Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447499-2447505--09050-2464727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 gen ausbreitet, hat einen sehr geringen Wirkungskreis. Wiewohl er die Stelle eines ersten Rabbiners provisorisch vertritt, so sollte doch in sein Ressort die Beaufsichtigung des Religionsunterrichts fallen. Hier hätte er in erster Linie an sich selbst eine Strafpredigt zu richten, weil er den Gegenstand der Religion an den Mittelschulen in einer systemlosen Weise tradirt, die dem Schüler kein Verständniß für die heil. Schrift beibringt, aber die peinliche Last der sogenannten „Keilerei" aufbürdet. Mit gewissem Stolze gibt er einem Schüler die Vorzugsklafse, trotzdem dieser vor den Augen des Lehrers den Sabbat entweiht und nur aus dem Grunde, weil der Schüler ein gutes Gedächtnis oder besser, weil er das Pensum ohne alles Verständniß gut hergeleiert hat. Zn das Ressort des stellvertretenden ersten Rabbiners sollten von Leit zu Zeit belehrende Vorträge fallen, aber wo? wie? wann sind diese zu vernehmen? Nichts beschäftigt jenen Herrn weiter als Trauungen. Zn diesem Punkte hat die Repräsentanz ihr absolutes Verfahren den hiesigen Synagogenrabbinern recht fühlbar gemacht. Trotz ihrer autonomen Stellung müsien diese vorerst die Gnade des jüd. Papstes erflehen, um das Recht, ein Brautpaar zu trauen, für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Wie peinlich muß die Situation für einige von ihnen sein, wenn diese bei intensivem jüdischen Wissen einer einfachen Funktion wegen einen Fußfall machen und oft unverrichteter Sache, ohne die Delegation erhalten zu haben, abziehen müssen. Das ganze Verfahren mit dem Delegiren ist nichts anderes als ein Druck, der auf den Rabbiner ausgeübt werden soll; wenigstens wäre die Rücksicht am Platze, jedem Rabbiner das Trauungsrecht auf die Synagoge zu beschränken, in der er angestellt ist. Man geht nun in der Repräsentanz mit dem kostspieligen Plane um, das Provisorium, welches der Gemeinde 1300 fl. kostet, aufrecht zu erhalten und es zur Flügeladjutantur eines Oberrabbiners zu machen, für den schon in's Präliminare pro 1871 einstweilen 1200 st., die succesive sich auf 4000,fl. steigern werden, eingestellt wird. Die Fama will zwar glauben, man nehme den armen Oberrabbiner nur zum Vorwände, nicht um diesen, sondern um die 4000 fl. sei es lediglich zu thun, da die Anschlußsteuer weggefallen ist und es sich recht drastisch ausnehmen möchte, wenn das Präliminare nur die kolossalen Posten für die jüd. Amtskanzlei und verschwindend kleine Posten für den eigentlichen Gemeindebedarf auöweisen möchte. Zch komme nächstens auf die Entstehungsgeschichte des rabbinischen Provisoriums und auf den ZukunftSoberrabbiner zu sprechen. Jtaf<f>au. Einem armen Zuden aus Galsetsch find auf dem Wege nach Kaschau seine beiden Pferde, durch die er als Lohnkutscher seine Frau mit 6 Kindern ernährte, erfroren. Der Mann verzweifelte fast ob dieses Verlustes. Memand fand sich, der ihm helfen wollte, bis sich endlich der Geschworen" Stephan Mindi (Christ) seiner annahm und persönlich für ihn 160 fl. sammelte. (Pesth. jüd. Zeit.) Slalschub Zn dem Dorfe Lazky brachen jüngst Räuber in das Haus eines jüdischen WirtheS und tödteten ihn, seine Frau, drei Kinder und den Hauslehrer. Die Mörder sind entflohen, ohne daß bis jetzt ihre Spur entdeckt werden konnte. (Jb. An.) Holland. Haaq. Die Königin beehrte jüngst das hiesige jüdische Waisenhaus mit ihrem Besuch. Dieselbe prüfte die Waisenkinder in mehreren Gegenständen und drückte ihre hohe Befriedigung aus über die Art und Weise, wie die Kinder unterrichtet werden. Die Königin besuchte hierauf die verschiedenen Räumlichkeiten in demselben und sprach sich im Ganzen sehr günstig über diese Wohlthätigkeitsanstalt aus. England. MMLondon. In den englischen jüdischen Blättern wird allenthalben darauf hingearbeitet, daß ein Comit« ernannt werde, welches die nöthigen Summen sammele , um dafür bei der Capitulation von Paris die dortigen Juden sofort mit Koscherfleisch versehm zu können. Palästina. Jerusalem. Herr Oberrabbiner Abraham Aschkenast dahier hat vom Sultan den Nifchan-Orden 2. Klasse erhalten. (Habazeleth.) Türkei. Konstanlirropel Herr Rabbiner Zakob Avigdor wurde an die Stelle des verstorbenen 2pp' in V'2 zum Oberrabbiner dahier ernannt. (Habazeleth.) $ e n i U e i o «. Der Ktzetto zu Venedig. Am äußersten Ende der Stadt Venedig, in der Nähe der Kirche S. Geremia und unweit des heutigen