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Der Israelit · 1871-02-08 · Heft 6 (8.2.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 6 (8.2.1871)
Date
1871-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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101 unterbrochen wurde. „Laß uns hier bleiben," bat JröU WindSheimer, „die Festung wird uns Schutz ^währen!" „„Was redest Du,"" entgegnete ihr Gatte, „„soll ch mich in eine Festung einschließen lasten, die vieleicht dos Schicksal Straßburgs haben wird? Nein, nr bleiben bei unserm ursprünglichen Plane!"" Herr Windsheimer miethete dann einen Wagen, er ihn nach Sedan bringen sollte; aber auf halbem Lege trafen sie auf französische Plänkler, welche ßferde und Wagen mitsammt dem Fuhrmanne requiirten. Es war ein prachtvoller August-Tag; der Strahl in untergehenden Sonne vergoldete die wunderbar cköne Landschaft; sanftansteigende Hügel, von prächizem Laubwald bedeckt, bekränzten die Ufer der hier Len ganz stattlichen Maas; hübsch und freundlich lefraute Dörfer, niedliche, von Obstgärten umgebene!andhäuser, aus weißem und rothem Sandstein er- Mt, erfreuten durch ihren lieblichen Anblick das Auge, rohin es auch schaute; aber unsere Reisenden hatten einen Sinn für die Schönheit der Landschaft. Die urchtbare Gewißheit mitten in das schreckliche Kriegsletümmel hineingerathen zu sein, betäubte, verwirrte ie. Da standen sie, mitten aus der Landstraße, rathos, verzweifelnd. Ihr Gepäck hatten die Soldaten me dem Wagen geworfen; sie schleppten es mühsam uch dem nächsten Dorfe; hier traten sie in ein Haus, ikhentlich um Aufnahme bittend, die ihnen von den eiber verzweifelnden Bauersleuten auch gewährt rurt-c. Unterdeß bereitete sich die furchtbare Katastrophe er, welche in einer bisher in der Weltgeschichte ganz inerhörten Weise abschließen sollte. Ein großes, sieg- IwohnteS Heer, unter einem Feldherrn, dessen Ruhm ie zum Tage von Wörth die Welt erfüllt hatte, in einer Mitte den Kaiser, den Beherrscher des Landes, ehnte sich an die Festung Sedan, ein anderes, nicht ninber siegreiches Heer unter nicht minder großen Feldherren erwartend. Der Kampf begann in den letzten Augusttagen. Heldenmütig drängten die Deutschen vorwärts, Position auf Position nehmend, len Boden mit dem eigenen Blute und dem der Feinde röthend. Auch die Franzosen kämpften tapfer, es ist für sie Kampf der Verzweiflung. Zweimal nehmen die Deutschen das Städtchen Bazeilles, zweimal werden sie zurückgeworfen, da erkaufen sie es zum dritten Male mit Strömen Bluts, mit unendlichen Opfern an koMaren Leben. Dte TaktikMvltkeS, vorzügliche preußische Artillerie gewinnen endlich ^as Uebergewicht über den Ungestüm Mac Mahons, über die VerzweiflunAswuth der Franzosen; diese werben zürückgebräugt; Miner Wester und weiter, sie werben eingeschlossen — es bleibt ihnen kein Ausweg; sie werden umgürtet mit eisernem Gürtel, und Sedan ist nicht Metz; Sedan ist nicht armirt?, nicht verproviantirt, auch nicht groß genug, einer Armee von mehr als hunderttausend Mann als Zuflucht zu dienen. Noch einmal wird am 1. September ein Durchbruch versucht — vergebens Strome Blutes fließen, Mac Mahon selbst wird verwundet, Wimpfen übernimmt den Oberbefehl, der Tag neigt sich zu Ende, und das Schicksal Napoleons und seiner Armee ist besiegelt. Nicht kann die französische Armee mehr den sie umschließenden eisernen Gürtel durchbrechen, nicht vermag die Artillerie Raum zu schaffen; da versucht es ein Theil der Cavallerie. Vielleicht gelingt dem Ungestüm der Pferde und Reiter, was die Taktik nicht zu leisten vermochte. Mehrere Cavallerie-Regimenter suchen den Weg nach Meziöres zu gewinnen, um in dieser Festung Schutz zu finden und so dem Schicksal, gefangen zu werben, zu entgehen. Aber das Dorf, durch das die Straße nach Mezisres führt — es ist dasselbe, in welchem die Familie Windsheimer Schutz gefunden hatte — ist von Truppen des fünften Armeecorps besetzt, und von den Weingärten des Dorfes über die Höhen hin zieht sich eine lange Jnfanterielinie, die das Terrain zum Durchbruch streitig macht. Die deutschen Truppen haben drei- und vierfache Quarre's gebildet. Jetzt sprengen sie heran die Husaren, die Chasseurs, die Cürassiere; sie werden von wohlgezielten Salven empfangen und stürzen todt oder verwundet vom Pferde. Aber die nachsprengenden Reiter kommen im immer sich erneuenden Choc Hera .; jetzt gelingt es einem Chasseur, in ein Quarre hineiuzusprengen; sein Pferd setzt über die Soldaten und die in die Höhe starrenden Bajonette hinweg; er fällt, aber der Weg ist gebahnt, das Quarr« ist gesprengt und die nachstürmenden Reiter gewinnen den Weg nach MeziöreS. Da werfen sich die braven Jäger auf die Erde, lassen die Reiter über sich hinweggaloppiren und schießen sie nieder, sobald sie sich zur Flucht wenden. Plötzlich aber naht der Pfarrer des Dorfes, mit einem Paar Pistolen bewaffnet, ihm nach junge und alte Bauern, ja Frauen und Mädchen, und schießen auf die Jäger. um ihren Landsleuten den Weg zu bahnen. Es gelingt ihnen theilweise; doch nun wendet sich die Wuth der Jäger gegen die Bewohner des j Dorfes. Als die Schlacht beendet, wird Gericht gehalten. Der Pfarrer wird ergriffen und erschossen. Das Dorf soll dem Erdboden gleichgemacht werden, keiner seiner Bewohner soll entkommen. Unter bis zum Himmel tönenden Jubrlgeschrei wird Feuer in die Häuser geworfen; die Bewohner des brennenden Dorfes stürzen aus ihren Häusern, aber sie werden mit dem Bajonette zurückgetrieben.

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