Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1871)
- Date
- 1871-02-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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137 „unstreitig die von ihnen recipirte Vorschrift übertreten haben würden," u. dgl. nt., kann uns bei der drastischen Darstellungsweise dieser „historischen" Schule nicht wundern. Das Ganze erscheint Jedem, selbstverständlich, sehr bedenklich und von einer Schule, die in neuerer Zeit so conservativ sein wlll, noch viel bedenklicher. Ob diese talmudische Kritik schon Antecedentien in dieser Monatsschrift hatte, weiß ich nicht, ich erhielt dieselbe nur zufällig. Folgen wir dem Verfasser Schritt für Schritt und untersuchen wir, welche Ueberzeugungskraft seiner Beweisführung innewohnt. Abod. Sar. 26, a, b, findet sich folgende Stelle: vfy npi noru »yrn onan pnr 'n '’Dp ntax #t xjn pnio fnoiorn 'niDD.it t'^'O.i vax jnniD xdi p^yo ptyD xt>i. Der Talmud knüpft daran in seiner Weise die dialektische DiScusfion und folgert daraus seine maßgebenden Schlüsse, die auch getreu in Maim. und Sch. Ar. paragraphirt sind. Es ist nun vollständig gestattet, daran auch unsererseits rite dialektische Fragen, Untersuchungen und Diskussionen zu schließen, wie dies ja bekanntlich die eigentliche Jnterpretationsweise der nachtalmudischen Forschung ist. Das Eindringen in den tieferen Hintergrund talmudischer Abhandlungen war nicht nur niemals vergönnt, sondern bildete so recht eigentlich die Prärogative gerade der kühnen rabbinischen Größen. Hier aber tritt uns eine ganz neue, auf dem Boden des Talmuds sich befinden! wollende Art entgegen, bestehend ganz einfach in der i Abrogation der Quelle. „Diese Boraita ist entschief ben von babylonischen Amoras verkannt und gemißj deutet worden. Drei oder vier Amoras versuchten; diesen scheinbaren Widerspruch zu lösen und alle drei 'haben den einfachen Sinn verdunkelt.... Diese vermehrte Lösung eines Widerspruchs, der keiner ist, wurde } dann, da er einmal im Talmud sich befindet, von \ Maimoni und den Späteren codifieirt. Keiner der ■5 Commentatoren und Codificatoren hatten etwas dage-; gen zu bemerken, nicht aus menschenfeindlicher Gestn- 1 nung — sie würden bei praktischen Vorkommnissen j unstreitig übertreten haben, — sondern aus Autori- ] täts Vergötterung avzog iy>ä der Talmud, oder richi tiger... drei oder vier Amoras haben... den Sinn so ] ausgelegt." Und so gehtö in dieser merkwürdigen f Dissertation dieser „conseroativen" Schule in unzähligen Variationen weiter. Tos. z. St. seien beinahe schon „durch kritischen Tact" zu dieser Emancipation von talmudischer Deutung gekommen; sie moniren das Auffallende, daß Hirten, deren Glaubwürdigkeit ja; nur rabbinisch angezweifelt wird, und denen ja bei Todesnachrichten eines gestorbenen Gatten *) sogar *) Nicht: „Ehesachen," wie Grätz allerdings sehr wörtlich ocff nnv übersetzt. Vergl. Eb. Haes. 42, 5. Zutrauen geschenkt wird, verpönter als eigentliche Räuber seien? „Die Ausgleichung erscheint sehr gekünstelt" cevrog i(pa. In der That aber ist diese nichts weniger als gekünstelt, sondern ganz im talmubischen Geiste, daß man nämlich eben den nur weniger Gravirten und viel eher Besserungsfähigen ein heilsames Schreckmittel geboten, wozu aber unsere Weisen unzweifelhaft die Machtvollkommenheit besitzen S. Jebamoth 90b. Aber selbst wenn diese Ausgleichung als pnn erscheinen sollte, es braucht ja nicht die einzige zu bleiben, ltyjj xt> nawn nytv, das ist ja eben die Thätigkeit des 'poisi D"tca p'y. „Aber Mischna und Boraita hatten keine Ahnung von der verkehrten Deutungsart der drei babylonischen Amoraim." Diese leichtfertige Behauptung ist zunächst durch eine DiScussion an Ort und Stelle, die wohl Dr. G. übersehen (?) haben muß, zu refuliren, wodurch zugleich die Richtigkeit der Auffassung der „drei bis vier Amoraim" konstatirt wird. Die Boraita wurde nämlich, wie Gr. richtig eitirt, von nnx '"> dem pro» 'i (Ersterer in Caesarea, Letzterer Redigent des jerusalemitischen Talmud, beide also jerusalemitische, nicht babylonische Amoraim) vorgetragen. „Ich tradire ja, daß man ben Renegaten das Verlorene wiedergiebt, und du sagst — man läßt ihn nicht im Amte zu? Nicht wahr? das wäre eine lächerliche Schwierigkeit, - man ist gleichgültig in Bezug auf seine Lebensrettung?" Ja, das ist allerdings ein Widerspruch (cf. Tos. Schlgw. »jx). Es haben also wenigstens die ersten Referenten des Boraita, es hat also „der humanste und mildeste Amora seiner Zeit, der seine Tochter im Griechischen unterrichten ließ," den von den späteren Amoraim eingehaltenen Ideengang sanclionirt, es haben die jerusalemitische» Amoraim dieselbe ganz im Sinne und Geiste der „drei bis vier" Babylonier aufgefaßt, was uns schon genügt. Vergl. übrigens über die Anwendung des bekannten Gefühlsinterpretirens dieser Schule bei vorliegendem Fall Sanhedrin 39 und Abod. Sar. 4, wo gerade dieser „mildeste Amora seiner Zeit" sich in herausfordernden, höhnenden Satyren gegen Abtrünnige erging. „Auch Gewissenhafte haben sich über das Verbot, Kleinvieh zu halten, weggesetzt. Beweis: Tosiste Baba Kamma 7, Babli das. p. 80a, Jerus. Sota 24. pyotp 'i "idx .. . . D"in no ’JDD X3X n’3 M 3"y"3"D nw npi nona M-änt man nicht, das sei alles baare Münze?. Und doch ist das Citat tendenziös zu gestutzt, indem nämlich die Worte p»“wia pyio'»n sowie o.i'nav -jidd pt£nin DnV v"y"x"i weggelassen, die aber, wie Raschi z. St. nachweist, zum geraden Gegentheile führen, da das Weiden in pBrrn nicht verboten. *) Viel eclatanter erscheint das Alles *) Uebrigens braucht selbst das tendenziös täuschende Citat nicht die „Gewissenhaften" (pri im Auge zu