Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1871)
- Date
- 1871-02-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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99 menben Mittheilungen ganz grauenhaft sein. Möge der allgütige Gott uns das Glück geben, unfern darbenden Brübern helfenb unb rettenb zur Seite zu stehen! □ Aus Bayer« In Ochsenfurt förberte am 19. b. eine Haussuchung, welche in Folge dringenben, auf einfache Weise plötzlich eingetretenen Verdachts durch ben hiesigen Bürgermeister mit ber Gensbarmerie unb Polizei vorgenommen worben war, ein scheußliches Verbrechen zu Tage. Der JSraelit Seligmann Bär, ein armer, ehrlicher Haufirer, schon seit 21. Dezember v. I. vermißt, wurde in der Behausung des Schusters Pfeuser in Boxviertel, verborgen unter einem alten Schweinstalle, bedeckt mit Dung, entdeckt. Als Thäter wurde der Schwager des Obigen, Peter Eck, ein Idjähriger, schlecht beleumundeter Bursche, verhaftet. Derselbe soll sogar, um die That zu verdecken, Anstalten zum Anbrennen des Hauses gemacht haben. Die dem Gemordeten geraubten Waaren fanden sich bei den verschiedenen Gliedern der Familie vor; selbst die Stiefel hatte man dem Unglücklichen geraubt. Berlin. Die Untersuchung gegen die beiden Mörder der Lippfeld'schen Eheleute, die Russen Gorunow und Monastirski, ist bereits geschlossen. Ntakel, 20. Jan. Die so viel besprochene Frage in Betreff der Uebertragung des Jnspectorats über die hiesige jüdische Elementarschule fand in den letzten Tagen ihre Erledigung. Nach Erlaß des Ministerial-Rescripts im Sinne des fast einmüthigen Beschlusses des Abgeordnetenhauses setzte sich die königl. Regierung mit dem Rabbiner Or. Cohn wegen Uebernahme der Inspektion in Verbindung. Es wurden von demselben die Zeugnisse über seine wissenschaftliche und pädago^ ische Befähigung eingefordert, außerdem eine pädagogische Arbeit von ihm verlangt. Nachdem diesem genügt worden, wurde derselbe von der k. Regierung als Schulinspector für die jüdische Schule bestätigt und vom Landrath im Beisein des jüdischen Schulvorstandes und der Lehrer vereidigt und in das neue Amt eingeführt. (Ostd. Z.) Leipzig, 25. Jan. Vorgestern hat sich in der medicinischen Facultat unserer Universität Or. msä. Livius Fürst, pract. Arzt und Dirigent der pädiatrischen Poliklinik hier, als Privatdocent habilitirt Diese Habilitatiou hat einen wichtigen principiellen Charakter. vr. Fürst ist der erste Israelit, der als wirklicher akademischer Lehrer die venia legendi (Erlaubnis zum Halten von Vorlesungen) erlangt. Sein Vater, der Orientalist, ist nur sogenannter Lector an der Universität, hat zwar neuerdings den Titel als Professor erhalten, jedoch ohne die akademischen Attribute eines solchen (Stimmrecht rc.). Oesterreichisch: Ungarische Monarchie. Prag, 25. Januar. In keiner jüdischen Gemeinde des Kontinents dürfte das Vereinswesen in solcher Blüthe stehen, wie in der Präger jüd. Gemeinde. Wo sich die Tendenz der Vereine auf humanitäres Wirken erstreckt, zeigt sich ein gedeihlicher Aufschwung; so ist es beim Nächstenliebe-Verein, so beim Darlehen-, so beim CHanuka-Verein, die, so wie manche andere Vereine, in der That Ersprießliches leisten. Auf dem Felde der Humanität also, da wo es gilt, Bedürftige zu unterstützen, Leidenden beizustehen, die Pietät, gegenüber dem Andenken an die Verstorbenen, zu wahren, wäre Vieles geschehen. Wie sieht es hingegen auf dem Felde der Wissenschaft aus? Brach, unbebaut, holperig ist der mit den giftigen Wurzeln des Unkrauts durchzogene Boden, der keine Hoffnung hat, daß je ein ehrlicher Landmann den Pflug ergreifen werde, um mit ihm die Furchen zu ziehen und in dieselben den Samen der heiligen Religion und der jüdischen Wissenschaft zu streuen. Als am 8. Nissan 5629 (März 1869) der hochgelehrte Rabbi Juda Teweles, einer der bedeutendsten Talmudheroen, für immer das Auge schloß, da trat mit Einem Male auf dem Gebiete echt jüdischer Wissenschaft Finsterniß ein, die sich bei der Bahre des edlen Verblichenen zu klären schien, als der ehrwürdige Rabbi Samuel Freund in seinem, dem großen Gelehrten unter freiem Himmel gewidmeten Nachrufe die Trauergäste über den harten Schlag aufklärte, der das Judenthum so empfindlich traf, und mit dem förmlich der Lebensnerv der jüdischen Wissenschaft in Prag durchschnitten wurde. Damals wollte der Redner das Klagen und Jammern als eine heulende Windsbraut, die in der Wüste braust, die Thränen als die Wellen betrachten, die der Strom der Zeit allmählich verschlingt. Eines, glaubte er, trage zur bleibenden Erinnerung an Rabbi Juda Teweles bei, Eines könne ein Monument bilden, das kostbarer als Erz und dauernder als Marmor ist, ein Institut zur Verbreitung des Talmuds zu gründen und ihn zu einem „Afike Jehuda" zu machen. Es war diese sinnige Anregung des ehrwürdigen Rabbi S. Freund allerdings nicht in die Wüste gesprochen; denn wo es gilt, sich zum Vorsteher in Vereinen hinauf zu spielen, da sind die meisten unserer hiesigen Gemeindemitglieder bei der Hand, und so mußte der Verein „Afike Jehuda" entstehen, ein verkörpertes Mißverständniß, ganz entgegen dem Sinne des Schöpfers einer so edlen Idee. In seinen bisherigen Leistungen steht der „Afike Jehuda" auf dem Gefrierpunkt, nichts als Firlefanz und theatralischer Unsinn, anstatt eines ehrlichen und systematischen