Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Vs gemeinde, der Handels-Akademie u. f. w. Eine Deputation der CultuSgemeinde Smichow überreichte ihm einen silbernen Pokal und viele seiner Verehrer sendeten ihm Ehrengeschenke. Die Feier schloß mit einem Festbankett, das zu Ehren des Jubilars veranstaltet war. Prag. Nach den neuesten Daten vom Jahre 1870, zusammengestellt von I)r. Bernat beträgt die faktische Bevölkerung in Prag 157.713 Einwohner, im Ganzen 144.648 Christen und 13.056 Israeliten, es kamen daher auf 1 Israeliten 11 Christen. (Gegenw.) F e n i I 1 e t o n. Kavrirk. v. Vertrieben. Wir haben bisher in unserer Erzählung mehrfach Gelegenheit gehabt, des Glanzes, der Herrlichkeit und Lebenslust der wundervollen Stadt Paris Erwähnung zu thun. Allein es sind noch andere Erscheinungen dort zu beobachten, die sich dem nur die Oberfläche streifenden Blicke verbergen. Auf diese wollen wir jetzt unser Augenmerk richten. Paris ist das Herz Frankreichs. Was nur durch Intelligenz, Geschicklichkeit, Thatkraft oder auch Abenteuerlust im ganzen Lande sich hervorthut, strömt nach der Hauptstadt, wo sich ein ergiebigeres Feld zur Ausbeutung der Mitmenschen darbietet als in der Provinz. Seit Jahrhunderten haben viele Umstände dazu beigetragen, die Bevölkernng von Paris zu verderben. Sittenlose, characterlose Könige und deren Hofhaltungen, elende Maitressenwirthschaften haben Jahrhunderte lang den übelsten Einfluß auf das Volk geübt; dazu kam ein ungeheuerlicher Druck, den die bevorzugten Klassen, der Adel und die Priester, auf Bürger und Bauer übten; bei diesen fand die skeptische Philosophie der Encyclopädisten um so eher Eingang, da sie sich gegen alles Bestehende richtete und in Frankreich das Bestehende in der That verderbt, morsch und hohl war. Die große Revolution von 89 kam zum Ausbruch, und mit unendlich vielem Edlem und Gutem brachte dieselbe auch die niedrigsten grauenhaftesten, Leidenschaften an die Oberfläche. Ludwig XVI. mußte die Sünden seiner Väter büßen, und Hunderttausende, Schuldige und Unschuldige, fielen durch daS Henkerbeil der Guillotine. Da verstand eS ein kühner Held, ein gewaltiger Kriegsmann sich zum Herrn der Situation zu mache», und Napoleon I. erfüllte mit seinem Kriegsruhme die ganze Welt, bis er durch seinen Uebermuth diese Welt gegen sich waffnete und dem Widerstande und der Erhebung Europas erlag. Die Bourbonen, die nichts gelernt und nichts vergessen hatten, kehrten nach Frankreich zurück; aber ihr kraft- und haltloses Regiment dauerte nur fünfzehn Jahre; dann mußte eS der Herrschaft des BürgerkömgS Ludwig Philipp weichen, der Zustände großziehen half, welche die Revolution von 48 herbeiführten, in der das Bürgerthum mit der Social-Democratie auf Tod und Leben rang; beide Parteien bekämpften sich bis zur Vernichtung, und ein anderer Napoleon, der sich den Dritten nennen ließ, konnte fast zwei Jahrzehnte lang die Rolle des Angustus spielen. Durch die große Revolution von 89 haben unsere Glaubensgenosien in Frankreich die volle Emancipation erreicht, die ihnen auch nicht mehr geraubt wurde. Allein, während sie an dem allgemeinen Culturleben des Landes den größten Antheilnahmen, wurden sie auch von der der Religion und der Sittlichkeit feindlichen, leichtlebigen Art und Weise , die im französischen Volke und namentlich in der Bevölkerung von Paris Platz gegriffen hatte, nicht verschont. Leben, erwerben, und zwar erwerben, um zu genießen — ein Kriterium unserer Zeit überhaupt — das warS, was man einzig erstrebte. Wohin war in der großen Stadt, in der dreißigtausend Israeliten lebten, die Feier des SabbatS gekommen? Und wenn man die Leute fragte, warum sie den Sabbat im offenen Geschäfte wie einen Werktag begingen, so erhielt man zur Antwort: „Wir können nicht anders, wir könne« das Geschäft am Sabbat nicht entbehren." Und wie in Paris, so erging es auch in den Provinzen, denn Paris war immer tonangebend für daS Land; auch in den Provinzen griff der Leichtsinn um sich, und die Religion Israels, der Sabbat, die Speise-, die Ehegesetze wurden vernachlässigt. Wie konnte eS auch anders kommen? In Paris gehörte die Gottlosigkeit zum guten Tone, und das Central - Consiftorium, dem die religiösen Obliegenheiten Frankreichs in die Hände gegeben, bestand oder besteht aus Mitgliedern, die großentheils dem Juventhume nur noch dem Namen nach angehören. Das große, Heer jüdischer Beamte», Advocaten und Offiziere war schon durch Beruf und Stellung dem wirklichen Judenthum entfremdet; die Kaufleute und Handwerker glaubten den Sabbat nicht halten zu können, die Kinder der Reichen erfuhren fast Nichts mehr von der Religion der Väter-- wohinaus, wohinaus? Auch in Deutschland sind viele Israeliten der Religion der Väter entfremdet, allein die Gegensätze finden sich überall, Kämpfe, die vom Leben zeugen — aber in Frankreich ging Alles dem Verfall mit Riesenschritten entgegen. Wird das Elend,