Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1871)
- Date
- 1871-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Capua 2× ep/1047865
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120 Aber, wenn auch das Land Israels wiederum ein Land würde, wo Milch und Honig fließt — die Herren möchten dennoch nicht dahin ziehen; denn, waS fehlt ihnen in der schönen Kaiserstadt? Und die ideale Seite der jüdischen Erlösungswünsche, für die haben sie gar kein Verstandniß! Im Gegentheile, wenn einmal der Krieg aushören würde auf Erden, wenn die Völker ihre Speere umschmieden zu Sicheln und ihre Schwerter zu Winzermessern — waö sollte da aus der Spekulation a 1a daiooe werden, und wenn es keine „Baisststen" mehr gäbe, so könnten ja auch die „Haussisten" nichts mehr verdienen. Nein, die Herren wollen mit keiner Lüge vor Gelt treten. Wenn denn dieses Streben nach Wahrheit die Herren Vorsteher und Repräsentanten der israel. Gemeinde von Capua (wir bitten um Verzeihung: „von Wien" wollten wir sagen*) in so hohem Grade beseelt, so müßten sie consequenter Weise die ganze Thora „abschaffen". Oder treten die Herren nicht mit einer Lüge vor Gori, wenn sie den Segen über die Thora sprechen, deren heiligste Gebote sie mißachten? Sie danken Gott für die „Lehre der Wahrheit", welche die Arbeit am Sabbat als ein todeswürdiges Verbrechen proclamirt und gehen nach Hause und rauchen Cigarren und schreiben und siegeln Briefe re.! Doch Geduld, es ist ja erst der Anfang, die Cvnsequenzen werden schon Nachfolgen und man wird schon allmählich dahin gelangen, die ganze Lehre unseres Gottes als mit dem herrschenden Zeitgeiste nicht mehr harmonirend „abzuschaffen". Da bedarf es nur des Zauberwortes: „Man darf mit keiner Lüge vor Gott treten!" — und fort mit Allem, was diesen winzigen Geistern als Lüge erscheint: die Schöpfung — eine kosmogenetische Sage, man darf sie nicht erwähnen; die Aksdah — ein Ammenmährchen, fort mit ihr; die Wiederbelebung der Todten, die Unsterblichkeit — ein Wahn, hinweg damit; der Auszug aus Aegypten, die Offenbarung am Sinai — Sagen, Legenden! Die Speisegesetze, die Ehegesetze — wer beachtet sie noch? und man darf mit keiner Lüge vor Gott treten. Und Herr Szanto in der „Neuzeit" klatscht Beifall — mein Liebchen, was willst du noch mehr? O, ihr Verblendeten! wenn euch die Entrüstung und der Schmerz der Gottessürchtigen in Israel nicht zur Besinnung führen kann, so sollte doch wenigstens der Beifall des Schalksnarren das zu vollbringen im Stande sein. Seht, wohin ihr gerathen seid! Herr Szanto erklärt in Nr. 5 der „Neuzeit", daß ihr seine volle Zustimmung habt, daß er von nun an und wei- *) Wien heißt bekanntlich „das Capua der Geister"; denn wie in Capua einst Hannwals Heer durch Verweichlichung zu Grunde ging, so wirken die materiellen Genüsse in Wien auf alles geistige Leben verderblich ein. Durck ter aufhören wird, gegen euch Opposition zu machen! Nun denn, ihr Herren Vorsteher und Repräsentanten der iSr. Gemeinde zu Wien — seid ihr dow im bürgerlichen und socialen Leben Ehrenmänner — die Hand auf's Herz, muß euch ein solches Beifallklatschen nicht irre machen? Predigt doch dieser Szanto seit Jahren den abscheulichsten Nihilismus, sucht er doch die Lehre unseres Gottes fortwährend zu stch in den Staub zu ziehen — und ihr, ihr Kuranda, Kompert, Goldschmidt, Brandeis rc. habt euch zu Spießgesellen eines Szanto entwürdigt? Bedenket doch, was ihr gethan! Wie schlecht, wie verwerflich muß es sein, da euch von solcher Seite Beifall geklatscht wird! _ rrpWn ’3w , o kehre zurück, kehre zurück SulamithNehmet eure unheilvollen Beschlüsse zurück dann werden euch die Szanto's und Consor- .en der Lüge, der Unsittlichkeit, der Feigheit u. s. w. Leihen und dann werdet ihr wissen, daß ihr auf dem rechten Wege seid. Fühlt ihr euch aber wohl und behaglich in der Gesellschaft eines Szanto und Complicen, dann gilt für die Gottessürchtigen in Wien der alte Gottesruf (4. B. M. 16, 21): n«tn myn Uno ^"nn, „Sondert euch ab von solcher Gemeinde!" JeLtrrngsttachrichten nrrd Covrefponderrzen. . Deutschland. Aus OftpreuHen den 2. Februar. In Nr. 4 Ihrer geschätzten Zeitschrift findet sich eine CorrApondenz aus Berlin vom 12. v. M., in welcher es unter Anderem heißt: „Hoffentlich werden diese Herren (die Abgeordneten Laöker und Kvsch) s. Zeit auch dazu beitragen, daß das Judengesetz von 1847 in den Papierkorb wandere. Mögen auch Philippson und Consorten dagegen kämpfen, wir fürchten uns nicht. Dem Judenthum wird daraus keinerlei Schaden erwachsen. Scheiden dadurch auch vielleicht die Indifferenten aus der Gemeinde, — wir nennen das keinen Verlust, sondern einen Gewinn! Wir wollen keine jüdischen Steuerzahler —sondern Juden in des Wortes wahrhafter Bedeutung." Wenn auch Einsender nicht im Entferntesten die religiösen Ansichten Philippson's und Consorten theilt, so kann er doch nicht umhin, Ihrem Berliner Correspondenten in dieser wichtigen Angelegenheit vollständig zu widersprechen. Ihr Correspondent hat nur die Berliner, Hamburger, Mainzer, Frankfurter Gemeinden im Auge. Diesen schadet es allerdings nicht,