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Der Israelit · 1871-02-15 · Heft 7 (15.2.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 7 (15.2.1871)
Date
1871-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 7 des Israelit. AeitungÄnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 9. Febr. Es wird gewiß unfern geehrten Lesern zur Befriedigung gereichen, wenn wir ihnen mittheilen, daß wir heute bereits wieder 1502 fl. für die Armen, Nothleidenden rc. im heil. Lande nach Amsterdam geschickt haben. Die Summe der von uns in diesem Jahre für obigen Zweck gesammelten und übermittelten Spenden beträgt nunmehr 7666 fl. 42 kr. — Aus den in dieser Nummer veröffentlichten Mittheilungen der Zeitschrift „Habazeleth" ersehen die geehrten Leser, daß die Noth leider einen furchtbaren Grad erreicht hat; auch liegen uns mehrere vom N o r ddeutschen General-Consu late zuJerusalem ausgefertigte Schriftstücke vor, durch welche die von uns bereits gebrachten Schilderungen des Nothzustandes im heil. Lande bestätigt werden. Mögen mit dem Eintritte des so heißersehnten Friedens auch die Gaben für unsere darbenden Glaubensgenossen im Lande der Väter recht reichlich fließen! Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 5. Febr. Am 28. v. M. wurde, wie bereits mitgetheilt, in der Versammlung der hiesigen orthodoxen Israeliten beschlossen, einen energischen Protest gegen die vom hiesigen Vorstand beabsichtigten Neuerungen im Gottesdienste, wie Einführung der Orgel, Streichung der auf die Rückkehr nach Palästina bezüglichen Gebete, einzulegen, der Protest wurde niedergeschrieben und gleich mit mehr als 600 Unterschriften versehen. Gestern Abends veranstalteten die hiesigen Orthodoxen eine zweite Versammlung in dem hellerleuchteten Bethause der großen Schiffsgasse, um über den in der vorigen Versammlung vorgelegten Protest zu debattiren. Nachdem der BethauSvorsteher Herr I. L. Freist ad tel die Versammlung mit einer kurzen Ansprache eröffnet und einige Aenderungen deS Protestes vorgeschlagen, betrat unter allgemeiner Spannung Herr Rabbiner Spitzer die Kanzel. Der wesentliche Inhalt seiner mit großem Beifalle aufgenommenen Ansprache war folgender: „Jeder, der sich nicht sehnt nach dem Erlöser iticd, nach der Wiedervereinigung in Jeruscholajim, hat sich von dem Judenthum losgesagt. Ein Grundpfeiler, welcher die Religion trägt, ohne den sie sich nicht halten könnte, ist der Glaube, die Hoffnung auf ri'ffD. Denn es ist ein Gotteswort und das muß eingelöft werden. Wenn Sie dieses GotteSwort streichen, warum sollen wir dann uns am Jom Kippur kasteien? Streichen Sie diesen Satz, dann streichen Sie die ganze Thora! (Beifall.) Es gibt da keinen Ausgleich, keine Mittelstraße. Wir stehen vor einer Alternative. Entweder hat Gott gesprochen oder nicht, hat er gesprochen, so müffen wir daran glauben. Nicht deshalb glauben wir an den Einig- Einzigen, weil philosophische Betrachtungen dazu geführt, es könnten ja andere Philosophen kommen, die etwas Anderes beweisen, sondern wir glauben an den einzigen Gott, weil geschrieben steht: bini^j/DBr -in« 'i! Wer keinen Glauben an die Ankunft des rpffD hat, der hat keinen jüdischen Glauben, der ist kein Bekenner der jüdischen Religion! Meine Herren! Ich brauche Sie nicht an das zu erinnern, was unsere Vorfahren durch Jahrhunderte lang gelitten, aber noch nie ist es einem Tyrannen eingefallen, unö die Hoffnung auf rriPD, auf die Rückkehr nach Jerusalem aus dem Herzen zu reißen! Männer aus unser Mitte kommen, um das zu thun, waS keinem Tyrannen des Mittelalters eingefallen wäre! „Ich bitte, ich beschwöre Sie, seien Sie vorsichtig mit der Steuerverweigerung, mit dem Protest, sonst arbeiten Sie den religionsstörenden Demagogen in die Hände und könnten eine Spaltung herbeiführen. Ich stelle den Antrag: Die heutige Versammlung wolle aussprechen, die Bethäuser mögen interveniren, indem sie sich bittend an den Vorstand der Cultusgemeinde wenden und ihn beschwören, behufs Erhaltung des Friedens und der Eintracht von der Durchführung der gefaßten Beschlüsse abzugehen." (Beifall.) Nun bestieg die Kanzel Herr Dr. MoritzFränkel, Hof- und Gerichtsadvokat. Er schließt sich principiell der Ausführung des Vorredners an, spricht stch aber gegen eine Bitte an den Vorstand aus, sondern verlangt unbedingt den Protest. „Der Jude", sagt Di. Fränkel, „wandert mit zwei Büchern durch die Welt, mit der Bibel in der einen, mit dem Sidur (Gebetbuch) in der andern Hand. Ich bestreite als Jurist die Kompetenz der Kultusgemeinde den „Sidur" zu ändern. Es ist in einem Blatte gesagt worden, daß das vorige Mal 600 bornirte Menschen aus allen Ecken und Enden der Welt hier zusammengekommen sind. Das ist eine Lüge! Hier ist eben so viel Intelligenz und Steuerkraft, als auf der andern Seite. Die Zahl der Juden, die dem alten Judenthume ange hören, ist größer als diejenige, die dem sogenannten neuen Judenthume angehören. (Beifall.) Im weitern Verlaufe wirft Redner dem Vorstande der Cultusgemeinde vor, daß er den Tempel zu einem Saal mit gesperrten Sitzen machen wolle, verlangt von einer Synode die Reinhaltung des Judenthums von ftemden Beimengungen, wie z. B. da- Anzünden der Christbäume am Chanuka. Herr Rabbiner Spitzer empfiehlt nochmals seinen Antrag, man möge durch Selbstverleugnung und Demuth eine Spaltung zn verhindern suchen. Die Waffe des Protestes bleibe noch immer, wenn dies nicht fruchten würde. Der Antrag des Rabb. Spitzer wird mit großer Majorität angenommen. Indessen bedarf es

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