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Der Israelit · 1871-02-08 · Heft 6 (8.2.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 6 (8.2.1871)
Date
1871-02-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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98 wird aber während seiner Ausführungen unterbrochen. ' Es entsteht ein lang anhaltender Tumult, und erst > nach einer Viertelstunde gelang es dem vr. (Ludwig August?) Frankel, die Ruhe herzustellen und das Wort zu ergreifen. Er opponirt dem Vorredner und spricht sich gegen jeden Aufschub auö. Gleich dem Engländer, der auf London stolz sei, gleich dem Katholiken, der sich sein Rom nie nehmen läßt, brauche sich auch der Jude Jerusalems nicht zu schämen, der Wiege seiner Cultur; ebenso brauche er sich auch seiner Gebete nicht zu schämen Der Redner wünscht schließlich, das Ministerium für CultuS und Unterricht möge eine allgemeine jüdische Synode einberufen Der laute Beifall, welcher dieser Rede folgt, weicht aber schnell einer lärmenden Scene, als ein Missionsprediger die Tribüne, reets Kanzel betritt und für die Reform Propaganda machen will. Schon bei den ersten Worten werden Schlußrufe laut und wird von allen Seiten verlangt, dem Missionär das Wort zu entziehen. Der Vorsitzende thut es erst, als der Redner die Gebete der Juden angreift und sie unnütz nennt. Die Aufregung war aber schon so hoch gestiegen , daß viele der Anwesenden sich zur Kanzel drängten und den Missionsprediger herabzogen. Nachdem sich der Lärm gelegt, wurde zur Abstimmung geschritten und der Protest mit großer Majorität angenommen. Noch am selben Abend wurden etwa 600 Unterschriften gesammelt. Der Protest wird in allen Bethäusern aufliegen. Literarischer Bericht. Das Hohelied metrisch übersetzt und mit Anmerkungen nach dem Midrasch versehen von Hermann T i e tz. Berlin 1870. Es ist eine angenehme Aufgabe , eine Uebersetzung zu besprechen, deren Original man gerne wieder und wieder aufschlägt. Und was kann größeren Genuß gewähren, als im Buche der Bücher in die heilige Poesie des Hohenliedes sich zu vertiefen? Hoheit der Gedanken und deS Ausdrucks, Wohllaut und Farbenpracht schmücken das kostbare Werk, das Manchem der Dichter, welche die Völker unter ihre allergrößten zählen, eine Quelle der Begeisterung geworden ist. In einer der schönsten Stellen des „Verlorenen Paradieses" hat Milton die wundervollen Verse 10—13 des zweiten Kapitels nachgeahmt, und der Gedanke des “ij; ww' ’jn ist von Göthe wiedergegeben, wenn er singt: „Schlief ich ein auf wenig Augenblicke, War mein Herz beständig wach geblieben'" Der Verfasser des vorliegenden Büchleins nun . wollte das ganze Originalwerk mit seinen Seltenheij ten in deutscher Sprache „wiedererzeugen" und glaubte, diesen Zweck dadurch zu erreichen, daß er seine Uebersetzung in die Form moderner Poesien kleidete. Den Reim vor allen Dingen hat er für seinen Zweck unerläßlich erachtet. Aber es hat dem manches Wesentlichere müssen ausgeopfert werden. Viel inhaltsleere Floskeln müssen zur Ausfüllung des Verses dienen, so geht die wunderbare Prägnanz des Originals völlig verloren in einer Uebersetzung, die sicherlich die dreifache Zahl Wörter enthält. Recht verfehlt, ja komisch z. B. ist ein Zusatz, den wir in dem folgenden Vers mit gesperrter Schrift hervorheben: Die Stimme meines Freund's, da kommt er, sieh'! Er springet über Berge, über Hügel, sonder Müh'! Noch mehr müssen wir bis zur Trivialität herabsinkende Redewendungen tadeln, die der heiligen Poesie unwürdig sind, wie wenn die Helden Israels in der Rüstung „stecken", der Winter „seines Amts entsetzt" ist; auch die „süße Stimme", das „strahlende Auge" waren uns viel zu moderne sentimentale Anschauungen. Selbstständigen poetischen Werth können wir der Nachdichtung wenig einräumen; wir sind insbesondere auch nicht durch einen einzigen wirklich originellen und klangvollen Reim erfreut worden. Was wir dem Büchlein am meisten danken, ist der Anhang, der die traditionelle Auffassung der einzelnen Verse des Hohenlieds wie der ganzen Composition nach Raschi, Midrasch Rabba und Jalkut in deutscher Sprache wiedergibt. E. L. Aeitrrngsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 3. Februar. Wir haben heute wiederum 1137 fl. 36 kr. zum Besten der Armen und Nothleidenden im heiligen Lande nach Amsterdam geschickt. Die Summe der in diesem Jahre von uns für diesen Zweck gesammelten und übermittelten Gelder beträgt nunmehr 6164fl.42 kr. — Das Central- Comite zu Amsterdam theilt uns mit, daß es bis Ende Januar 12,800 fl. für die Nothleidenden nach Palästina geschickt habe, eine allerdings im Verhältnis der großen Anzahl der Nothleidenden ziemlich unbedeutende Summe. Die Noth steigt leider von Tag zu Tag, und das Elend soll nach allen uns zukom-

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