Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1871)
- Date
- 1871-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Wir scheiden von Herrn vr. G. mit sittlicher Entrüstung. Ein Mann, der die Stirne hat, sich Rabbiner zu nennen, wagt es, der Ankläger seinerAhnen zu sein, übernimmt es, das Judenthum und feine Lehre lächerlich zu machen, und findet in Berlin Zuhörer!! Das ist stark. Crefeld. Obgleich sonst ein Freund des Breslauer Seminars, und ein eifriger Leser seines Organs „der israel. Wachenschrift", kann ich doch nicht umhin, über einen Artikel aus Magdeburg, der in Nummer 4 .des genannten Blattes gestanden, mich tadelnd auszusprechrm. Ich habe bis heute mit meiner Entgegnung gewartet, weil ich geglaubt, daß der „Israelit" eine solche bringen werde, und scheint es, da dies nicht geschehen, daß dieser Artikel von der Redaction d. Bl. übersehen worden sei. Daselbst schreibt ein vr. M. R. über die jüdischen Kriegsgefangenen in Magdeburg und unter anderm auch, daß er ihnen hebräischen Psalmenexemplare, die ihm die hritischeBtbelgesellschaft auf sein Ansuchen in größe Anzahl zu Gebote stellte, zugestellt habe. Weiter unten fährt der Correspondent wörtlich fort: „Die obengenannte britische Bibelgesellschaft läßt durch die Geistlichen den Wittwen und Eltern der in diesem Kriege Gefallenen ein Pracht-Exemplar des neuen Testaments zum „ Andenken" überreichen. Ich habe mich, da ich Kunde davon erhielt, an den Direttor der Gesellschaft mit dem Ansuchen gewandt, den Angehörigen der gefallenen jüdischen Soldaten ein hebräisches Exemplar des alten Testaments zukommen zu lasten. Derselbe hat bereitwilligst mir dann auch drei solche Exemplare für Wittwen und Eltern gefallener jüdischer Soldaten in meinem Sprengel übersandt. „Ich theile meinen College» die Adresse des Directors der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft mit: Rev. Palmer Davies, Berlin, Wilhelmstraße 33, und bemerke zugleich, daß bei Bestellungen Namen, Wohnort, Ort und Tag des Todes des Gefallenen, sowie nährere Bezeichnung der Hinterbliebenen, ob Eltern, Wittwen u. a. anzugeben ist." Also mit der britischen Bibelgesellschaft, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht, die Juden zum Christenthume zu bekehren, geht vr. M. R. Hand in Hand und die Redaction der „isr. Wochenschrift" veröffentlicht die Corresp. ohne Bemerkung? Glauben denn die Herren, die britische Bibelgesellschaft handelt bei Vertheilung ihrer Bibeln ganz und gar uneigennützig und besonders den Juden gegenüber? Und weßhalb hatte es vr. M. R. nöthig an obengenannte christliche Gesellschaft sich zu wenden? Gibt es ja zwei Bibelanstalten (die orthodoxe und die von Philipson gegründete,) und beide hätten gewiß, wenn vr. M. R. sie darum ersucht hätte, die verlangten Exemplare umsonst verabfolgt. Posen, im Schekat. Es hat dem Allmächtigen gefallen, Frau Beate Ple ß ner, die edle, fromme Gattin des berühmten Rabbi Salomon Pleßner in ein besseres Jenseits abzurufen 43 Jahre lang stand sie ihrem ebenso gelehrten wie gotteSfürchtigen Gatten zur Seite. Die Theilnahme beim Leichenbegängnisse war eine ungemein große. Was die Heimgegangene ihrem Manne, ihren Kindern und namentlich den Armen gewesen, ist unsagbar. Die Wunde ist für Alle, die sie kannten, eine tief schmerzliche. .-y'D'V'y'n. Schneideruühl, 8. Febr. (Privat-Mitth.) Nach einer der letzten Verfügungen des CultusministerS ist es gestattet, daß an jüdischen Schulen auch jüdische Geistliche, die sich zur Uebernahme einer Lokal-Schul- Jnspection qualificiren, fungiren dürfen. Laut Verfügung der königlichen Regierung zu Bromberg ist der Herr Rabbiner Brann zum Localschulinspector der hiesigen jüdischen Schule ernannt, und derselbe am 6. d. M. durch den königl. Landrath feierlich in sein Amt eingesührt worden. Es ist dieses der -»weite Fall in Preußen. Dresden, im Februar. dieses Monats verstarb in einem Lazare^ gefangener Mobilgardist, Benjamin Drei' j dem Elsässtschen, an einem Brustleiden. Dcrse^e wurde auf dem hiesigen israel. Friedhofe, getragen von 12 ebenfalls gefangenen Franzosen jüd. Glaubens, feierlichst beerdigt. Herr Oberrabbiner Vr. Landau hielt in französischer Sprache die Grabrede und erwähnte das selbst im Kriegsdienst von dem Verblichenen treu gehaltene jüd. Gesetz. Ein Cousin des D. sagte ihm Kaddisch nach. Dresden, im Februar. Der israel. Gemeinderath hat sich durch die alljährlich ausscheidenden Mitglieder desselben wieder nach stattgehabter Neuwahl neu constituirt, und haben die Neu- resp. Wiedergewählten nur eine ganz kleine Stkrr menzahl erlangt. Einigkeit wird wohl im Schooße dieses Körpers stets herrschen, da verwandtschaftliche Bande und enge Freundschaft jede Opposition fern halten werden; daher kann am Ruin des alt religiösen Judenthums flott fortgearbeitet werden. Die Einführung der Orgel hat, wie schon früher erwähnt, den Geldbeutel der Gemeindeglieder gehörig in Anspruch genommen; der Besuch der Synagoge ist dadurch nicht im Geringsten gehoben worden. Wie alljährlich, fand auch dieses Jahr einigemal Holz- und Kohlenvertheilung statt; eine sehr löbliche Sitte. Es werden dahier zu diesem Zwecke Samm-