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Der Israelit · 1871-02-15 · Heft 7 (15.2.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 7 (15.2.1871)
Date
1871-02-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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123 I letzthin bei einer solchen Gelegenheit 300 fl. zu ver- | schiedenen WoblthätigkeitSanstalten.) Bei ärmeren | Vätern, die wahrscheinlich die Taxe für den Prediger | und Sulzer'schen tobt '0 nicht entrichten können, un- | terbleibt die Ansprache — die Sache bedarf keines [ CommentarS. Und nun ein anderes Beispiel von I Hintansetzung der ärmeren Classe, da wir schon einmal beim Thema der Trauungen sind. Gestern sollten 2 oder 3 Trauungen stattfinden und zwar waren da die Brautleute nicht sehr begütert, ein Paar wurde sogar gratis getraut — genug, alle konnten die Taxe weder für die 1. noch die 2. Classe entrichten. — Nun war aber die Witterung etwas kälter! und Herr vr. Jellinek fühlte sich unwohl. Er ließ daher in der gut geheizten Kanzlei der Chebra-Kadischah (in seiner Wohnung zu ebener Erde, neben dem Tempel, wo sonst die Braut bedeckt wird) eine nsin aus 4 Stangen improvisiren und die Trauung ging ganz einfach vor sich, obwohl man es an den Mienen der Betheiligten sehr wohl merkte, daß sie sich über diese ihnen widerfahrene Zurücksetzung sehr verletzt fühlten. Gewiß kann eS Herrn vr. Jellinek Niemand verargen, wenn er für die Kalte empfindlich und für fein liebes Ich so besorgt ist, doch sollte er, wenn er schon verhindert oder zu bequem ist, im Tempel zu trauen, durch einen RabbinatS - Assessor daselbst die Trauung vornehmen lassen, wie es sonst zu geschehen pflegt bei seiner Abwesenheit oder andern Hindernissen, und gewiß auch diesmal stattgefunden hätte, wenn nur die Partei eine reiche oder halbwegs vornehmere gewesen wäre. Warum soll dem armen Manne, der so wenige Freudentage im Leben hat, auch diese so wichtige und frohe Stunde vergällt werden und könnte man nicht vielmehr aus HumanitätSrücksichten allgemeine Gleichheit einführen? ni’-on m:» Zudem macht man diesen Leuten unnöthige Auslagen in Besorgung von Equipagen und Anschaffung theurer Kleider zur Trauung, was sie leicht hätten ersparen können, wenn sie zu Hanse in ihrer eigenen Wohnung wären getraut worden, wo, wie ich wenigstens glaube, dieselbe Weihe empfunden worden wäre, wenn der Act doch finmal nicht im Bethause abgehalten werden konnte. Zur Ergänzung der vor Kurzem in dieser Zeitung gebrachten Notiz von „einer Leah statt Rachel" theile ich Ihnen mit, daß der Ingenieur, mit dem die ältere Schwester entfloh, um nicht den Bachur heirathen zu müssen, sich hier befindet und bereits Anstalten trifft, sich in das Iudenthum aufnehmen zulasten. Wie». Ein wahrhaft toleranter und freisinniger Priester ist Vr. Prutek, Religionslehrer in Pension zu Teschen in Schlesien. Dieser stiftete Stipendien für mittellose Studirende ohne Unterschied der Confession. Bei Besetzung einer vacanten Stelle competirten in letzter Zeit zwei Israeliten und ein Christ, und der Lehrkörper des dortigen katholischen Gymnasiums entschied sich für den Katholiken, nicht weil er talentirter, fleißiger und würdiger gewesen wäre, sondern nur weil er eben Katholik war, waS den Stifter Vr. Prutek so empörte, daß er nunmehr den Stistbries ändern und das Besetzungsrecht der Stistplätze der Gemeinde übertragen will, indem ein solcher Vorgang feinen Begriffen von Gleichberechtigung aller Glaubensgenossenschaften geradezu widerstrebe. Wir«. Die auf Staatskosten dienenden einjährig-freiwilligen Mediciner erhalten ihre Löhnung in lOtägigen Zwischenräumen. Um eine möglichst einfache Manipulation zu ermöglichen, sind die Betreffenden in Gruppen eingetheilt, und zwar derart, daß allmonatlich Einer aus der Gruppe die zu fastenden Gelder erhält, welcher dann die auf die Einzelnen entfallenden Beträge denselben abzuliefern hat. Na» war auch einer der besagten Clique in einer Gruppe, für welche gerade ein Israelit das Geld zur Vertheilung erhielt. Doch der wackere Judenfresser erklärte offen, er wolle lieber kein Geld erhalten, als daffelbe aus den Händen eines Juden in Empfang nehmen. Und so geschah es auch. Den ganzen Monat hindurch ließ er das Geld in Händen des unglücklichen (!?) Juden, der es schließlich dem auszahlenden Hauptmann als herrenlos retournirte. Frankreich. Rouen, den 29. Januar. Ich kann Ihnen die freudige Mittheilung machen, daß Herr vr. Blumenstein aus Mannheim, dem die Seelsorge für die jüd. Soldaten der ersten Armee übertragen worden ist, uns dieser Tage einen Besuch abgestaltet hat. Derselbe besuchte jüdische Verwundete und Kranke in hiesigen Lazarethen, und spendete denselben Worte des Trostes und der Ermunterung. Seine Anwesenheit wurde von Seiten der jüd. Soldaten mit Freude begrüßt. Auf dessen Veranlassung wurde durch die hiesige Commandantur den jüd. Soldaten durch Parole der Befehl ertheilt, sich Sonnabend früh Sl/2 Uhr zu der in der hiesigen Synagoge abzuhaltenden Anda^ zu begeben. Die Synagoge, die sich von den hiesigen jüd. Einwohnern keines besonders starken Besuches erfreut, war an diesem Sonnabend bester besucht worden. Leider konnten wegen des Ausmarsches nicht alle Soldaten mosaischen Glaubens am Gottesdienst Antheil nehmen, und auch ich war durch eine im Lazareth vorgenommene Amputatton verhindert, demselben beizuwohnen. Ihr warmes Interesse für das Iudenthum gibt mir den Muth, mich mit der Bitte um Zusendungen Ihrer werthen Zeitschrift für das hiesige Lazareth an.

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