Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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86 lichen. Wir bitten daher die geehrten Spender inständigst, sich zu gedulden, wenn sie nicht sofort ihre Gabe veröffentlicht finden, oder wenn manchmal die zweite Sendung vor der ersten publicirt wird. Welche ungeheure Mühe und Last diese Spendenlisten verursachen, davon wird sich Jeder leicht eine Vorstellung machen können, der bedenkt, daß wir in einem Monat mehr als 5000 fl. gesammelt und übermittelt haben, die fast alle in ganz kleinen Beträgen eingegangen sind. Wir dürfen daher wohl ein wenig Geduld und Nachsicht in Anspruch nehmen. Stuttgart. Dem Leiter des technischen Betriebs des württembergischen Sanitäts-Vereins, Herrn Hermann Rothschild in Stuttgart, wurde der Friedrichsorden 1 Klasse verliehen. (Staatsanz.) Breslau, 24. Jan. Herr vr. P. Neustadt von hier, von dessen verdienstvollem Wirken diese Blätter bereits häufig berichtet haben, hat in Folge seiner, am 17. Juli v. I. in der Lissaer Synagoge gehaltenen patriotischen Predigt anerkennende Zuschriften im Aufträge nachbenannter hoher Personen erhalten : des Königs von Bayern, des Königs von Würtemberg, der Kaiserin-Königin Augusta, der Kronprinzessin von Preußen und der Großherzogin von Mecklenburg. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. L Prag, 22. Januar. Schon im verflossenen Jahrgange dieser Blätter habe ich darauf hingedeutet, mich in den Berichten über die hiesigen Gemeindezustände etwas ausführlicher zu fassen, damit Ihre Leser doch einen richtigen Begriff erhalten von der „heiligen Gemeinde" Prags. Die Zust nde in derselben sind nichts weniger als erquicklich. Die Zerfahrenheit hat ihren Gipfelpunkt erreicht, auf dem die ganze jüd. Gemeinde, wie ein zweiter Blondin, balancirt. Wer diese Deroute, im socialen wie im religiösen Leben, verschuldet hat, wurde schon mehrfach in diesen Blättern betont, und ich sage demnach nichts Neues, wenn ich die jüd. Vertretung für diese seit mehr als einem Decennium bestehende und immer mehr im Steigen begriffene Verwahrlosung verantwortlich mache. Als im October 1869 eine Neuwahl für neun ausgeschiedene Mitglieder der Repräsentanz vorgenommen wurde, siel auch die Wahl auf drei streng orthodoxe (?) Mitglied er der Gemeinde; man glaubte allenthalben, daß diese j im Stande sein würden, den andern Mitgliedern der Repräsentanz die Stange zu halten und die Gemeinde wieder zu Ehren zu bringen. Aber diesen Dreien war es weniger um ein ehrliches Eingreifen in die communalen Angelegenheiten zu thun als vielmehr um Mitglieder der Repräsentanz zu sein. Ich will Ihnen nun ein Bild dieser drei Herren entwerfen. Bekanntlich weist jetzt Prag mehrere zugewanderte Sehenswürdigkeiten auf: „CarrL's Cirkns," „die europäische Pastrana," „die vier unübertrefflichen Contrafte;" zu diesen gesellen sich in recht verdienter Weise jene drei Herren der isr. Cultusrepräsentanz, die sich wie Japanesen benehmen; der eine schweigt, der zweite schweigt, der dritte schweigt. Sagen die Mandarinen, die bekanntlich für das Judenthum gerade so viel Sinn haben, wie ein Blinder für Farben, „ja," so sagen die „drei" auch „ja", wobei sie sich mit verschränkten Armen vor die Füße der Mandarine werfen, diese preisen und loben. Namentlich zwei von den Dreien galten immer für fromme Juden, denn sie besuchen die Synagoge, aber als jüd. Vertreter einer jüd. Gemeinde schädigen sie nur diei selbe; den Einen dürfen Juden und Judenthum nicht einen Kreuzer kosten; da, wo die Förderung jüd. Interessen den Kostenpunkt berührt, darf nicht gefördert werden, dem Andern sind die jüd. Interessen nur dann von Werth, wenn er aus ihnen für andere, seiner Protektion Unterworfenen einen Nutzen zieht. So sehen diese beiden Herren an dem Judenthum rütteln, einen Stein nach dem andern aus dem jüd. Gemeindebau fallen, ohne eine Miene zu verziehen, ohne mit Energie einzuschreiten und dies; nur deshalb, weil sie fürchten, durch entschiedenes Auftreten gegen ihre College» bei einer nächsten Wahl in die Repräsentanz fallen gelassen zu werden. Diesen beiden Herren hat die Gemeinde ein rabbinisches Provisorium zu danken. Von diesem Triumverate, dem der hochachtbare Gelehrte Herr Herrschmann Teweles und der biedere Exrabbiner Herr Meyer Fürth angehören, hat man sich allerdings wenig versprochen, weil das Alter dieser beiden eben genannten Männer keine Energie erwarten läßt und überhaupt in der Prager jüd. Gemeinde ein frevelhaftes Spiel, gerade in diesem Bereiche, getrieben wird, über den jene beide Herren gesetzt sind. Der eine, Herr Fürth, hat die Beaufsichtigung über die Schechitah. In diesem Punkte wird leider nichts gewirkt und will man sich davon Ueberzeugung verschaffen, so besuche man nur den Gänsemarkt in der Rittergasse. Christliche Bauern verkaufen hier abgestochenes Geflügel, mit einer rituellen Schutzmarke versehen, die theils aus einem unleserlichen, theils aus einem gefälschten Siegel besteht. Der Billigkeit halber strömen die Juden zum Kaufe herbei und kümmern sich sehr wenig um das provisorische Rabbinat. Herr Fürth selbst äußerte, es lasse sich nichts thun. Der zweite, Rabbi Herrschmann TeweleS, ein eben so gottesfürchtiger wie friedliebender Mann, soll das Amt des „Paßkenen" versehen; leider ist er um Teschuboth verlegen, weil keine Schaaloth an ihn gerichtet werden. Der dritte jenes Provisoriums, der, einem Adler gleich, feine Fittige über die beiden greisen Solle-