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Der Israelit · 1871-02-01 · Heft 5 (1.2.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 5 (1.2.1871)
Date
1871-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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78 den Menschheit zu Theil werden? Für unser Geschlecht war bisher jeder Friedens Muß nicht« als ein Waffenstillstand auf unbestimmte Zeit. WaS wir unter „wahrhaftemFrieden" verstehen, davon ein anderes Mal, zur gelegenen Zeit. Eine Mut-Ieschukdiguog i« Jerusalem. Mainz, 25. Jan. Die alte von entsetzlichem Judenhaste und mittelalterlichem Wahne ausgeheckte Beschuldigung, daß die Juden Christen- oder Türkenblut brauchen und zu diesem Zwecke Kinder stehlen, schlachten, braten und essen, dieser lächerliche, thörichte und in seinen Folgen oft so schreckliche Wahn tritt in Europa G. s. D. nicht mehr zu Tage; auch ün Orient hat ein Ferman deS Sultans derartige Anschuldigungen für wahnwitzig und alles Grundes entbehrend erklärt; eS ist daher den türkischen Beamten strenge untersagt, derartige Anklagen anzuhören oder daraufhin Untersuchungen einzuleiten. Nichtsdestoweniger wurde gegen einen Israeliten in Jerusalem im vorigen Monate eine solche Beschuldigung erhoben, und hat sich in Folge dessen die türkische Behörde Uebergriffe erlaubt. Der nähere Thatbestand ergibt sich aus einer Eingabe, welche die in Jerusalem wohnenden europäischen Juden an jeden der europäischen Consuln gerichtet haben und die wir im Nachstehenden hier wiedergeben: Jerusalem, 26. December 1870. Euer Hochwohlgeboren erlauben die ganz ergebenst Unterzeichneten Repräsentanten der sämmtlichen jüdischen, deutschsprechenden Gemeinden zu Jerusalem Nachstehendes zu unterbreiten. Am 22. Dec. d. I. wurde einer unserer europäischen Glaubensgenossen,Haim Jacob Naggiar, von der türkischen Behörde verhaftet und zwar wegen einer Angabe von zwei türkischen Knaben im Alter von ca. 10 und 8 Jahren, daß erwähnter Haim einen Bruder des einen geraubt und denselben geschlachtet habe; ja diese Knaben behaupteten, sie hätten gerochen, daß Haim den Knaben gebraten und kostbar! zwbereitet habe. In Folge besten wurde der erwähnte Haim von dem türkischen Chef der Polizei mit Kolben-! stößen derart mißhandelt, daß er in Ohnmacht fiel; man wollte ihn zwingen, einzugestehen, daß er den .Jungen geraubt und daß die Juden. Menschenblut brauchen. Leider hat sich bereits ein allgemeines Gerede in der Stadt verbreitet, daß die Juden Menschenblut brauchen. Die erwähnten türkischen Polizeibeamten sind darauf in das Haus eines deutschen BundeS- Schutzgenosten, der Frau Rifka, Wittwe des Josetzh Schwarz, welches Haus zugleich von engl, und österr. Unterthanen bewohnt ist, eingedrungen, haben alle Zimmer und Keller geöffnet und durchsucht und haben in dem dort befindlichen Studirzimmer die heilige Lade geöffnet und die heiligen Gesetzrollen durchwühlt. Wie selbstverständlich, sind solche Knaben nicht im Stande, eine solche Anklage aus eigenem Sinne vorzubringen, und ist zu ersehen, daß sich eine Partei gebildet hat, um diese Jntriguen anzuspinnen; man muß diese elenden Anschläge an's Tageslicht fördern. Es ist allgemein bekannt, wie viele Leiden unsere Glaubensgenossen durch solche Anklagen schon haben erdulden müssen. In der That hat auch Se. Maj. der Sultan einen Ferman ausgestellt, in welchem bestimmt wird, daß derartige Klagen nicht anzunehmen siien und daß der, welcher sie vorbringt, öffentlich bestraft werden soll. Ew. Hochwohlgeborey werden wohl ermessen können, daß diese Angelegenheit nicht nur uns hier allein berührt, sondern unsere sämmtlichen Glaubensgenossen. Wir bitten also Ew. Hochwohlgeboren , als V.rtreter Seiner (Ihrer) Majestät . . ., die nöthigen Schritte thun zu wollen, daß diese verleumderische Anklage untersucht und die Anstifter zur Strafe gezogen werden, damit künftighin solche grundlose Anschuldigungen nicht mehr erhoben und den etwaigen üblen Folgen vorgebkugt werde. Die Repräsentanten sämmtlicher europäischen israelitischen Gemeinden. (Folgen die Unterschriften.) Diese Eingabe wurde an die Consuln von Deutschland , England, Rußland und Oesterreich übergehen. Aber nur der deutsche General - Consul, Freiherr von Alten, und dessen Kanzler, Herr vr. Kerften, haben sich eifrig der Angelegenheit angenommen. Schon nach wenigen Stunden wurde das vermißte Kind, das sich verlaufen hatte, gefunden, und der verhaftete Haim Jakob Naggiar wurde in Freiheit gesetzt. Wir theilen hier das Antwortschreiben des deutschen General-Consuls mit: Jerusalem, 29. December-1870. Herrn S. Hausdorff, Israelit. Gemeindevorstand hier. In diesen Tagen ist mir ein Schreiben zugegangen, welches angeblich von den Repräsentanten der sämmtlichen israel. europäischen Gemeinden zu Jerusalem ausgefertigt worden, und unter dessen Unterschriften ich auch Ihren Namen finde. Da mir die übrigen dort verzeichneten Namen weder amtlich «och

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