kräfte. Anders würde es sich gestalten, »wenn die Namen der Geber und die Zahl der »Spenden öffentlich bekannt gemacht würden. I Dem Füselier Georg Sonnenthal vom 58. I Pos. Regiment ist das eiserne Kreuz für bewiesene! Bravour ertheilt worden. Oesterreichisch-Ungarifche Monarchie. I Wien,, 7. Febr. In der vorgestern abgehaltenen öffentlichen Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde war die Einführung der Orgel in den jüdischen Gottesdienst Gegenstand der Berathung. Nachdem der Vorsitzende, Herr Jonas Aitter v. KönigSwarter, die Sitzung eröffnet, refenrte der. Obmann der Sektion für Bethausangelegenheiten, Herr Brandeis. Die Sektion hat die Frage, ob bezüglich der Einführung der Orgel die Gemeindemitglieder befragt werden sollen, mit acht gegen eine Stimme verneint, und beantragt die Adoptirung des von der Leipziger Synode in der Orgelfrage gefaßten Beschlusses, welcher dahin lautet: Die Einführung der Orgel ist empfehlenSwerth, gegen dieselbe sprechen keine religiösen Satzungen oder Bedenken!!! Es entspann sich nun eine längere Debatte über die Opportunität und die Modalitäten der Einführung der Orgel und insbesondere darüber, ob der Vorstand einen blos principiellen Beschluß fassen, mit der faktischen Einführung der Orgel aber so lange warten solle, bis eine entsprechende Zahl von Gemeindegliedern in präzis ausgesprochener Weise sie verlangen wird. Schließlich wurde der erste Theil des Beschlusses der Leipziger Synode votirt, nämlich daß die Einführung der Orgel empfehlenSwerth sei. Daß dieser Einführung keine religiösen Satzungen oder Bedenken entgegenstehen, darüber sprach sich der Vorstand nicht aus, ungeachtet der Einwendung eines Mitgliedes, daß man sich auch diesfalls klar sein müsse, wenn mqn die Einführung der Orgel für empfehlenSwerth erkläre. Die Besprechung über den zweiten Theil des Beschlusses der Leipziger Synode wurde sonach einer späteren Zeit Vorbehalten und die BethauS-Section beauftragt, in einer der nächsten Sitzungen weitere Anträge über die Opportunität und den Moduö der Einführung der Orgel vorzulegen, wobei selbstverständlich den Gemeindemitgliedern das Petitionsrecht in dieser Frage unbenommen bleibt. — Die Reform der Gebete kam nicht zur Sprache, auch verlautete nichts, daß eine diesfällige Eingabe der Orthodoxen an den Vorstand bereits gelangt wäre. (Fremdenbl.) Wien. Der Mediziner Adolf W., Sohn eines geachteten Rabbiners in Siebenbürgen, war seit zwei Monaten mit der Tochter eines in der inneren Stadt etablirten Kaufmanns verlobt. Für den 19. Februar l. I. war die Hochzeit bestimmt, welche nun durch einen sehr unliebsamen Vorfall unterbleiben muß. Der Herr Bräutigam erklärte nämlich kurz nach der Verlobung, keine Lust zum Studiren zu haben und sich dem Handelsstande widmen zu wollen. Der Vater des Mädchens hatte nichts dagegen und versprach seinem Schwiegersöhne in spe zu seinem Vorhaben behilflich zu sein, war auch einverstanden, als ihn W. bat, ihm zu diesem Zwecke die Mitgift von 4000 fl. einige Ta'e vor der Hochzeit zu geben, damit er bereits selbstständig sei, wenn er mit seiner Braut vor den Altar trete. Vor acht Tagen händigte ihm der Kaufmann das Geld ein. Es vergingen zwei, drei Tage, ohne daß der Bräutigam sich sehen ließ. Man staunte zwar darüber, doch erklärte man schließlich das längere Ausbleiben durch die vielen Geschäfte, die dem jungen Manne nun oblagen. Am Donnerstag schickte man um Auskunft in seine Wohnung, wo man die wenig erfreuliche Nachricht hörte, daß Herr W. plötzlich ausgezogen und gesagt, er beziehe eine größere Wohnung. Die Familie des Kaufmannes befand sich durch das Vernommene in peinlichster Ungewißheit, bis endlich aus Siebenbürgen ein Telegramm des Herrn W. son. einlief, das den Sachverhalt aufklärte. Es lautete: „Sohn Adolf beging eine Schlechtigkeit, telegraphirt, daß nach Amerika abgereist. Keine gerichtlichen Schritte, ersetze Alles." Prag, im Februar. In Nr. 4 des „Israelit" findet sich ein Bericht aus Prag, der die Verhältnisse der hiesigen jüdischen Gemeinde in einem derartigen Lichte darstellt, daß wir uns im Interesse der Wahrheit verpflichtet fühlen, den Lesern Ihrer gesch. Zeitschrift in Folgendem ein treues Bild der hiesigen Gemeindezustände zu geben. Nach dem Tode des unvergeßlichen Rappaport wollte die hiesige Gemeinde einen Oberrabbiner definitiv anstellen. Es versteht sich von selbst, daß der Anzuftellende umfassendes talmudisches Wissen mit klassischer Bildung hätte verbinden müssen. Man richtete daher in erster Linie das Augenmerk auf vr. Z. Frankel, welcher aber ablehnte. Dasselbe wäre von Hirsch in F. a. M. zu erwarten gewesen. Low in Szegedin ist wegen seiner reformatvrischen Richttng für das hiesige Rabbinat nicht geeignet. Es