Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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80 betit leider so schnell entrissen wurde, war sowohl seiner Frömmigkeit als auch großen Mildthätigkeit halber in den weitesten jüd. Kreisen bekannt. Man kann sagen, daß das Landauer'sche Haus omaN 7V lma I2'2br genannt werden darf; denn dort ist der Sammelplatz aller einheimischen und fremden Armen, welche daselbst reichlich gespeist und beschenkt werden. Auch die Armen im heiligen Lande segnen den Namen des Dahingegangenen, und insbesondere nothdürftige jüd. Gelehrte, sowie viele WohltSätigkeits- und Lehranstalten, im In- und Auslande, wurden stets reichlich von ihm unterstützt. Als den Orthodoxen so Manches in der Hauptsynagoge nicht mehr convenirte, erbot sich Herr Landauer, ^denselben ein Local einzuräumen, worin schon seit acht Jahren der tägliche Gottesdienst streng nach dem alten Ritus abgehalten wird. Die Kinder deS Verewigten gleichen demselben an Tugend und Frömmigkeit, wie auch er ein p'->L fl p'iL war, und besonders können dessen Söhne, welche im Thorastudium sehr vorangeschritten sind , als der Jugend Muster bezeichnet werden. Mögen die Hinterbliebenen ihren Trost darin finden, daß im Jenseits die guten Handlungen des Frommen im reichlichen Maße belohnt werden; so sagte auch unser Herr Rabbiner in seiner, vor der großen am Grabe versammelten Menge gehaltenen Rede sehr treffend: 21m ntn oSya "ptf« &an D7iyb Aus der bayrische« Pfalz. (Dritter Brief.) Sie werden mit Recht begierig sein, die Bildungsanstalt kennen zu lernen, aus der Lehrer und Schächter, wie die in meinen zwei früheren Briefen geschilderten, hervor gingen. Und mit eben solchem Rechte wird Jedermann von vornherein keine besonders günstige Meinung über dieselben zu haben, sich unwillkürlich gedrängt fühlen. Aber selbst die bescheidenste, oder sagen wir lieber: die günstigste Meinung selbst über das sogenannte „Lehrerseminar" in Kaiserslautern (selbstverständlich, was den Unterricht in den jüdischen Lehrgegenständen anlangt, denn nur mit diesen haben wir es hier zu thun!), wird doch noch sehr weit hinter der traurigen Wirklichkeit Zurückbleiben. Die Wahrheit des eben Behaupteten wird Ihnen eine kurze Mittheilung des Stundenplanes dieser Anstalt überzeugend genug darthun. Die jüdischen Zöglingen dieser Pflananstalt für Bildner und Erzieher der Jugend, haben wöchentlich 4, sagen vier Stunden in den Lehrgegenständen Unterricht, die den wesentlichsten Bestandtheil ihres Wiffens ausmachen sollten! Die Geisteskost, die dm ziemlich erwachsenen jungen Lmten in dieser verschwindend geringen Stundenzahl (man darf an die vielm Ferien im Jahre nicht vergessen) gereicht wird, hatten in früherer Zeit Knaben von .zehn Jahren längst erlernt, und noch viel, viel mehr dazu! In der einen Stunde nämlich wird ihnen übersetzt," in der zweiten „Religion" aus Herxheimer's „Glaubens- und Pflichtenlehre," in Verbindung mit „biblicher Geschichte" aus Flehinger'S Kinderbüchlein vorgetragen (zwei Lehrgegenstände, die man früher, zum Heil und Segen der Kinder, nicht kannte), in der dritten Stunde Pentateuch mit '&n (in drei Jahren höchstens bö«n»ffjna ">£>□!), und etwas hebräische Grammatik, in der vierten Stunde wird „D”n ->SO" (!!) durchgenommen, damit die Herren „Lehrer" bei vorkommenden Sterbefällen in ihren Gemeinden, ein Stückchen aus dem übersetzten 0”n *iöd von Blogg vorzutragen im Stande sein möchten! Trotz dieser mit Recht getroffenen Vorsorge, sah ich doch einen in diesem Seminar „ausgebildeten" Lehrer der bereits acht bis zehn Jahre im Amte war, einige Stellen aus dem erwähnten Buche „lernen", aber mit großer Aengstlichkcit an die Uebersetzung derselben sich haltend, immer sehr langsam das punctirte hebräische Wort lesend, und während des Lesens und mit dem Finger Festhalten desselben, dessen deutsche Uebersetzung einsehend! — 0”n isd! Auch ein Lehrgegenstand in einem Lehrerseminar! Man steht förmlich, wie die Ignoranz in dieser Anstalt systematisch gefördert wird! Nur ja nichts lernen, was notp7 (um der Sache selbst wegen) lernen heißen könnte! Es ist mehr als genug, wenn man, wie die Sachen nun einmal stehen, immer noch mit der leidigen hebräischen Sprache zu thun haben muß, daß man sich im Lehren und Lernen derselben eben auch nur aus das „Muß" (Onv'Vv) beschränkt. — Wer ist aber der Lehrer, der eine solch' segensreiche Thätigkeit entwickelt? Ich meinerseits hielte es für viel zu viel Ehre für denselben, seinen Namen in diesen Blättern, wenn auch in trauriger Weise, zu verewigen: er verdient wahrhaftig auch das nicht! — Es ist ein Mann, der sich „Nabbinatscand idat" (Sie müffen Sich diesen „Candidaten" aber als einen Fünfziger, mindestens also als einen candidatus perpetuus denken) nennt; ob er dazu ein Recht hat? Wie er aber dieses Candidatenthum in religiöser Beziehung verwerthet: darüber mag Ihnen ein kurzes, aber sehr characteriftisches Zwiegespräch zwischen dem Rabbiner zu Dürkheim und einem der in meinem vorigen Briefe erwähnten, zur Schächterprüfnng bei demselben erschienenen Lehrer, Aufschluß geben. Rabbiner: „Ist Ihr Seminarlehrer, Herr S., religiös?" Lehrer: „Nicht viel." Rabbiner: „Geht er -ipm my in die Synagoge?" Lehrer: „Das ist nicht seine Sache; er kömmt höchstens in einem Vierteljahr einmal und zwar am Samstag zum Muffaphgebet in die Synagoge." Rabbiner: „Er betet aber wenigstens zu Hause nrvrpa?" Lehrer: „Das glaube ich nicht." Der Rabbiner denkt darauf einen Augenblick lang nach, welche weitere Erkundigungen er über das religiöse Leben dieses Lehrers der Religion einziehen sollen, und kömmt, durch eine